Mythos Monaco

Der Große Preis von Monaco bietet einen einzigartigen Stadtkurs, jedoch schlechte Sicherheitsstandards.

Die sechste Station der Formel-1-Weltmeisterschaft 2011 findet am Sonntag in Monaco, der Stadt der Schönen und Reichen, statt. Seit 1955 ist die Strecke fixer Bestandteil der WM. Zur einzigartigen Monaco-Atmosphäre gehören die vielen Promis und die Nähe zu den Zuschauern. Wer sich es sich leisten kann, legt mit seiner Yacht am Hafen an und genießt das Rennen vom Deck aus. Auch ein Miss Monaco Grand-Prix-Schönheitswettbewerb darf nicht fehlen (Teilnehmerinnen im Bild). Der Kurs ist mit nur 3340 Metern der kürzeste im Rennkalender, die Gesamtdistanz beträgt nach 78 Runden nur 260,5 Kilometer. Jede Runde besteht aus 18 engen Kurven, vielen Unebenheiten und Kanaldeckeln, die die Besonderheiten der Strecke durch Monte Carlo ausmachen. Zur Sicherheit werden für das Rennen 33 Kilometer Leitplanken und 3600 Reifen als Puffer aufgebaut. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt nur bei knapp 150 km/h. Die schnellste Runde im Fürstentum drehte Kimi Räikkönen 2005 mit 1:13.644 Minuten. Rekordsieger an der Côte d'Azur ist Ayrton Senna mit sechs Siegen. Zum Mythos gehört auch, dass zwischen 1984 und 1993 nur Senna und Alain Prost in Monaco gewinnen konnten. Das Qualifying spielt auf dem engen Stadtkurs eine besondere Rolle. Auf der Strecke bieten sich kaum Gelegenheiten für Überholmanöver, deshalb ist die Pole Position wichtiger als auf jeder anderen Strecke. "Je besser du in der Qualifikation abschneidest, desto besser sind deine Chancen. Aber hier gab es schon viele verrückte Rennen", erklärte Vettel. "Auf dem Kurs kann der Fahrer den Unterschied ausmachen, man braucht nicht unbedingt das schnellste Auto." Das wohl verrückteste Rennen war der Große Preis von Monaco 1996. Den Sieger Olivier Panis, der von Startplatz 14 ins Rennen gegangen war, hatte im Vorfeld niemand auf der Rechnung. Die Favoriten Damon Hill und Michael Schuhmacher waren bei sehr schwierigen Regenbedingungen ausgeschieden. Es kamen überhaupt nur vier Rennwagen ins Ziel: Der Sieger, der Zweite David Coulthard und Johnny Herbert und Heinz-Harald Frentzen auf den Plätzen drei und vier. Aus technischer Sicht ist Monaco neben Budapest der Kurs, auf dem man den meisten Abtrieb benötigt. Dafür werden viele Zusatzflügel verwendet, die so steil wie möglich gestellt werden. Für das Getriebe sind die vielen Bodenwellen gefährlich, außerdem werden die Radaufhängungen durch gelegentliche Kontakte mit der Leitplanke belastet. Nelson Piquets berühmte Worte über den Monaco-Grand-Prix beschreiben den Kurs sehr anschaulich: "Formel 1 fahren in Monaco ist wie Hubschrauber fliegen im Wohnzimmer." Jeder Fahrfehler wird in Monte Carlo sofort bestraft, ohne Kiesbett und Auslaufzonen geraten die Wagen oft bis auf Zentimeter an die Mauern des Straßenkurses heran.  "Es gehört irgendwie dazu, mindestens einmal ganz leicht an der Mauer anzukommen. Es ist, als ob man der Strecke kurz 'Hallo' sagt", weiß Vettel, kann dieses Thema aber bereits abhaken. Er "begrüßte" die Mauer heuer schon im Training. Doch die niedrigen Sicherheitsstandards wurden einigen Fahrern schon zum Verhängnis. 1967 fuhr der Italiener Lorenzo Bandini in die  Strohballen der Hafenschikane. Nach dem Unfall fing sein Auto Feuer, das sehr schnell auf die Strohballen übergriff. Die Streckenposten konnten den Piloten nicht lebend aus den Flammen bergen. Auch Alberto Ascari war einige Jahre zuvor in der Hafenschikane ins Meer gefahren, konnte aber gerettet werden. Der Österreicher Karl Wendlinger hatte im Jahr 1994 ebenfalls einen schweren Unfall am Tunnelausgang. Anschließend lag er aufgrund schwerer Kopfverletzungen wochenlang im Koma. Seitdem wird die gefährliche Hafenschikane durch Reifenstapel gesichert, doch der Tunnel wird von den Fahrer noch immer mit rund 300 km/h verlassen und ist damit der schnellste Rennabschnitt. Ganz knapp war es an dieser Stelle auch 1998 für Wurz, 2002 für Sato und 2003 für Button. Doch zurück zur Gegenwart. Wer hat am Sonntag die besten Karten? Kann Alonso zum 3. Mal in Monaco gewinnen? Oder schafft es der Vorjahressieger Webber (im Bild bei der Siegesfeier), seinen Teamkollegen und Vorjahreszweiten Vettel mal wieder zu überholen? Auch Hamilton war 2008 schon einmal König von Monaco und macht sich nach seiner starken Leistung in Barcelona große Hoffnungen. Wer immer hier gewinnen will, sollte sich auch vor der Swimming-Pool-Schikane (also den Kurven 14 und 15) in Acht nehmen, im letzten Jahr meisterte Webber diese souverän, landete jedoch am Ende beim Feiern trotzdem im Pool. Als größter Favorit gilt Weltmeister Sebastian Vettel, der gegen einen ähnlichen Rennverlauf wie in Spanien sicher nichts einzuwenden hätte. Doch selbst wenn Vettel nicht gewinnt, ist sein komfortabler Vorsprung nicht in Gefahr. Der Red-Bull-Pilot (118) führt mit 41 Punkten Vorsprung vor Hamilton (77), Webber (67) und Button (61).

Rekordsieger in Monaco:
6 Siege: Ayrton Senna
5 Siege: Michael Schumacher und Graham Hill
4 Siege: Alain Prost
3 Siege: Stirling Moss und Jackie Stewart 
2 Siege: unter anderem Juan Manuel Fangio, Niki Lauda, Jody Scheckter, David Coulthard
(KURIER.at / Henriette Werner) Erstellt am
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