Zwei Länder, zwei Sicherheitskonzepte
Weil die Autobahn von Ostrava nach Gliwice wenige Kilometer nach der tschechischen Stadt endet, führen fast nur Schleichwege ins benachbarte
Polen. Das Überfahren einer Grenze lässt sich nicht anhand der Zahl der Schlaglöcher erklären, sondern nur an der Farbe der Ortstafeln erkennen. Blau war Tschechien, grün ist Polen.
Polen setzt eigentlich nach einer Übereinkunft mit Brüssel für die EM-Wochen die Schengen-Regeln außer Kraft und kontrolliert auch an den Grenzen innerhalb der EU. Derzeit aber nur in Form von seltenen Stichproben auf den Hauptreiserouten. Während des Turniers sollen die Kontrollen dann auch auf den Flughäfen verstärkt werden.
"Das ist für uns die erste Veranstaltung dieser Dimension", sagt Polens Polizeichef Marek Dzialoszynski. Mehr als 11.000 Polizisten und mehr als 1000 Soldaten sollen die vier EM-Stadien, Fanmeilen und die offiziellen Hotels schützen. Sensoren prüfen den Luftraum über den Stadien auf biologische und chemische Kampfstoffe. Scharfschützen werden in den Stadien bei den Scheinwerfern stehen, um gute Sicht zu haben, selbst aber im Flutlicht nur schwer auszumachen sein.
Durchleuchtet
Unter besonderer Beobachtung stehen die Fans. Spezialscanner sollen verhindern, dass sie Feuerwerkskörper in die Stadien schmuggeln oder Terroristen gar Sprengstoff. 360-Grad-Überwachungskameras mit 35-facher Vergrößerung kontrollieren das Geschehen auch in den Stadtzentren und auf den Zufahrtswegen.
Wer randaliert, kann an Ort und Stelle inhaftiert werden. Die EM-Arenen in Breslau, Danzig, Posen und Warschau verfügen über Gefängnisräume. Die Soforthaft gehört zu einem Gesetzespaket, das die Regierung nach den Hooligan-Krawallen vom Mai 2011 beim polnischen Cupfinale geschnürt hat. Seither können Schnellgerichte kurzen Prozess mit gewalttätigen Fans machen. Platzverbote werden mit Fußfesseln überwacht.
Für Polizisten gilt im Juni in Polen eine Urlaubssperre. Im ganzen Land sind 40.000 Beamte im Einsatz. Aber wo sind sie? Weder auf dem Land noch in den Städten sieht man sie.
Spezialeinheiten stehen in den Katakomben bereit. "Die Fans, die zu uns kommen, geben Hunderte Euro für Eintrittskarten und Übernachtungen aus. Die wollen wir nicht verschrecken", erklärt ein hoher Beamter.
In der
Ukraine ist man da weniger zimperlich. Medienträchtig haben Uniformierte in Kampfmontur Manöver abgehalten, Antiterroreinheiten räumten die Stadien oder evakuierten U-Bahnen. Presse und Fernsehen waren dabei ausdrücklich erwünscht.
Verschärft
Die Vorkehrungen wurden sogar verschärft, als Ende April eine Bombenserie Dnjepropetrowsk, den Geburtsort der inhaftierten ehemaligen Regierungschefin Julia Timoschenko, erschütterte. 30 Menschen wurden verletzt, noch immer sind die Hintergründe nicht klar. Doch in Fanzonen wie der größten in Kiew entfernten die Behörden vorsorglich alle Mülleimer.
Lembergs Stadtsprecher
Oleg Beresjuk sagt: "Polizeikräfte müssen sichtbar sein, sonst schrecken sie niemanden ab." Anfang 2012 hat das Innenministerium eine sogenannte schwarze Liste erstellt. Mehr als 1200 gewaltbereiten Personen soll während der EM der Zugang zu allen öffentlichen Veranstaltungen verwehrt bleiben.
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