Birgit Fürnkranz-Maglock

© OSV

Schwimmen
08/15/2013

„Ich erwarte eine Entschuldigung“

Österreichs Interims-Präsidentin Birgit Fürnkranz-Maglock spricht über Dinko Jukic, Vergangenheit und Zukunft.

von Christina Pertl

Birgit Fürnkranz-Maglock sieht müde aus. Sechs Stunden dauert der Interview-Marathon schon, dem sich die interimistische Sprecherin des OSV in Wien stellt. Nach Kritik, Hickhack und dem Rücktritt von Christian Meidlinger hat die 36-jährige Vize-Präsidentin aus Krems die Führung übernommen, bis beim nächsten Verbandstag über die Zukunft entschieden wird. Nicht ohne mit der neuen Aufgabe zu hadern: „Wer möchte heutzutage schon so ein Amt übernehmen?“

KURIER: Sie wollen dieses Gespräch nutzen, um Dinge klarzustellen. Welche sind das?
Birgit Fürnkranz-Maglock:
Es ist eigentlich ein Appell: Wir wollen für den Schwimmsport arbeiten, gemeinsam mit den Vereinen und den Landesverbänden. Das ist mir ein ganz großes Anliegen. All jene, die meinen, sie können es besser, die meinen, wir sollen zurücktreten, die lade ich gerne ein, mitzuarbeiten.

Zu den größten Kritikern gehört Dinko Jukic. Ist er auch herzlich eingeladen?
Natürlich! Ende August soll es einen runden Tisch geben mit Markus Rogan, Dinko Jukic, Peter Schröcksnadel und Sportminister Klug. Dort werde ich Dinko noch einmal fragen, was er denn eigentlich will. Man liest nur in den Medien, der ganze Verband soll zurücktreten, bis dahin schwimmt er nicht. Er hat aber definitiv noch nie gesagt, was er eigentlich will.

Gibt es Dinge, die falsch laufen? Verstehen Sie die Kritik?
Wir wissen, dass wir in der Vergangenheit Fehler gemacht haben, dass es viele Verbesserungen geben muss. Bei Strukturen oder der Verteilung von Fördermitteln etwa – keine Debatte. Da gibt es nichts schönzureden. Sicher hat es auch Kommunikationsprobleme gegeben, das sind Tatsachen. Aber man kann auch nicht immer nur kritisieren.

Ihr Vorgänger hatte Jukic ja nahegelegt, er solle den Verband verlassen. Gibt es nun eine Annäherung?
Wir wollen endlich einmal arbeiten. Dieser runde Tisch ist mit einem Ultimatum von unserer Seite verbunden: Können wir noch einmal zusammenarbeiten? Oder sagen wir, wir gehen auseinander? Wir wollen nicht wieder zwei Jahre nur in der negativen Presse stehen.

Und dann ist alles vergeben und vergessen?
Nein. Ich erwarte eine Entschuldigung, in aller Öffentlichkeit. Da muss sich Dinko Jukic überlegen, wie weit er über seinen Schatten springen kann. Ich kann nicht über Personen schimpfen, die ich gar nicht kenne. Ich kenne ihn persönlich zum Beispiel nicht und entnehme der Presse, dass der Vorstand lauter Blinde sind, die von nix eine Ahnung haben.

Es gibt eine parlamentarische Anfrage des BZÖ, die dubiose Geldflüsse rund um den scheidenden Finanzreferenten Walter Benesch vermutet. Was hat es damit auf sich?
Fakt ist, dass wir den OSV überprüfen haben lassen. Der Prüfbericht besagt genau, wo was hingebucht und was wo ausgegeben wurde. Es konnte in keiner Weise nachvollzogen werden, dass da Gelder in private Taschen geflossen oder Subventionen verschleiert worden sind. Das ist aus der Luft gegriffen und eine Frechheit.

Warum sind die Zeiten so schwer für den Schwimmsport?
Jeder möchte Olympiasieger, Weltmeister sehen. Das ist in der derzeitigen Situation nicht möglich. Es fehlt an Infrastruktur, an Geld, an Kommunikation, an Zusammenarbeit, an Fortbildung. Da können wir uns nur verbessern. Aber wir brauchen auch die Politik dazu, sonst lesen wir in Rio wieder von Olympia-Touristen. Wenn man aber zufrieden ist mit einer Teilnahme bei Olympia oder der WM, dann sind wir sicher am richtigen Weg.

Jukic meckert und zwei Präsidenten dankten ab

Bei der EM in Debrecen 2012 sorgte Dinko Jukic mit der Beleidigung von Funktionären für Aufregung und wurde im August des vergangenen Jahre vom unabhängigen Verbandsgericht für ein Jahr ausgeschlossen. Bei den Olympischen Spielen in London erneuerte der heute 24-Jährige seine Kritik an Strukturen und Verbands-Funktionären.

Der seit 2004 amtierende OSV-Präsident Paul Schauer verzichtete daraufhin auf eine weitere Kandidatur. Für ihm übernahm Christian Meidlinger, der vor zwei Wochen sein Amt niederlegte. Der Grund war einmal mehr Kritik, unter anderem von Jukic. „Ich glaube, es ist Zeit, dass alle gesammelt die Hände heben und den Sportlern den Verband überlassen“, sagte der Olympia-Vierte von London, dem Meidlinger daraufhin nahelegte, selbst den Verband zu verlassen.

Zumindest bis zum nächsten Verbandstag (Termin steht noch nicht fest) steht die Vizepräsidentin Birgit Fürnkranz-Maglock an der Spitze des Verbandes.

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