Sport | Fußball
13.06.2018

WM-Vergabe: Die Qual der politischen Wahl

Die Dreier-Bewerbung USA/Kanada/Mexiko ist der Favorit auf die WM 2026. Präsident Trump droht ihren Gegnern.

Am Mittwoch stimmt der FIFA-Kongress ab, wo die WM 2026 stattfinden wird. Bekommt Marokko oder die Dreier-Bewerbung von Kanada, Mexiko und USA in der Vrubel Hall des Fünf-Sterne-Hotels Metropol in Moskau den Zuschlag?

Nicht mehr ein kleiner Klüngel (Exekutivkomitee) entscheidet – aufgrund der Skandale rund um die Vergaben an Russland und Katar wurde die Wahl radikal geändert. Erstmals seit mehr als 50 Jahren stimmen nun wieder die Mitgliedsverbände der FIFA im Kongress über den Ausrichter ab. Die FIFA führt derzeit 211 Verbände an. Auch wenn nicht alle abstimmen dürfen, bringt das Procedere doch sehr viel Politik in die Entscheidung. Donald Trump hatte via Twitter schon gedroht: Warum sollten die USA ein Land bei den Vereinten Nationen unterstützen, wenn dieses die Stimme verweigern würde, schrieb der US-Präsident. Pikant: Das Wahlverhalten wird von der FIFA nach der Abstimmung offengelegt.

Trumps Drohung

Der englische Sport-Ökonom Simon Chadwick sagte im Spiegel: „Das las sich wie eine versteckte Drohung.“ Er erwartet eine hochpolitische Abstimmung, „in der es um die Loyalität der Wahlberechtigten zur USA geht. Es sieht danach aus, als ob die Wahl von geopolitischen Netzwerken entschieden würde“.

Nach dem US-Einreisestopp für Menschen aus einigen überwiegend muslimischen Ländern und Trumps Polemik über „Drecksloch“-Staaten sind die USA für einige unwählbar. Doch war die Twitter-Drohung mancherorts stärker. Wer will es sich wegen einer Fußball-WM mit den mächtigen USA verscherzen? Verbände wie Afghanistan, Namibia und Simbabwe, die eher Marokko zugeneigt sind, gaben bereits ihre Stimmzusage an das Amerika-Trio.

Sport-Ökonom Simon Chadwick sieht Marokko aber nicht chancenlos: „Viele Länder werden in Erwägung ziehen, sie bei der Abstimmung zu unterstützen, manche allein aus antiamerikanischen Motiven.“ Zudem ist Marokko ein Verbündeter Russlands, das Land hat eine Allianz mit China.

In einem Prüfbericht der FIFA erhielt Marokko allerdings die mit Abstand schlechteren Noten, neun Stadien in dem Königreich müssten komplett neu gebaut werden, Zehntausende Hotelzimmer fehlen. Nur 2,7 Punkte gab es, die Amerikaner hingegen kamen auf vier von fünf Punkten. Das FIFA-Council hat aber am Sonntag die marokkanische Bewerbung endgültig zugelassen.

Die FIFA reagiert normalerweise recht harsch auf politische Einmischungen, sperrt daher manche Verbände für Qualifikationen, um die staatlichen Einflussnahmen zu unterbinden. Bezüglich Trumps Tweet gab es aber keinerlei Reaktion. Weil die FIFA finanziell auf die USA angewiesen sind, auf den größten Sportmarkt der Welt.

Das Amerika-Trio verspricht Einnahmen in der Höhe von 14,3 Milliarden US-Dollar und damit fast doppelt so viel wie Marokko. Die WM ist die wichtigste Einnahmequelle der FIFA. Deshalb wird ja auch die Teilnehmerzahl aufgestockt, erstmals werden 2026 nicht 32 Teams teilnehmen, sondern 48. Mehr Teams bedeuten mehr Spiele und mehr Einnahmen.

Österreichs Stimme

Für den ÖFB stimmberechtigt in Moskau ist Leo Windtner (er ist mit Generalsekretär Thomas Hollerer und Salzburgs Landesverbandschef Herbert Hübel beim Kongress). Man traf sich davor mit der sogenannten M6-Gruppe (Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Liechtenstein), mit Deutschland und der Schweiz. Die gesamte UEFA beratschlagte gestern.