Wo ein Wille, da ein Weg
Morgen geht nicht. Da muss ich Fußball schauen." Geht es Ihnen auch so? Ob Sie’s glauben oder nicht – ich plane meine Abendtermine weitgehend nach dem EM-Spielplan.
Aber morgen habe ich zehnjähriges Maturatreffen. Da muss ich hin. Auf einer Selbstversorgerhütte irgendwo am idyllischen "A. d. W.". Einen Blick in den Kalender: Griechenland gegen Russland, Tschechien gegen Polen. Naja, so schlimm ist es auch wieder nicht, wenn man diese Spiele verpasst, aber man kann ja mal vorfühlen, was die ehemaligen Schulkollegen davon halten, auf die Hütte ein Gerät mitzunehmen, das es uns ermöglicht, die entscheidende Runde der Gruppe A doch irgendwie mitzuerleben.
Gut, dass wir in der 8.B so eine starke Fußball-Lobby hatten. Ich erinnere mich noch gern an einen Klassenausflug in dieselbe Hütte am 23. Juni 1998. Damals, ohne Smartphones, ohne mobiles Internet waren wir Vierzehnjährige ziemlich ratlos. "Was, Frau ’fessor? Da gibt’s keinen Fernseher? Bitte, das geht nicht!"
Die Empörung war groß, denn Österreich spielte in der WM-Gruppenphase an dem Tag gegen Italien!
Aber wo ein Wille ist, ist bekanntlich auch ein Weg. Ich kann mich an einen tragbaren Fernseher erinnern mit einer Diagonale von zwölf Zentimetern, den zehn Teenager 92 Minuten lang (bis zum Elfertor von Andi Herzog) mit Genickstarre fixierten – trotz extrem schlechten Empfangs. Die Trauer über die Niederlage war groß, aber sie verging.
Auch die Matura selbst kam nicht wirklich gelegen. Meine mündliche war am 18. Juni 2002, an dem Tag, als Italien im WM-Achtelfinale gegen Südkorea spielte. Wir zeichneten das Match auf VHS auf und nach der bestandenen Prüfung huschten wir nach Hause, um es uns – die Daumen für Italien haltend – anzuschauen. Wieder eine Enttäuschung. Aber wenigstens haben wir die Matura geschafft. P.S.: Liebe Grüße an die 8.B der Klostergasse Jahrgang 2002. Bis morgen!
Karoline Krause ist Redakteurin in der KURIER-Außenpolitik.
Kommentare