Hallen-WM: Wenn Weltrekorde und Stäbe brechen

Mehrkampf-Traumpaar Eaton-Theisen schlug wieder zu. Österreichs Duo enttäuschte. Schnappschüsse aus Sopot.

Frauen, Stabhochsprung: Pech hatte die griechische Stabhochspringerin Nikoleta Kiriakopoulou: Sie verliert den Halt, nachdem ihr just bei der WM der Stab entzweibricht. Der Sieg ging an die Kubanerin Yarisley Silva (4,70 Meter). Männer, Stabhochsprung: Renaud Lavillenie musste leider verletzungsbedingt absagen. Der Schrei der Erlösung (Bild) gelang ihm jüngst in Donezk. Der Olympiasieger aus Frankreich schraubte den Uralt-Weltrekord der Stabhochsprung-Legende Sergej Bubka aus dem Jahr 1993 - ebenfalls in Donezk erzielt - um einen Zentimeter auf 6,16 Meter. Frauen, Dreisprung: Modernste Kamera-Technik fängt den Moment höchster Anspannung bei Olga Saladukha ein, als die Ukrainerin im Sand aufsetzt. Ihr Pech: Mit 14,46 Meter springt die Russing Jekaterina Konewa einen Zentimeter weiter und schnappt der Ukrainerin damit die Goldmedaille weg. Männer, 1500-Meter-Lauf: Als Außenseiter war der mehrfache österreichische Leichtathlet des Jahres, Andreas Vojta, angereist. Über den Vorlauf kommt der 24-jährige Niederösterreicher dann auch nicht hinaus. Platz 14 unter 23 Teilnehmern. Besser läuft es für diese beiden Herren: Nicht die Müdigkeit lässt Ayanleh Souleiman (r.) aus Dschibuti und Aman Wote aus Äthiopien auf die Knie fallen. Der Erst- und Zweitplatzierte im 1500-Meter-Lauf danken vielmehr den höheren Mächten. Frauen, 110-Meter-Hürden: Ebenfalls enttäuschend verläuft die WM für Beate Schrott, Österreichs Aushängeschild in der Leichtathletik. Sie scheidet bereits im Vorlauf aus. Herren, Hochsprung: Geschmeidig windet sich Mutaz Essa Barshim über die Latte. Gleich nach dem ersten Versuch leuchten 2,38 Meter auf der Anzeigetafel auf. Es ist der Sprung zu Gold - dem ersten für Katar bei einer Hallen-WM. Eine Enttäuschung für Topfavorit Iwan Uchow: Der russische Olympiasieger katapultiert sich zwar auch über dieselbe Höhe, aber erst in seinem zweiten Versuch. Ergibt laut Reglement Platz 2. Frauen, Kugelstoßen: Eine Disziplin, die ein kräftiges Frühstück verlangt. Die Deutsche Christina Schwanitz bereitet sich auf ihren Versuch vor. Letztlich reichen 19,94 Meter für den 2. Platz. Die Neuseeländerin Valerie Adams ballt zurecht ihre Fäuste: 20,67 Meter hat die Neuseeländerin die Kugel gestoßen und damit - man glaubt es kaum - den 44. Sieg in Folge eingefahren. Frauen, Weitsprung: Genau beobachtet von den Kampfrichtern wird Eloyse Lesueur. Diese Aufmerksamkeit hat sie auch verdient. Mit 6,85 Meter springt die Französin zu Gold. Kraft, Technik, Ausdauer, Nervenstärke: Der Zehnkampf gilt letztlich ob der enormen Anforderungen als Königsdisziplin der Leichtathletik. In der Halle treten die Mehrkämpfer in sieben Disziplinen an. Star der Szene ist seit Jahren Ashton Eaton. Die Visitenkarte des 26-jährigen US-Amerikaners liest sich hervorragend: Olympiasieger, Weltmeister, Weltrekordhalter. Für den Mann aus Portland, Oregon, hat sich die Anstrengung in Sopot gelohnt, auch wenn er mit 6.632 Punkten um nur 13 Punkte an seinem eigenen Siebenkampf-Weltrekord vorbeischrammte. Zudem macht seine kanadische Ehefrau das Familienglück fast perfekt: Brianne Theisen Eaton (r.) kämpft sich zu Silber, einzig geschlagen von einer Niederländerin. Die 23-jährige Nadine Broersen (l.) setzt sich im Fünfkampf mit neuer Jahresweltbestleistung von 4.830 Punkten vor Brianne Theisen Eaton (4.768) durch. Dennoch: Gäbe es den Titel "sportlichstes Ehepaar der Welt", Ashton Eaton und Brianne Theisen Eaton stünden wohl ganz oben. Ach ja, in der allerletzten der 26 Medaillen-Entscheidungen fiel der Weltrekord über 4 x 400 Meter der Männer. Das US-Quartett holte sich den Titel in 3:02,13 Minuten - und blieb damit exakt sieben Zehntelsekunden unter der 15 Jahre alten Bestmarke, die ebenfalls eine Staffel aus den USA gelaufen war. Der Weltverband IAAF honorierte diese Leistung mit einer Zusatzprämie von 50.000 US-Dollar.

Die Leichtathletik zählt - wie etwa das Schwimmen - zu den Kernsportarten im Sommer. Auch wenn ein kurzer Medien-Hype nach Beate Schrotts sensationellem achtem Platz im Hürdenlauf bei den Olympischen Spielen in London einsetzte, ist unbestreitbar: In Österreich fristen "Track and field"-Sportler ihr Dasein im Schatten der Fußballer und Skifahrer. Mangelnde Infrastruktur, kaum heimische Vorbilder und internationale Dopingfälle tragen zur tristen Lage bei.

Und dennoch: Wie spektakulär der Kampf um Meter und Sekunden sein kann, hat die Hallen-WM am Wochenende im polnischen Sopot an der Ostsee bewiesen...

(KURIER) Erstellt am
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