epa03823737 Yelena Isinbayeva of Russia gestures after an attempt in the women's Pole Vault final at the 14th IAAF World Championships at Luzhniki stadium in Moscow, Russia, 13 August 2013. EPA/KERIM OKTEN

© APA/KERIM OKTEN

Leichathletik
08/14/2013

Isinbajewa: Die Ikone des Stabhochsprungs

Nach Gold bei ihrer Heim-WM will Jelena Isinbajewa jetzt Mutter werden - und 2016 nach Rio.

Jelena Isinbajewa wĂŒnscht sich sehr, dass sich ihr Leben genau nach ihren Vorstellungen erfĂŒllt. Nun, bei der WM in Moskau wurde auch wahr, was sie sich ertrĂ€umt hatte: Stabhochsprung-Gold in ihrer Heimat. Das Erreichen des nĂ€chsten Zieles der mal ausgelassenen, mal nachdenklichen, aber immer eleganten Sportlerin liegt jedoch nicht alleine in ihrer Macht. Auch wenn es bei ihr so einfach klingt: "Neun Monate ein Baby im Bauch, neun Monate stillen. Das macht 18 Monate. Also kann ich in Rio dabei sein."

Jelena Gadschijewna wurde am 3. Juni 1982 in Wolgograd geboren und ist in bescheidenen VerhĂ€ltnissen aufgewachsen. Der Vater war Spengler, die Mutter hat in einem Heizkraftwerk gearbeitet und noch zwei weitere Jobs erledigt, damit die Familie finanziell das Auslangen fand. Trotzdem investierten die Eltern verstĂ€rkt in die Tochter, schickten sie als FĂŒnfjĂ€hrige zum Turnen, ehe man ihr mit 15 sagte, dass sie mit ihren 1,74 m zu groß dafĂŒr sei. "Man hat mich zum Stabhochsprung versetzt. Ich fand das wahnsinnig ungerecht. Ich habe geheult, weil ich ja eine Turnerin werden wollte", sagte sie einmal.

Freilich bedeutete das die entscheidende Weichenstellung in ihrem Leben, denn als sie merkte, mit welchem Talent sie gesegnet ist, wollte sie ein Star werden. Und hievte sich selbst als nun dreifache Weltmeisterin, zweifache Olympiasiegerin und Weltrekordlerin zur erfolgreichsten Stabhochspringerin aller Zeiten empor. Als Glamour-Girl tanzte sie von Party zu Party, stilgerecht lebte sie einige Jahre in Monaco ("Der Himmel auf Erden), nichts Skandalöses kratzte an ihrem Image. Als Subjekt der Begierde von Sponsoren und Medien und als MultimillionÀrin hatte sie alle Freiheiten der Welt.

Nur die Freiheit, den Sport Sport sein zu lassen, als sie es wollte, nahm sie sich nicht, obwohl ein eigenes Kind seit Jahren ein Herzenswunsch von ihr ist. Sie gab, so berichten verschiedene Medien, dem DrÀngen von PrÀsident Wladimir Putin nach und trat zu den Weltmeisterschaften im eigenen Land an. Als AushÀngeschild, Publikumsliebling, Goldbringerin.

"Ich bin die Stabhochsprung-Queen, das Publikum ist meines! Dieser Sieg ist der wertvollste in meiner Karriere", sagte die 31-JĂ€hrige also am Dienstagabend im Luschniki-Stadion. "Ich habe gewonnen, weil ich daheim war. Ich wollte eine glĂ€nzende Spur hinterlassen. Ich möchte allen Fans danken - ihre UnterstĂŒtzung hat es möglich gemacht."

WĂ€ren die Olympischen Spiele vergangenes Jahr nicht in London, sondern in Moskau gewesen, fĂŒgte sie an, dann wĂ€re das Ergebnis anders ausgefallen. Denn die Bronzemedaille bei den Sommerspielen 2012 war auch ihr viel zu wenig. "Ich bin wirklich stolz drauf, dass Jelena Isinbajewa gezeigt hat, dass sie zurĂŒck ist. Und es ist noch nicht zu Ende", sagte sie nun.

Isinbajewa hat fĂŒr diese Saison noch Starts bei den Diamond-League-Meetings in Stockholm und ZĂŒrich geplant, aber auch ein vorzeitiges Saisonende schließt sie nicht aus. Es wird jedenfalls eine Pause fĂŒr lĂ€ngere Zeit werden. "Ich werde versuchen, fĂŒr Rio zurĂŒckzukommen. Entweder werdet ihr mich 2016 sehen, oder, wenn es schlecht lĂ€uft, werdet ihr von meinem RĂŒcktritt hören."

Jetzt, wo er bekommen hat, was er wollte, wird ihr Putin diese Freiheit lassen.

Jederzeit und ĂŒberall top-informiert

UneingeschrÀnkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.