Sport | Fußball 10.05.2018

WM-Teilnehmer, Teil 4: Eine „Causa Arnautovic“ kostete Erfolgscoach den Job

Stolperstein? Branislav Ivanovic tat das 2:3 in Wien weh, Serbien wurde dennoch Gruppensieger. © Bild: REUTERS/LEONHARD FOEGER

Teamchef Muslin wollte keine jungen Spieler einsetzen, nur damit sie an Serbien gebunden sind.

Im Oktober ging die Ära Marcel Koller zu Ende. Österreich beendete das Rennen um ein WM-Ticket nur auf Platz vier. Die Serben gewannen die Gruppe, obwohl es am vorletzten Spieltag in Wien eine 2:3-Niederlage gab. Mit einem 1:0 gegen Georgien im letzten Spiel retteten sich die Serben noch über die Runden. Trotzdem ging die Ära von Slavoljub Muslin zu Ende. Verbandschef Slavisa Kokeza erklärte später in einem Interview den Grund: Muslim hatte sich geweigert junge Spieler wie Sergej Milinkovic-Savic (Lazio Rom), Milos Veljkovic (Bremen) oder Nemanja Radonjic (Roter Stern) zumindest ein Mal in einem Pflichtspiel einzusetzen. Dadurch können sie für kein anderes Land mehr spielen als für Serbien. Muslin selbst sieht sich als Opfer von Manager-Intrigen, die ihre Spieler forcieren möchten, um so deren Marktwert in die Höhe zu treiben.

Wer recht hat, wird sich wohl nicht endgültig klären lassen. Sicher ist aber, dass man in Serbien keine zweite „Causa Marko Arnautovic“ wollte. Dieser wollte, laut Kokeza, einst für Serbien spielen, war allerdings nie nominiert worden und habe sich deshalb für Österreich entschieden.

Nachfolger des 64-jährigen Muslin wurde interimistisch der 44-jährige Mladen Krstajic, der neun Jahre als Verteidiger in der deutschen Bundesliga (Bremen, Schalke) gespielt hat. Und der seit Mai 2016 Co-Trainer von Muslin war. Eigentlich war Dragan Stojkovic (53 Jahre, WM-Held 1990 und 1998) der Wunschkandidat, aber dessen chinesischer Klub Guangzhou R&F gab ihm keine Freigabe.

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© Bild: Grafik

Schweres Los

Somit wird der bosnische Serbe Krstajic die Serben in die WM mit der schweren Vorrundengruppe E (Brasilien, Schweiz, Costa Rica) führen. Serbien kehrt nach acht Jahren auf die große Fußball-Bühne zurück. Die Zuschauerrolle bei EM 2012, WM 2014 und EM 2016 kam nicht von ungefähr. Aus dem Sozialismus stammende Strukturen mit häufig mafiösen Zügen in Verbands- und Vereinsspitzen sowie nicht selten rassistisch-nationalistischen Tendenzen in der Fan-Szene lähmen die Entwicklung. Die Liga leidet unter rückläufigen Zuschauerzahlen, Ausschreitungen und immer wieder auch Manipulationen von Spielen.

( kurier.at ) Erstellt am 10.05.2018