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Sport
08/05/2012

Hrustanovic "in absoluter Olympia-Form"

Ringer Amer Hrustanovic gibt sich vor dem Auftakt der Klasse bis 84kg zuversichtlich.

Für Ringer Amer Hrustanovic ist am Montag der wichtigste Tag seiner bisherigen Karriere. Als einziger Aktiver des österreichischen Ringsportverbandes (ÖRSV) hat er sich für die Olympischen Spiele in London qualifiziert, seine Klasse bis 84 Kilogramm im griechisch-römischen Stil ist ab 14.00 Uhr MESZ an der Reihe. In einem sehr ausgeglichenen Feld ist für fast jeden der 20 Athleten ein Medaillengewinn möglich, daher hat auch Hrustanovic berechtigte Hoffnungen.

Nationalteam-Trainer Peter Kosmata teilt die 19 Konkurrenten seines Schützlings in drei Bereiche. "Gegen fünf bis sieben sollte Amer eigentlich gewinnen. Gegen genauso viele wäre es der Papierform nach ein offener Kampf, gegen die anderen wäre er Außenseiter", sagte der Coach vor der für Sonntagabend angesetzten Abwaage und Auslosung. Das heiße aber nicht, dass der Salzburger nicht auch als Außenseiter gewinnen könne, wenn er seine Spezialtechnik anbringen kann.

Bestens vorbereitet

Dass der Athlet vom AC Wals fast jeden besiegen kann, hat er im vergangenen September bei der Istanbul-WM durch Erfolge gegen den armenischen EM-Dritten Artur Shahinyan und den kubanischen Vizeweltmeister Pablo Enrique Shorey Hernandez bewiesen. Kosmata: "Durch Amer wird Österreich von den klassischen Ringernationen wieder ernst genommen." In Istanbul hatte es zwar noch nicht mit der Olympia-Qualifikation geklappt, aber dann im April in Sofia.

Die seither absolvierte Vorbereitung ließ keinen Wunsch offen. "Wir sind ein Rahmenprogramm gefahren, so etwas hat es davor noch nicht gegeben", sagte Kosmata. Seit Juni war Hrustanovic im Wechsel auf Trainingslagern im Ausland sowie daheim, wobei ausländische Athleten zum Sparring eingeladen wurden. Letztlich finanzierte das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) mit Clubkollegen Florian Marchl einen Vorort-Trainingspartner für Hrustanovic.

"Amer ist gewaltig drauf, in absoluter Olympia-Form", erklärte Marchl gegenüber der APA. Seit der Anreise am Donnerstag haben die beiden viermal trainiert, vor der Abwaage am  Sonntag standen noch ein paar kurze, spritzige Elemente auf dem Programm. Während des Wettkampfs wird Marchl mit einer Schar von rund 40 Wals-Schlachtenbummlern auf der Tribüne sitzen. Sie alle wollen ihren Liebling von Sieg zu Sieg bis zur Medaille treiben.

Abnehmen und wieder zunehmen

Seit Montag hat Hrustanovic Gewicht gemacht, von 90 kg musste er bis zur Abwaage auf die geforderten 84 kg abspecken. Es ist üblich, mit einem höheren Gewicht zu trainieren, das sich daraus ergebende bessere Körpergefühl wird für den Kampf sozusagen abgespeichert. Einige wenige Aktive der 84-kg-Klasse gehen laut Kosmata in einer unwesentlich längeren Zeitspanne, als sie Hrustanovic, hat sogar von bis 96 kg auf 84 kg hinunter.

Geschafft wird die Gewichtsabnahme durch Sauna, Schwitzanzug, wenig Essen und Trinken sowie Training. Ist die Abwaage erst einmal überstanden, wird in den verbleibenden 20 Stunden bis zum Wettkampf noch fleißig Gewicht in die andere Richtung gemacht. "Beim ersten Kampf haben die Ringer dann wieder so 87 bis 88 Kilo", erläuterte Kosmata. Erreicht wird das durch entsprechende Nahrungsaufnahme und Flüssigkeitszufuhr.

Volle Konzentration

Hrustanovic hat sich in den Tagen vor seinem Kampf wie gewohnt abgeschottet, sich ganz auf das Gewicht machen und den bevorstehenden Bewerb konzentriert. "Ich war auch noch nicht in der Wettkampfhalle", sagte der 24-Jährige vor der für dort angesetzten Abwaage. "Ich bin zuversichtlich, meine Vorbereitung war gut."

Auch Kosmata hat ein gutes Gefühl. "Amer war total locker in letzter Zeit. Aber in den Tagen vor dem Bewerb wird er introvertiert. Er braucht das, dass er sich total von der Umwelt abschottet." Nun käme es nur noch darauf an, wie sich der Heeressportler auf seinen Kampf fokussieren kann. "Wenn er es nicht schafft, es geistig und nervlich umzusetzen, verliert er", führte der Trainer aus. "Wenn er es schafft, dann ist viel möglich."

Modus - Wettkampfablauf

Am Vortag des Wettkampftages finden Abwaage und im Zuge dessen die Auslosung statt. Hat ein Ringer zu Beginn minimal zu viel an Gewicht, hat er die Chance, bis zum Ende der rund eine halbe Stunde dauernden Abwaage noch auf das Maximalgewicht zu reduzieren (durch ein kurzes Intensiv-Training).

Hat ein Athlet zu viel an Gewicht, darf er nicht am Wettkampf teilnehmen. Das Feld der aus 20 oder an die 20 Aktiven bestehenden Klasse wird dann in zwei Hälften geteilt, in jeder dieser wird bis zur Ermittlung des Finalisten im K.O.-System gerungen. auf Wer in der ersten Runde ein Erstrunden-Freilos oder einen -Kampf hat, wird durch Los entschieden.

Es gibt drei Matten in der Ringer-Halle, auf denen zumindest in den frühen Phasen gleichzeitig gekämpft wird. Die Athleten wechseln von Kampf zu Kampf die Matte. Die drei Kampfrichter pro Matte verbleiben dort, rotieren aber u.a., sodass nicht immer der gleiche Hauptkampfrichter ist.

Nach Ermittlung der Finalisten ist die erste Session beendet. In der zweiten Session kämpfen zunächst alle den Finalisten unterlegenen Athleten in einer Hoffnungsrunde um die zwei dritten Plätze. Die Bronzemedaille wird also nicht ausgerungen. Zum Abschluss folgt das Finale.

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