Unruheherd Trapattoni läuft heiß
Jeder Mensch, so sagt zumindest der Volksmund, würde im Alter etwas zur Ruhe kommen. Wirklich jeder Mensch?
Wer
Giovanni Trapattoni dieser Tage auf dem Fußballplatz im polnischen Badeort Sopot erlebt, zweifelt ernsthaft an der Richtigkeit dieser These: Wenn bei ihm mit seinen 73 Jahren tatsächlich ein wenig Ruhe eingekehrt sein soll, was für ein unruhiger Zeitgenosse muss er dann erst gewesen sein, als er noch ein Hänschen war?
Chaotisch
Trapattoni fuchtelt. Trapattoni schreit. Trapattoni flitzt. Nicht selten macht er alles gleichzeitig. Und man muss die Fußballer der irischen Nationalmannschaft fast schon bewundern, dass sie in diesem Chaos aus Anweisungen und Gesten noch den Durchblick behalten. Vor allem aber, dass sie offenbar ganz genau wissen, was ihnen ihr Trainer sagen will.
Denn in der Qualifikation für dieses EM-Turnier hatten die Iren die Vorgaben von Trapattoni nahezu perfekt eingehalten. Unter dem routinierten Taktikfuchs und bekennenden Defensivapostel hat sich das irische Team zu einem echten Bollwerk entwickelt. Die Iren, das hat sich in den letzten Partien gezeigt, kassieren kaum Gegentreffer, seit 14 Spielen ist man schon ungeschlagen.
Effizienz und Präzision
Die Kritiker sprechen bereits von der irischen Form des Catenaccio, Trapattoni selbst hat die Taktik zur Kunstform erhoben. Den irischen Spielstil bezeichnet der 73-Jährige kurz als Mischung von "Effizienz und Präzision".
In jedem Fall ist es ein Stil, der Respekt einflößt:
Slaven Bilic, der beeindruckte Teamchef des irischen Auftaktgegners Kroatien, zeigt sich vor dem Duell (Sonntag, 20.45 Uhr/KURIER-Ticker) vor der Mannschaft von der Insel gewarnt. "Ihre Disziplin in der Defensive ist wirklich beeindruckend."
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