Sport
08/05/2012

Gewichtheber-Talent wartet auf Einbürgerung

Samstagabend in London. Der Kasache Ilja Iljin pulverisiert mit 418 kg Zweikampf-Leistung den Weltrekord in der Klasse bis 94 kg.

Samstagabend in Mödling: Der beste Gewichtheber in Österreich sitzt vor dem Computer. Das Olympia-Finale in seiner Kategorie kann sich Sargis Martirosyan nur im Livestream ansehen. Dabei gäbe der 25-Jährige sogar einen ernstzunehmenden Medaillenkandidaten ab.

Martirosyans Einbürgerungsantrag liegt im Innenministerium, der frühere Asylwerber verfügt derzeit lediglich über ein Bleiberecht. Seit Ende 2009 bemüht sich der Gewichtheber-Verband erfolglos um die Staatsbürgerschaft für den gebürtigen Armenier, der seit 2005 in Österreich lebt. Wöchentlich wartet Martirosyan auf seine Einbürgerung wegen besonderer Leistungen, die auf Antrag des Innenressorts nur der Ministerrat vornehmen kann.

"Jeden Dienstag um 12.00 Uhr sitze ich vor dem Computer, um zu sehen, ob es etwas Neues gibt", erklärte Martirosyan im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur. "Jetzt reden wir schon drei Jahre." Drei Jahre, in denen das Supertalent keine internationalen Wettkämpfe bestreiten durfte, in denen er seine Trainingskosten von bis zu 50.000 Euro nur durch private Sponsoren finanziert hat. "Trotzdem will ich Österreich dankbar sein. Ich bin ein Kämpfer. Irgendwann werde ich ganz oben stehen - für Österreich."

Weltklasse-Leistungen rot-weiß-roter Sportler waren in London bisher nicht im Überfluss zu bewundern. Im Gewichtheben ist Österreich derzeit im Niemandsland. Martirosyan dagegen hat laut eigenen Angaben im Training ohne besondere Vorbereitung bereits 186 kg gestoßen und 207 kg gerissen. "Wenn ich die Vorbereitung bis Olympia durchgezogen hätte, hätte ich mir im Zweikampf zumindest 400 kg zugetraut", meinte Martirosyan. Das hätte zu Platz sechs gereicht. Für eine Medaille wären 407 kg notwendig gewesen.

"Die Medaillen wären sich vielleicht nicht ganz ausgegangen, aber bei so einem Wettkampf weiß man nie", sagte Martirosyan, der im April seine Topform erreicht hatte. Die Chance auf die Olympia-Qualifikation bei der EM in Antalya blieb ihm allerdings mangels österreichischem Pass verwehrt. "Ich war frustriert und für einige Wochen unmotiviert, aber jetzt habe ich wieder angefangen zu trainieren", verriet Martriosyan, der in Baden lebt und hebt. "Ich will noch einmal voll angreifen."

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