Usain Bolt entschuldigt sich bei Gott
Eine Kirche auf Jamaika hat ihren Gemeinde-Mitgliedern am Sonntag offiziell erlaubt, den Gottesdienst früher zu verlassen, um sich das WM-Rennen von Usain Bolt im Fernsehen anzuschauen. Darüber berichtete die Zeitung "The Jamaica Star" am Dienstag groß auf ihrer Titelseite. Der Superstar twitterte daraufhin: "God I'm sorry" (Gott, es tut mir leid).
Der jamaikanische Volksheld hatte am Sonntag bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Moskau den 100-m-Sprint gewonnen. Das Finale ging nach jamaikanischer Zeit bereits am Vormittag in Szene.
Oh, Bolt – Du bist die Welt!“ titelte die russische Tageszeitung Sport Express nach Bolts Sieg über die 100 Meter euphorisch. Die französische Le Parisien stand dem in nichts nach: „Der Bolt-Blitz hat wieder eingeschlagen“.
Die sportlichen Schlagzeilen gehörten ganz klar Jamaikas Sprint-Star, der sich in in 9,77 Sekunden seinen bereits sechsten WM-Titel holte. Es war der wohl am härtesten erkämpfte Erfolg in seiner Karriere.
„Wenn ich ein perfektes Rennen gezeigt hätte und bezwungen worden wäre, wäre ich niedergeschlagen. Aber der Lauf war nicht perfekt, die letzten 30 Meter gelangen nicht wunschgemäß“, sagte Bolt nach dem Lauf. Das sechste WM-Gold ist für den Jamaikaner vielleicht sein Wichtigstes. Nach dem Fehlstart-Missgeschick in Daegu (Südkorea) vor zwei Jahren kürte er sich nun wieder zum schnellsten Mann der Welt. Dass er dies nicht in neuer Weltrekordzeit getan hat, ist vermutlich auch ein Vorteil, ansonsten wären neuerliche Doping-Diskussionen, die ohnehin ihre Schatten über die diesjährige WM werfen, wohl nicht zu verhindern gewesen.
Trotz aller Verdächtigungen verliert der 26-Jährige aber sein Ziel nicht aus den Augen: Das zweite WM-Triple nach der Weltmeisterschaft 2009 in Berlin würde Bolt zum erfolgreichsten Leichtathleten der 30-jährigen WM-Geschichte machen.
„Ich freue mich jetzt auf die 200 Meter. Ich kann nichts versprechen, aber wie immer gebe ich mein Bestes“, erklärte Bolt. Die Vorläufe über 200 Meter gehen übrigens erst am Freitag über die Bühne.
Schlechte Stimmung
Unterdessen haben die Veranstalter mit verwaisten Tribünen zu kämpfen. Vor allem die Vormittagsbewerbe lockten bisher nur ein paar Tausend Zuschauer ins Stadion, die höchstens bei russischen Athleten für etwas Stimmung sorgten.
Auch bei Bolts erstem großen Auftritt war die 85.000 Zuschauer fassende Arena bloß zu drei Vierteln gefüllt. Das scheinbare Desinteresse der Moskauer Bevölkerung stört auch die Athleten. „Es ist tot, überhaupt keine Atmosphäre“, sagte etwa 400-m-Hürden-Läufer Felix Sanchez.
Michail Butow, der Generalsekretär des russischen Verbandes, sprach hingegen von einem immer besser laufenden Kartenverkauf: „Es geht voran – nicht so gut wie für die Abend-Sessions, aber die russischen Zuschauer fällen ihre Entscheidung oft im letzten Moment.“
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