Sport | Fußball
09.04.2012

Zündstoff: Nur der Fußball ist erwachsen

Die beispiellose Popularität hat auch mit der Attraktivität der Fußball-Bewerbe zu tun.

Fußball ist der mit Abstand am meisten kritisierte Sport. Das ist der Fluch des breiten Interesses. Dass Fußball derart dominant ist, hat nicht ausschließlich damit zu tun, dass er ein Phänomen – also unerklärbar – ist. Es liegt auch nicht ausschließlich an seiner Einfachheit, seinem Starkult und seiner sportlichen Tradition.

Die beispiellose Popularität hat auch mit der Attraktivität der Fußball-Bewerbe zu tun: Die Meisterschaften mit ihren Titel- und Abstiegskämpfen liefern permanent Gesprächsstoff, ein Cupfinale ist in den meisten Ländern ein zusätzliches Highlight, der Europacup ist – egal, in welcher Form – höchst attraktiv, bringt Quoten und Geld. Dazu kommen die Bewerbe für Nationalteams, die die patriotische Ader treffen.

Europaweit fighten die TV-Sender mit Millionenbudgets um die Fußball-Rechte, während die Vertreter anderer Sportarten sich irgendwo zwischen Bittsteller und Pausenfüller bewegen. Warum bloß?

Beispiel Tennis: Ein klassischer Einzelsport, der sich für den Davis-Cup künstlich in einen Mannschaftssport verwandelt. Superstars nehmen nur dann daran teil, wenn es sich um ein lukratives Heimspiel handelt. Diverse Staatsligen sind sowieso der Blinddarm des öffentlichen Interesses.

Beispiel Eishockey: Seit ich denken kann, finden Weltmeisterschaften im Schatten der NHL statt. Echte Stars kommen gnadenhalber, falls sie im Stanley-Cup bereits ausgeschieden sind. Inzwischen gibt es zwar länderübergreifende Klub-Meisterschaften, doch von einem funktionierenden Europacup, von einer Art Champions League oder gar von einer NHL/Europa ist das europäische Eishockey meilenweit entfernt.

Ähnliches gilt für andere durchaus attraktive Teamsportarten wie Basketball, Handball oder Volleyball. All diese Problemkinder sind nie den Kinderschuhen (sprich: dem Amateur¬status) entwachsen.

UEFA, FIFA und die meisten europäischen Großklubs sind hingegen echte Wirtschaftsunternehmen. Dieser Umstand hat auch viele Nachteile: Korruption, Überschuldung, Menschenhandel. Doch die Entscheidungen über den Modus fallen nicht wegen irgendwelcher sportpuristischen, strukturellen Kompromisse, sondern aufgrund von wirtschaftlichen Faktoren. Auch das macht den Fußball unvergleichlich erfolgreich.

Mehr zum Thema

  • Reaktion

  • Hintergrund

  • Hauptartikel

  • Kommentar