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Sport
05/03/2012

Mayweather: Letzter US-Star im Boxen

Am Samstag verteidigt Floyd Mayweather seinen WM-Titel. In seiner Karriere hat er bereits 700 Millionen Dollar verdient.

Gold. Überall Gold. Die Decke, die Wände. Die gigantische Hotellobby des MGM Grand in Las Vegas muss nicht besonders behübscht werden für den hohen Besuch, der in dieser Woche die Glücksspielmetropole beglückt. Las Vegas ist wie gemacht für Boxchampion Floyd Mayweather Junior. Der 35-jährige, ungeschlagene Weltmeister aus Michigan trägt den Künstlernamen "Money" und protzt gerne mit seinem Reichtum.

Sein Name ist sein Programm, sein vieles Geld ist er vielen wert. Er polarisiert, er provoziert. Vor allem aber – er elektrisiert. Und der brillante Schläger ist Amerikas einziger Star in einer schwer angeschlagenen Faustkampfszene.

Es mangelt an charismatischen Figuren und großen Könnern. Und es gibt ernsthafte Konkurrenz in Gestalt von neuen Zweikampfvarianten wie Ultimate Fighting, die ohne großes Regelwerk auskommen und vor allem die jungen Massen in den USA mobilisieren. Floyd Mayweather kann das egal sein. Er hat Millionen Fans und Millionen Feinde. Und er ist eine Marke. Eine sündhaft teure Marke.

40 Millionen Dollar pro Auftritt. Insgesamt hat Money Mayweather in seiner Karriere rund 700 Millionen Dollar eingestreift. "Schnelle Kämpfe, schnelles Geld. Das liebe ich", sagt er. Schon sein erster Auftritt am Dienstag lockt rund 2000 Fans ins MGM, wo Mayweather am Samstag Miguel Cotto (Puerto Rico) vorgesetzt bekommt. Es geht um den WBC-Titel im Superweltergewicht (69,853 Kilo).

Glitzer & Geschrei

Ein goldener Löwe hockt in einem eigens in die Hotellobby gebrachten Ring, davor ein Podium, auf ihm ein goldener Thron. King Mayweather ist auch auf dem Podium zu sehen, flankiert von zwei tief dekolletierten Mädchen. Das muss so sein. Mayweather trägt dunkle Sonnenbrillen. Ein paar Fragen, ein paar flotte Sprüche, viel Glitzer und Geschrei. Der Showman weiß um seinen Faktor Bescheid.

42 Kämpfe, 42 Siege, 26 vorzeitig. Er war Weltmeister in fünf Gewichtsklassen, von Superfeder bis Halbmittel. Unabhängige Box-Magazine führen ihn in ihren Ranglisten als zweitbesten Boxer der Erde. Pound for Pound – das heißt: Die Gewichtsklasse spielt bei der Klassifizierung keine Rolle.

Nur Manny Pacquiao von den Philippinen liegt vor dem Amerikaner. Ein Kampf der beiden steht noch aus. Schuld dran ist Mayweather. Weil er die Mutter seiner Kinder verprügelt hat, wurde er Ende 2011 zu 90 Tagen Knast verurteilt und zu einem Antiaggressionskurs verdonnert. Die Haftstrafe muss er frühestens im Juni antreten. Ebenfalls aktenkundig ist eine Attacke auf einen Wachmann. Nicht nur deshalb erregt er die Gemüter.

Gehasst & gefeiert

Mayweather pflegt demonstrativ sein Moneymaker-Image, gepaart mit einem Schuss Gangster-Flair. Rapper 50 Cent, der vor seiner musikalischen Karriere im Gang-Milieu aktiv war, ist einer von Mayweathers Freunden. Er sagt über den Champion: "Sie hassen ihn, weil er jung und reich ist und weil er eine Popkultur repräsentiert, die viele nicht mögen."

Tatsächlich hätten viele Amerikaner lieber Vorzeigestars. Am liebsten im Schwergewicht, doch dort regiert eisern die (ost)europäische Faust, und aufgrund sträflich vernachlässigter Amateurboxkultur in den letzten Jahren (junge Kämpfer werden mit Aussicht aufs große Geld viel zu rasch ins Profilager gelockt) ist in den USA auch kein neuer Ali, Foreman oder Tyson in Sicht – noch nicht einmal einer, der den Klitschko-Brüdern nur ansatzweise das Handtuch reichen dürfte.

Also muss sich die stolze Boxnation USA die Leichtgewichte zu Herzen nehmen. Schillernde Figuren wie Oscar de la Hoya (der mittlerweile etwas rundlich gewordene "Golden Boy" hat aufgehört, dreht Golfrunden in Vegas und veranstaltet Boxevents), oder eben Floyd Mayweather, Olympiadritter von 1996, der mit 19 ins Profilager wechselte. Geniale Kämpfer, die keinen kalt lassen und die wissen, wie die Show hitzig zu gestalten ist.

Abgezockt & ausgepfiffen

Mayweather ist auch schon beim Wrestling aufgetreten, hat dabei einem 2,13-Meter-Riesen das Nasenbein gebrochen und dafür 20 Millionen Dollar kassiert. Seinen bisher letzten Boxkampf hat Mayweather im September letzten Jahres durch K.o. in Runde 4 gewonnen. Das Publikum pfiff ihn gnadenlos aus, weil der abgezockte Champion seinem Kontrahenten den entscheidenden Schlag verpasste, als dieser sich gerade wegen eines Kopfstoßes entschuldigte.

Alles kein Thema mehr für ihn. Ihn interessiert nur der nächste Kampf. Auf die Frage, warum er diesen gewinnen werde, sagt er: "Boxer, die schon mal verloren haben, zweifeln manchmal an ihren Fähigkeiten." Gegner Cotto hat zwei Mal verloren (in 39 Kämpfen), Mayweather noch nie.

Am Ende wird er gewinnen, auch wenn er tatsächlich einmal verlieren sollte. Die Boxwelt braucht ihn. Ob sie ihn liebt oder hasst. Sie wird Mister Money weiterhin mit Millionen umschlingen. Rapper 50 Cent wurde übrigens durch einen Film und eine CD weltweit berühmt, deren Titel auch auf das Leben seines boxenden Kumpels Floyd Mayweather gut passen würde: "Get rich or die tryin" . Das heißt so viel wie: "Werde reich oder stirb beim Versuch."

Profiboxen: Im Dickicht der Weltverbände

Vierkampf Mayweather verteidigt seinen WM-Titel nach Version des World Boxing Council (WBC). Dies ist einer von vier bedeutenden Weltverbänden. Neben der ältesten Konkurrenzorganisation WBA  entstand 1983 die IBF. 1988 etablierten sich die WBO und fast ein Dutzend weitere Verbände, von denen aber nur die WBU in Großbritannien eine größere Rolle spielt.

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