Sport
25.01.2015

Knappes Achtelfinal-Aus gegen Katar

Österreichs Herren scheitern gegen den Gastgeber mit 27:29.

Es wäre die ganz große Sensation gewesen für Österreichs Sport: der Einzug der Handballer unter die Top acht der Welt. Viel hat nicht gefehlt an diesem Abend in Katar.
Zwei Tore fehlten den Österreichern nach sechzig Minuten gegen den Gastgeber aus Katar – 27:29 stand da auf dem riesigen Videowürfel in der riesigen Hauptarena der Endrunde. Während Katar das Wintermärchen bei frühlingshaften Temperaturen im eigenen Land weiterträumen darf, ist für Österreich das Turnier zu Ende. Und damit steht auch fest: Das olympische Handball-Turnier 2016 in Rio wird ohne österreichische Beteiligung über die Bühne gehen.

Die Österreicher zeigten über weite Strecken ihre beste Partie. Vor allem die Offensive bestach an diesem Achtelfinaltag gleich zu Beginn durch Variantenreichtum: Sowohl das flinke Laufspiel über die Außenpositionen zeigten Wirkung, als auch das kurze Spiel über die zentrale Kreisposition. Die offensiv ausgerichtete Abwehr von Katar hatte Mühe, die österreichischen Angriffe zu stoppen. Stets seine Finger im Spiel hatte Österreichs Spielmacher Viktor Szilagyi.

Einzig die Chancenauswertung verhinderte eine höhere Führung von Österreich: So scheiterte etwa Linksaußen Raul Santos gleich zu Beginn der Partie drei Mal in Folge am katarischen Weltklassetormann Goran Stojanovic. Doch die Österreicher kamen zurück, bereits nach wenigen Minuten war Katars spanischer Weltmeistertrainer Valero Rivera gezwungen, seine Auszeit zu nehmen, um das Spiel seiner bunt zusammengestellten Weltauswahl neu zu ordnen. Einzig Zarko Markovic, der beste Werfer der Vorrunde, hielt Katar mit seinen wuchtigen Würfen im Spiel. Mit 14:13 für Österreich ging es in die Pause.
Wieder musste Coach Rivera reagieren: Er schickte Danijel Saric, seinen zweiten Torhüter von Weltformat, aufs Feld. Die Rochade half. Nach drei katarischen Toren in Folge und sechs langen Minuten ohne rot-weiß-roten Treffer wollte Österreichs Teamchef Patrekur Johannesson nicht tatenlos zusehen: Auszeit. Neu ordnen. Tormann-Wechsel.

Auch die österreichische Umstellung zeigte Wirkung: Das ÖHB-Team macht 15 Minuten vor dem Spielende einen Drei-Tore-Rückstand wett. Der Startschuss für eine packende Schlussphase, in der Kleinigkeiten die Partie entscheiden sollten: ein, zwei Paraden von Torhüter Saric; ein, zwei Zwei-Minuten-Strafen für die Österreicher.

Zu viel für den Aufstieg der Österreicher ins Viertelfinale der WM. Am Ende tanzten die Gastgeber. Und die Montenegriner. Und die Bosnier. Und die Franzosen. Und die Ägypter. Und die Spanier. Team Katar eben.

Es war alles angerichtet, den Gastgeber rauszuhauen.

Patrekur Johannesson (österreichischer Teamchef): „Wir haben alles gemacht, was wir konnten. Eigentlich war es ein gutes Spiel, aber wir haben einige freie Chancen ausgelassen. Jeder Spieler war an seiner Grenze. Ich habe die Schiedsrichter das ganze Spiel in Ruhe gelassen. Zu ihrer Leistung will ich keinen Kommentar abgeben. In einem so knappen Spiel, da müssen wir die Bälle reinmachen. Ich bin stolz, das ist eine Riesensache für Österreich. Klar bin ich enttäuscht, aber morgen oder übermorgen werden wir weiterarbeiten.“


Viktor Szilagyi (Teamkapitän): „Natürlich ist die Enttäuschung riesengroß. Ich kann das nicht in Worte fassen. Wir haben sehr, sehr viel investiert. Nicht erst heute, sondern seit dem 2. Jänner, seit wir zusammen sind. Das Spiel lief auch in die Richtung, wie wir uns das erhofft haben, nur das Ende nicht. Es ist jetzt kein guter Moment, über meine Zukunft im Nationalteam zu sprechen. Ich werde das alles in Ruhe Revue passieren lassen.“


Thomas Bauer (Torhüter): „Vielleicht können wir in zwei, drei Tagen realisieren, was wir hier geschafft haben. Im Moment überwiegt aber ganz klar die Enttäuschung. Wir hätten unter die besten acht kommen können und müssen, weil wir die bessere Mannschaft waren. Es war alles angerichtet, den Gastgeber rauszuhauen. Die letzten fünf Minuten, die kann ich mir auf Video, glaube ich, nicht anschauen. Ich habe zum Schiedsrichter gesagt, dass er bis zur 55. Minute der beste Schiedsrichter des Turniers war. Den Rest kann man sich denken.“

WM-Achtelfinale

Österreich Katar 27:29 (14:13)

Werfer Österreich: Weber 8, Szilagyi 4, M. Hermann 3, Ziura, Posch, Wagesreiter, Bilyk, Santos je 2, Bozovic, Mayer je 1.

Lusail-Arena, 10.000.