Optische Täuschung: Ganz im Ernst, Hannes Reichelt freut sich über seine Goldmedaille im WM-Super-G. Die Konkurrenten (links Cook, rechts Théaux) sind auch ergriffen.

© APA/EPA/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Super-G
02/06/2015

Hannes Reichelt: Der nette Weltmeister von nebenan

Der 34-jährige Salzburger holte in Colorado mit dem Sieg im Super-G seine erste Goldmedaille.

Einige Male muss Hannes Reichelt die Augen zusammenkneifen. Vielleicht, um ganz sicher zu gehen, dass er die Ereignisse der vergangenen Stunden nicht geträumt hatte. Vielleicht auch, um noch einmal in sich zu gehen, bevor er den versammelten Journalisten erzählt, wie es ihm so geht. Ihm, dem neuen Weltmeister im Super-G. Dem mit 34 Jahren und 215 Tagen ältesten Ski-Champion der Geschichte.

"Echt, ist das so?", fragt er und grinst. "Danke für das Kompliment. Es ist immer schön, eine Rekordmarke zu brechen." Der Salzburger, der bereits im Dezember im Weltcup auf der Birds of Prey der Schnellste gewesen war, setzte sich auch am Donnerstag im ersten WM-Bewerb der Herren in Beaver Creek durch. Knapp vor dem Kanadier Dustin Cook und dem Franzosen Adrien Théaux. "Ich weiß auch nicht, woran es liegt, aber auf dieser Strecke fällt es mir leicht, schnell zu sein", sagt der Weltmeister. Weniger der amerikanische Schnee, sondern das anspruchsvolle Gelände sei es, das ihm entgegenkomme. "Hier muss man nicht perfekt sein. Man muss nur einen Fehler weniger machen als die anderen", sagt Reichelt und sieht plötzlich nachdenklich aus. Fast ein wenig zu ernst für einen, der soeben Weltmeister geworden ist.

"Man träumt von so einer Goldmedaille", erzählt er und erinnert sich zurück an den Zeitpunkt, als der Traum begann. "Ich weiß noch, wie ich bei der WM in Saalbach den Rudi Nierlich gewinnen gesehen hab’. Da habe ich mir gedacht: Wow, das ist ein Held." 24 Jahre und zwölf Ski-Weltmeisterschaften später ist er es selbst, der als Held der Nation gefeiert wird. Nicht zum ersten Mal – denn als Sieger des Hahnenkamm-Rennens vor einem Jahr stieg der besonnene Typ mit den Lachfalten in den Kreis der ganz Großen im Ski-Zirkus auf.

Schwere Zeit

Seinem größten Erfolg in Kitzbühel 2014 folgte einer der bittersten Momente seiner Karriere. Eine Bandscheibenverletzung verhinderte die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Sotschi. "Der Kitzbühel-Sieg hat mir über die schwierige Zeit geholfen", sagt Reichelt. Die Verletzung hat den ohnehin schon bodenständigen Salzburger noch mehr geerdet. "Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich überhaupt hier sitzen kann", sagt er zum wiederholten Mal an diesem Tag.

"Ich hatte in meiner Karriere einige Rückschläge durch Verletzungen wegzustecken. In den vergangenen Jahren habe ich dann einen Weg gefunden, wie ich schnell Ski fahren kann. Und ich habe mir ein perfektes Umfeld geschaffen. Das war sicher ein Erfolgsfaktor."

Ein Umstand, der Reichelt in Colorado in die Karten gespielt hat, war die Verschiebung des Rennens wegen des schlechten Wetters am Mittwoch. "Das ist mir zugutegekommen. So habe ich mehr Zeit gehabt, um mich zu fokussieren", sagt er.

Gute Antwort

Der neue Super-G-Weltmeister ist kein Mann der großen Worte. Keiner, der sich ins Rampenlicht drängen würde. Er ist der sympathische Typ von nebenan, der neben der Sportkarriere den Pilotenschein gemacht hat. Zur Vorsorge für das Leben danach. Einer, der vielleicht gerade auch wegen seiner bescheidenen Art von manchen unterschätzt wird. "In den Medien wurde ja oft behauptet, dass der Reichelt bei Großereignissen nichts zusammenbringt", erinnert sich der Vizeweltmeister von Garmisch-Partenkirchen 2011. Der Nachsatz ist eigentlich obsolet: "Die Leute, die das behauptet haben, sind jetzt hoffentlich still."

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