Sport
02.09.2018

Große Aufgabe: Ein Riese wartet auf Dominic Thiem

Der Südafrikaner Kevin Anderson ist 2,03 Meter groß, stand aber vor allem im Vorjahr bei den US Open im Finale.

New York, New York. Ob Dominic Thiem Frank Sinatra kennt, ist anzuzweifeln, aber über die Stadt, die niemals schläft, kann er mittlerweile ein Lied singen. Ein Gutes. Zum vierten Mal steht er bei den US Open im Achtelfinale. So oft wie übrigens bei keinem anderen Grand-Slam-Turnier.

3:18-Stunden war er Freitagnacht auf dem Platz gestanden, um Lokalmatador Taylor Fritz zu besiegen. In Zahlen: 3:6, 6:3, 7:6(5), 6:4. Einmal mehr war es der Kampfgeist, der Thiem eine Runde weiter brachte. Zwischen teilweise durchwachsenem Spiel rastete Thiem immer wieder aus, fluchte und demolierte ein Racket. „Wenn es im Rahmen bleibt, ist das in Ordnung, ich will nur keine negative Körpersprache. Wenn er Fehler macht, soll er sich ärgern“, sagt Trainer Günter Bresnik.

Außenseiter

Er sieht seinen Schützling im heutigen Achtelfinale gegen den Vorjahrsfinalisten Kevin Anderson freilich in der Außenseiterrolle. Auch, wenn der Südafrikaner noch länger arbeiten musste, um Kanadas Jungstar Denis Shapovalov mit 4:6, 6:3, 6:4, 4:6, 6:4 zu besiegen. „Anderson war hier im Vorjahr im Finale, war im Wimbledon im Finale und hat Roger Federer auf Rasen geschlagen. Muss man da mehr sagen? Er ist nicht nur für Dominic ganz schwer, ihn zu schlagen.“ Das merkt man auch an der Bilanz, in sieben Partien gewann der Niederösterreicher einmal (heuer auf Sand in Madrid).

„Er ist einer der heißesten Spieler zurzeit auf der Tour mit einem Riesenaufschlag“, sagt Thiem über den 32-Jährige, der erst bei 2,03 Meter sein Wachstum einstellte. Sollte Thiem gewinnen, hätte dies freilich auch positive Auswirkungen auf eine Teilnahme beim ATP-Finale. Anderson ist derzeit Fünfter, Thiem Neunter. Bei einem Sieg würde Österreichs Nummer eins Anderson sogar überholen. Im inoffiziellen Race to London (Jahreswertung) ist Anderson unmittelbar vor Thiem Siebenter.

Das Ziel ist aber einen Tag vor seinem 25. Geburtstag klar: Erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier außerhalb Paris ins Viertelfinale zu kommen. Das ist vor ihm nur einem Österreicher gelungen, Thomas Muster erreichte 1993, 1994 und 1996 das Viertelfinale in Flushing Meadows. „Das war ein ganz andere Zeit, ich mag diese Vergleiche nicht“, betont Bresnik. Thiem ist da seiner Meinung.

Aufschlag in Graz

Nicht konform geht das Traum-Duo, was die Daviscup-Reform betrifft. Während Bresnik vom „Tod des Daviscups“ spricht, begrüßt Thiem die Änderung. „Ich habe kein Problem damit. Eine Reform war notwendig“. Nach den US Open empfangen die Österreicher in Graz von 14. bis 16. September Australien. Jürgen Melzer könnte da auch noch ins Team reinrutschen, er steht mit dem Kroaten Nikola Metkic, Standardpartner des verletzten Alex Peya in New York im Achtelfinale.

Einberufen dürften neben Thiem Oliver Marach, Philipp Oswald und vor allem Dennis Novak werden, den auch Thiem ins Team reklamiert. „Ich glaube, dass es selbstverständlich ist, dass Dennis spielt. Er ist klar der zweitbeste Spieler in dem Jahr für mich“, sagt sein Freund Thiem. Kapitän Stefan Koubek gibt am Dienstag Nachmittag den Kader bekannt.