Tausendsassa: Nach drei Jahren bei Edmonton wurde Krueger Klubchef des FC Southampton.

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Weltenbummler
04/09/2014

Von Feldkirch in die Premier League

Eishockey-Startrainer Ralph Krueger ist Vorstandsboss des Fußball-Klubs Southampton.

Ralph Krueger ist eine Eishockey-Legende. In Österreich, weil er als Trainer die VEU Feldkirch zum Sieg in der European Hockey League führte, und in der Schweiz, weil er die Eidgenossen zur erweiterten Weltspitze brachte. 2010 wechselte der 54-jährige Deutschkanadier in die National Hockey League und war 2012/2013 sogar Headcoach bei den Edmonton Oilers. Mitte März wurde Krueger Vorstandsboss beim FC Southampton in der englischen Premier League – geholt von der Schweizer Eigentümerin Katharina Liebherr.

KURIER: Haben Sie noch Kontakte nach Österreich?
Ralph Krueger:
Ja. Die Österreich-Ära war ja meine Ausbildungszeit, nicht nur als Trainer, sondern als Führungskraft. Wir hatten ein sehr kleines Team, und ich habe dadurch viel gelernt. Ein Kontakt aus dieser Zeit hat für mich übrigens auch die Verbindung zu Katharina Liebherr hergestellt.

Im Gegensatz zu den Schweizern pendelt das österreichische Eishockeyteam zwischen A- und B-WM. Was machen die Eidgenossen besser?
Wie überall geht es um die Nachwuchsarbeit, um das Investment in die Ausbildung und Trainer. Die Schweizer haben ein System aufgebaut, um an die Weltspitze zu kommen. Das österreichische Eishockey ist gut und leidenschaftlich. Die internationale Liga ist auf einem guten Weg. Aber Eishockey in Österreich müsste insgesamt größer und dadurch populärer gemacht werden.

In Sotschi haben sich österreichische Spieler unprofessionell auf ein Spiel vorbereitet. Wie hätten Sie reagiert?
Ich habe das nur am Rande mitbekommen. Es braucht für den Teamerfolg bestimmte Regeln und Prinzipien, an die sich alle halten müssen.

In Ihrem Buch "Teamlife" schreiben Sie: "Für alles, was man tut, muss man einen Grund haben. Ein solcher Grund ist die Basis aller Motivationen." Warum sind Sie in Southampton?
Grund Nummer 1: Hier kann ich einiges bewegen. Grund Nummer 2: Ich möchte mit dem Klub wachsen. Man sollte sich außerhalb seiner Komfortzone bewegen und Herausforderungen annehmen. Der einfache Weg wäre gewesen, wieder einen Eishockey-Job anzunehmen.

Ist es als Quereinsteiger, noch dazu in England, nicht schwierig, akzeptiert zu werden?
Quereinsteiger wäre ich, wenn ich hier coachen würde. Aber ich arbeite weit weg vom Feld. Seit meiner Feldkirch-Zeit bin ich immer auch im Management tätig gewesen.

Was kann das Eishockey vom Fußball lernen?
Das Produkt Fußball ist sauber, das Spiel fließt. In Nordamerika wird Eishockey durch drei lange TV-Time-outs unterbrochen. Auch der sportwissenschaftliche Background ist vorbildlich. Das Fußballgeschäft ist insgesamt komplexer. Um die Spieler, die wir verpflichten wollen, konkurrieren wir mit Klubs aus der ganzen Welt.

Was macht Sie für Ihre Arbeit in Southampton so optimistisch?
Katharina Liebherr hat großes Engagement. Der Klub in dieser Arbeiter- und Hafenstadt hat seit 1885 Tradition. Das gefällt mir. Die Leute verfolgen ihren Verein mit großen Emotionen.

Das wird für den Erfolg zu wenig sein.
Die großen Trends im Fußball sind nicht zu stoppen. Aber wir können durch harte Arbeit außerhalb des Fußballfeldes, im kommerziellen Bereich, deutlich besser werden. Unsere Akademie, das Herzstück des Vereins, ist ausgezeichnet. In ihren Ausbau investieren wir gerade 30 Millionen Pfund. Das ist unser Weg.

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