Die Formel-1-Stars vor dem Belgien-GP: Wenn Spaß zur Angst wird

Die Formel-1-Stars vor dem Belgien-GP: Wenn Spaß zur Angst wird
Auf die Fahrer übt die Strecke in Spa einen Reiz aus, doch die Gefahr fährt mit. In jüngster Zeit verloren zwei Rennfahrer dort ihr Leben.

Max Verstappen legt sich fest: "Spa ist natürlich meine Lieblingsstrecke und ich freue mich darauf", sagt der in Belgien geborene WM-Leader. Dass der Kurs als "Problemstrecke" bezeichnet wird, findet der 25-Jährige etwas unfair. Die berühmte Kurve Eau Rouge sei sicher "ziemlich gefährlich, aber wir fahren auch den Sektor 1 in Jeddah, und das ist für mich wahrscheinlich noch gefährlicher".

Doch gerade vor dem Sprintrennen am Samstag (17 Uhr) und dem Grand Prix am Sonntag (15/beides live ServusTV, Sky) flammen die Diskussionen über die Sicherheit in Spa neu auf, denn Regen ist angesagt. Mercedes-Pilot George Russell sieht als Vertreter der Fahrer-Gewerkschaft die Rennleiter des Weltverbandes (FIA) vor einer schweren Prüfung. "Sie haben eine große Verantwortung an diesem Wochenende", sagte der Brite. "Jeder will Rennen fahren, aber wenn man mit 320 km/h die Gerade entlang rast und keine 50 Meter weit sehen kann, wird es schwere Vorfälle geben."

Formula One Belgian Grand Prix - Arrivals and press conferences

Trauer

Im Dauerregen von Spa hockte Pierre Gasly mit geschlossenen Augen am Streckenrand und trauerte. Ein tropfnasser Blumenstrauß vor ihm sollte an zwei junge Rennfahrer erinnern, die in jüngster Zeit ihr Leben an dieser Stelle verloren hatten.

Erst vor vier Wochen war der 18 Jahre alte Niederländer Dilano van 't Hoff bei einem Unfall auf nasser Strecke bei einem Nachwuchsrennen in Spa gestorben. Er hatte die Kontrolle über sein Auto verloren und sich gedreht, ein anderer Pilot knallte mit hohem Tempo in den Boliden. Das Geschehen erinnerte auf schockierende Weise an den Tod des französischen Formel-2-Fahrers Anthoine Hubert im Jahr 2019. Er habe in Spa "die schlimmsten Emotionen meines Lebens" erfahren, sagte Huberts Freund Gasly.

AUTO-PRIX-F1-BEL-GASLY

Widersprüche

Die Gefühle im Fahrerlager sind widersprüchlich. Auch für Gasly gehört Spa zu den schönsten und spektakulärsten Rennstrecken der Saison, die die Fahrer Jahr für Jahr neu herausfordert. Doch im Regen wird aus Spaß oft Unbehagen, vielleicht sogar Angst. Zum Blindflug wird das Fahren durch die Gischt mit den neuen, schweren Autos mit den breiteren Reifen. Ein erster Test in Silverstone mit Kotflügeln über den Hinterrädern war zuletzt ein Misserfolg. "Wenn wir sagen, dass wir nichts sehen, übertreiben wir nicht", sagte etwa Ferrari-Pilot Charles Leclerc.

Die FIA müsse bei ihren Entscheidungen Stärke beweisen, sagt Russell: "Natürlich ist es für niemanden perfekt, ein Rennen abzusagen. Aber wir wollen nicht einen weiteren schweren Unfall sehen, wie es ihn gerade gab."

Vor zwei Jahren wurde der Grand Prix am Sonntag Stunde um Stunde wegen Regens verschoben und dann nach zwei Runden hinter dem Safety-Car abgebrochen. Der Sieg wurde Max Verstappen zugesprochen.

Kommentare