Sport
14.07.2018

Hermans gewinnt Österreich-Rundfahrt knapp vor Pernsteiner

Der Belgier gewann 70. Ausgabe knapp vor dem nach seinem Sturz am Freitag lädierten Niederösterreicher.

Die Schlussetappe der Österreich-Radrundfahrt am Samstag hat am Gesamtstand erwartungsgemäß nichts mehr geändert. Der Belgier Ben Hermans triumphierte bei der 70. Auflage knapp vor Hermann Pernsteiner. Dritter wurde der Italiener Dario Cataldo, der auf dem Weg von Scheibbs nach Wels noch einen vergeblichen Angriff auf Hermans versucht hatte.

Der Belgier verteidigte seine Führung auf dem Abschnitt ohne große Bergwertungen schlussendlich aber problemlos. Der Tagessieg auf dem Teilstück über 163,2 km ging in einer hauchdünnen Entscheidung an Giovanni Visconti. Der Italiener sorgte im Sprint einer Fünf-Mann-Ausreißergruppe für seinen bereits dritten Etappenerfolg sowie den fünften für das dominante Pernsteiner-Team Bahrain-Merida. "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich bin sehr glücklich mit dieser Woche und für mein Team", jubelte Visconti. Der 35-Jährige hatte auch schon in Fulpmes und in Matrei gewonnen.

Knappe Entscheidung

Pernsteiner und die anderen Gesamtfavoriten erreichten zeitgleich im Hauptfeld das Ziel des achten Teilstücks. Dem Niederösterreicher fehlten nach acht Tagen und 1.172 km nur 18 Sekunden auf den Rundfahrtsieg. Pernsteiner war am Freitag auf der Sonntagberg-Etappe zu Sturz gekommen, dabei hatte er sich an der linken Schulter und an einem Finger verletzt. Den am Kitzbüheler Horn erfolgreichen Hermans hatte er aber auch schon davor am Großglockner und im steirischen Hügelland nicht gefährden können.

"Ich bin super glücklich, dass ich im Ziel bin. Die Rundfahrt war für uns unglaublich, ich muss mich bei meinen Teamkollegen bedanken", betonte Pernsteiner. Seine lädierte Schulter habe er vor allem in der Früh gespürt. "Sobald der Startschuss gefallen war, habe ich das aber gut ausblenden können. Es hat relativ gut gepasst."

Der Neo-World-Tour-Profi, 2016 war er beim Debüt überraschend Sechster geworden, erfüllte nach seiner bereits zuvor starken Saison die hohen Erwartungen. "Ich bin super zufrieden. Das Podium war das Ziel, das habe ich erreicht. Man muss Hermans gratulieren, er war der Stärkste in dieser Woche. Das muss man akzeptieren", sagte das Kletter-Leichtgewicht aus der Buckligen Welt. Den nur knapp verpassten Sieg will er aber natürlich ehestmöglich nachholen. "Ich habe ja noch ein paar Jahre vor mir, vielleicht klappt es ja noch einmal mit dem Sieg."

Zoidl Gesamtfünfter

Zweitbester Österreicher wurde Riccardo Zoidl als Fünfter. Der Gesamtsieger von 2013 hatte am Horn mehr als eine Minute Rückstand ausgefasst. Danach fand auch er kein Mittel mehr gegen Hermans. Zoidl und Pernsteiner, die für den mit einer Gehirnerschütterung ausgefallenen Titelverteidiger Stefan Denifl einspringen wollten, gelang ebenso wie den zahlreichen anderen Österreicher auch kein Etappensieg. Den bis dato letzten Tageserfolg holte Lukas Pöstlberger 2015 in Innsbruck.

Hermans feierte indes seines bisher größten Erfolg bei einer Rundfahrt. 2015, damals noch in Diensten des Erstligarennstalls BMC, war er bei der Ö-Tour bereits einmal Gesamtzweiter gewesen. Diesmal wehrte der 32-Jährige nach dem knappen Horn-Sieg vor Pernsteiner mithilfe seiner Mannschaft Israel Cycling Academy alle Attacken souverän ab. "Ich bin wirklich glücklich, heute war es keine Überraschung mehr, aber am Kitzbüheler Horn schon, das war fast noch emotionaler. Ich bin froh, dass wir es am Großglockner und am Sonntagberg verteidigt haben", sagte der Gewinner des heuer erstmals roten Trikots.