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03.06.2018

DTM: Philipp Eng auf dem Podium, Boxen-Drama um Lucas Auer

Von der Pole Position wollte Lucas Auer um den Sieg fahren, ein schwerer Unfall machte das zur Nebensache. Nachträglich wurde er noch disqualifiziert.

Das Sonntagsrennen der DTM auf dem Hungaroring hat sich Lucas Auer sicher völlig anders vorgestellt. Und bis zum Rennstart lief auch alles nach Plan für den Tiroler, der nach Rang zwei am Vortag im Qualifying Platz eins eroberte und sich zurecht Hoffnungen auf den Sieg machte.

Der Wettergott spielte nicht mit - und ausgerechnet Auer wurde zu seinem ersten Opfer. Wenige Runden nach Rennbeginn setzte starker Regen ein, und Auer war als einer der ersten auf dem Weg an die Box, um sich Regenreifen zu holen. Dort ereilte ihn das Drama: Bei der Anfahrt auf seine Mechaniker verlor Auer auf dem stehenden Wasser die Kontrolle, rutschte geradeaus und traf einen Sportwart, der zwischen Auers Mercedes und einer Mauer eingeklemmt wurde.

Lucas Auer war von dem schweren Unfall sichtlich erschüttert: „Nach dem Zwischenfall beim Boxenstopp war es für mich leider kein Rennen mehr. Ich bin zwar noch zu Ende gefahren, aber mir ging es nur darum, zu erfahren, wie es den beiden Streckenposten geht. Alles andere war mir egal. Es gibt zwei verschiedene Asphalttypen in der Boxengasse und ich bin schon so langsam wie möglich reingefahren. Aber ich konnte nirgends mehr hin und bin einfach geradeaus gerutscht und eingeschlagen. Ich war nur noch Passagier im Auto. So etwas darf nicht mehr passieren.

Auch Auers Mercedes-Kollege Edoardo Mortara und BMW-Routinier Bruno Spengler rutschten in der Box und trafen ihre Mechaniker. Während der von Auer getroffene Marshall mit einem offenen Unterschenkelbruch ins Spital geflogen wurde, gingen die anderen beiden Unfälle glimpflicher aus.

Drei Fahrer disqualifiziert

Fast sechs Stunden nach dem Rennen haben die Sportkommissare des Deutschen Motor Sport Bundes (DMSB) den Österreicher Lucas Auer sowie Edoardo Mortara und Bruno Spengler disqualifiziert. Die Rennleitung will untersuchen, ob es bei den drei Vorfällen möglicherweise fahrlässiges Verhalten der Fahrer gab. Ihre Teams können dagegen Berufung einlegen.

In der Folge musste das Rennen unterbrochen werden, um die verletzten Mechaniker zu versorgen und ins Medical Center zu bringen. Nach langer Ungewissheit erfolgte schließlich der Restart auf Trockenreifen bei noch 25 verbleibenden Minuten.

Eng auf dem Podest

Nur einer verpasste den Wechsel von den Regenpneus auf Slicks - der Meisterschaftsführende Gary Paffett wurde von seinen Mechanikern mit Regenreifen losgeschickt, er musste das Feld ziehen lassen und durfte erst nach zwei Runden die Box ansteuern, um zu wechseln.

Vorne enteilten zunächst Daniel Juncadella und Pascal Wehrlein. Weil aber beide noch an die Box mussten, spülte es die am Vortag noch abgeschlagene BMW-Truppe - darunter auch den Salzburger Philipp Eng –  nach vorne. Am Ende siegte Marco Wittmann vor dem neuen Gesamtführenden Timo Glock und Eng. Für Eng war es bereits der zweite Podestplatz in seiner Rookie-Saison. Für Auer reichte es am Ende zu Rang neun.

Ärger hatte es schon vor dem Rennen bei Gerhard Berger gegeben. Der DTM-Chef vermutete eine Teamorder beim Mercedes-Doppelsieg am Vortag. Auer, der Bergers Neffe ist, war in Führung liegend von seinem Markenkollegen Paul di Resta überholt worden. Der Schotte hatte anschließend gewonnen. Auer zeigte in der Situation keine Gegenwehr. "Das ist meiner Meinung nach ein Rückschlag für die DTM und für mich ein Schlag ins Gesicht. Ich war der Meinung, solche Spielereien sind vorbei", sagte Berger der Deutschen Presse-Agentur.