Sport | Fußball
11.04.2018

Vor Rückspiel gegen Lazio: Die Wege zum Salzburger Wunder

Wie Salzburg nach dem 2:4 in Rom im Rückspiel am Donnerstag noch den Aufstieg ins Semifinale schaffen könnte.

„Das darf nicht passieren!“ (Valon Berisha) „Es ist ärgerlich!“ (Alexander Walke) „Natürlich ist die Enttäuschung da!“ ( Stefan Lainer)

So lauteten die Salzburger Reaktionen auf die 2:4-Niederlage im Hinspiel des Europa-League-Viertelfinales bei Lazio Rom. Die Spieler waren sich bewusst, dass die erste Niederlage nach 19 ungeschlagenen Europacupspielen unnötig war – besonders in dieser Höhe.

Italiens aktuell offensivstärkste Mannschaft war natürlich ein starker Gegner, aber vieles klappte bei Österreichs Leader nicht so, wie es funktionieren hätte müssen, um in Rom wie schon in Marseille (0:0), San Sebastian (2:2) und Dortmund (2:1) bestehen zu können.

Salzburg muss nun im Rückspiel am Donnerstag (21.05 Uhr, live Puls4, Sky) zumindest zwei Tore erzielen, um eine Chance auf den Aufstieg ins Semifinale zu haben. Unmöglich ist das nicht, das ist ja auch im ersten Duell im Olympiastadion gelungen.

Trotzdem wird sich einiges ändern müssen, damit Salzburg die Wende in der ausverkauften Red-Bull-Arena noch schaffen kann ...

Konzentrierter starten

Beide Hälften in Rom begannen deckungsgleich. Salzburg zwang Lazio zwar die eigene, dominante Spielweise auf, bekam aber jeweils aus dem ersten Angriff des Gegners viel zu schnell ein Gegentor. „Es war sicher nicht unser Plan, jeweils so früh in Rückstand zu geraten“, meinte Trainer Marco Rose. Im Rückspiel sollte seine Elf mit weniger Risiko ins Spiel gehen, ein 0:0 länger in Kauf nehmen – obwohl das nicht der Red-Bull-Philosophie entspricht. Aber frühe Salzburg-Tore werden die Aufstiegsfrage eher nicht entscheiden, erneut frühe Tore der Italiener hingegen schon.

Ballverluste vermeiden

„Wir wussten, dass Lazio genau darauf wartet und sollten aufpassen. Trotzdem haben wir viel zu oft unnötig den Ball verloren“, meinte Teamspieler Stefan Lainer nach dem 2:4. Salzburg hat mit unnötigen Ballverlusten im Aufbauspiel der „Umschaltelf“ Lazio in die Karten gespielt. „Der Sieg ist ein taktisches Meisterwerk von Lazios Coach Simone Inzaghi“, jubelte die Zeitung Corriere dello Sport. Diese Fehler müssen im Rückspiel unbedingt vermieden werden, um Unterzahlsituationen in der Defensive zu vermeiden. Mit jedem Gegentor wird die Angelegenheit noch komplizierter.

Abwehrflügel stärken
Die Lazio-Tore eins und zwei waren wie Abziehbilder. Die Römer nützten den freien Raum an der linken Salzburger Abwehrseite. Lazios Treffer zum 1:0 und 2:1, die beide nach Querpässen fielen, waren im Strafraum kaum noch zu verhindern. Die Außenverteidiger Lainer und Ulmer hatten defensiv Probleme, weil sie von ihren Vorderleuten Haidara und Berisha zu oft alleinegelassen wurden. Diese Schwäche ist typisch für das Salzburger Spiel und wurde von Lazio perfekt ausgenützt.

Grundordnung adaptieren

Salzburg spielt in dieser Saison praktisch immer mit einer Raute im Mittelfeld. Diese Grundordnung, die das von Salzburg praktizierte Spiel durch die Mitte stärkt, wurde gegen Lazio zum Boomerang. Dank fünf Mann im Mittelfeld konnten die Römer jene freien Räume an den Flügeln immer personell besetzen, die Salzburg meist verwaist lässt. Im Heimspiel wird man diese schließen müssen, um im Idealfall gar kein Gegentor zu bekommen.Dann besteht die realistische Chance auf den erstmaligen Aufstieg eines österreichischen Teams in ein Europacup-Semifinale seit 1996.

Naivität ablegen

Lazio zeigte Österreichs bester Mannschaft vor, dass Fußball nicht nur mit den Füßen gespielt wird. Da gehören zum Beispiel taktische Fouls auch dazu, wenn eine gefährliche Situation nicht mehr anders zu verteidigen ist. Valon Berisha war sich dem durchaus bewusst: „Felipe Anderson kann beim dritten Tor zwischen drei, vier Spielern ungehindert durchgehen. Das darf nicht passieren.“ Salzburg wird auch im Rückspiel solche Einzelaktionen nicht schon im Ansatz verhindern können, dafür ist die individuelle Klasse der Lazio-Spieler zu hoch. Man wird in solchen Situationen allerdings anders reagieren müssen, um ein so billiges Gegentor wie das 2:3 zu vermeiden.

Alleingänge unterlassen

Salzburg ist in dieser Saison auch so erfolgreich, weil die Mannschaft im Kollektiv auftritt. Das hat das Team so stark gemacht. Die individuelle Klasse ist natürlich auch vorhanden, aber nicht in jener Form wie sie Trainer Roger Schmidt in der Saison 2013/'14 zur Verfügung hatte mit einem Sadio Mane, einem Kevin Kampl, einem Alan oder einem Jonatan Soriano. In Rom wurde ungewohnt viel auf eigene Faust probiert, zu viele wollten offensichtlich zum großen Helden werden. Viel zu viele Sololäufe wurden gestartet, immer wieder rannten sich die Salzburger fest. Am Donnerstag wird aber eine kollektive Meisterleistung notwendig sein, um das Wunder von Salzburg schaffen zu können.