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Sport
12/10/2018

Kolumne "Quergedacht": Willkommen auf der Insel, Ralph!

Southampton-Coach Hasenhüttl lernt in der Premier League die größte Bühne mit vielen Tücken kennen.

von Paul Scharner

Ralph Hasenhüttl ist ein in Deutschland gewachsener und angesehener Trainer. Trotzdem wird der 51-jährige Grazer rasch erkennen: Die Insel ist noch einmal etwas anderes. Die Premier League stellt nicht nur die größere Bühne als Deutschland dar, sie ist auch mit besonderen Herausforderungen verbunden.

Die erste hat der Coach von Southampton zum Einstand kennengelernt: Es gibt noch Trainer wie Neil Warnock, die auf Kick and Rush zurückgreifen. Southampton hatte beim 0:1 gegen Cardiff zwar mehr Ballbesitz, aber keine passende Antwort auf die vielen langen Bälle. Hasenhüttls Schlüsselfrage ist: Wie viel will ich wie schnell ändern?

Nach zwei Trainingseinheiten waren es sechs Spieler und ein neues System: 4-3-2-1 im Tannenbaum statt das übliche 4-2-3-1. Ich würde davor warnen, auch die Spielphilosophie zu rasch zu ändern. Hasenhüttl steht für aggressives Gegenpressing. Das gibt es in der Premier League nur bei Liverpool unter Klopp und bei Manchester City (wenn sie doch einmal den Ball verlieren) unter Guardiola. Southampton wäre also der einzige Verein der unteren Tabellenhälfte mit dem aus Salzburg und Leipzig bekannten offensiven „Bullen-Stil“.

Inhaltlich traue ich Hasenhüttl diese Umwandlung zu, ich habe ihn in Leipzig als offenen und ehrgeizigen Fachmann kennengelernt. Aber er hat keine Zeit. Es gibt keine Winterpause, der Spielplan ist extrem gedrängt. Eigentlich wäre sogar ein frühes Out im FA-Cup hilfreich, um ein paar Tage mehr zum Einstudieren zu bekommen.

Dazu kommt die Fitnessfrage: Würden die ohnehin belasteten Spieler diesen intensiveren Stil umsetzen können? Die Qualität ist bei fast allen Gegnern so hoch, dass kleine Schwächen beim Aufrücken brutal ausgenutzt werden können.

Ausbildungsverein

Aufgrund dieser vielen Tücken der für mich spannendsten Liga der Welt finde ich es gut, dass Hasenhüttl nicht mit einem kompletten Team den Klub übernommen hat, sondern auf Betreuer setzt, die den Verein und die Liga gut kennen.

Southampton gilt als Ausbildungsverein und hat Spieler wie Mané, Van Dijk, Lallana oder Walcott entwickelt und teuer verkauft.

Nach dem 0:1 ist mir aufgefallen, dass er auf Sky lange – zu lange – geantwortet hat. Ich weiß aus eigener Erfahrung: Wenn das Englisch noch nicht alltäglich ist, neigst du in der ersten Emotion dazu, auf der Suche nach Worten im Kreis zu reden. Deswegen mein Tipp: Anfangs lieber kurz und knackig antworten. Die richtig kritischen Fragen kommen schneller als erhofft.

Die vielen Runden rund um die Weihnachtszeit gelten als vorentscheidend für den Abstiegskampf: Wer zu den Feiertagen nichts zu feiern hat, steigt meistens auch ab.

paul.scharner@kurier.at