Tschechiens Teamchef trotzt der Kritik
Michal Bilek hat seine Kritiker mundtot gemacht. Mit dem Viertelfinal-Einzug bei der
Fußball-EM verschaffte sich Tschechiens Teamchef auch persönliche Genugtuung. Von vielen heimischen Fans sowie der tschechischen Presse wenig geliebt, steht Bilek plötzlich als großer Gewinner da. Am Donnerstag wartet auf Tschechien in Warschau nun der Zweite der Gruppe B. Zuletzt stand man bei der EM 2004 bei einem Großturnier im Semifinale.
Die Erwartungshaltung der Tschechen vor dem EM-Start war niedrig. Gegen Montenegro buchte die Mannschaft im Play-off das Ticket für die Endrunde. Bilek wurde dabei nur ein geringer Anteil am Erfolg zugeschrieben, wie auch Tomas Jun zuletzt offenbarte. "Viele sind mit der Arbeit von Bilek nicht ganz zufrieden. Die Fans denken, dass man mit dieser Truppe einiges mehr herausholen könnte", berichtete der Austria-Stürmer am Tag vor dem Erfolg gegen Gastgeber Polen.
Hoffnungen
Nach dem 1:4 zum Turnier-Auftakt gegen Russland waren sogar "Bilek raus"-Rufe vernommen worden. "Ich bin nicht gerade glücklich darüber", gab der 47-jährige Bilek zu. Es folgte ein 2:1 gegen Griechenland, das
Tschechien alle Chancen offen ließ. Aufgrund der Verletzungssorgen von Kapitän
Tomas Rosicky wurde in Österreichs Nachbarland aber sofort wieder schwarzgemalt. Dass es gegen Polen auch ohne den Arsenal-Regisseur klappte, überraschte.
Petr Jiracek sorgte mit seinen zweiten Turnier-Tor in der 72. Minute für einen tschechischen Freudentaumel nach Schlusspfiff. Rund 12.000 Fans hatten die Reise ins nahe der tschechischen Grenze gelegene Breslau nicht bereut. "Die Fans glücklich zu sehen gibt uns Kraft!", erklärte ein erleichterter Bilek. Der ehemalige Internationale (WM-Teilnahme 1990) hatte nach der verpassten WM-Endrunde 2010 einige alte Kräfte aussortiert und auf etliche junge Akteure aus der heimischen Liga gesetzt.
Torschütze Jiracek wechselte zum Beispiel erst im Winter von Viktoria Pilsen zum VfL Wolfsburg in die deutsche Bundesliga. "Die Mannschaft ist zuversichtlich. Wir vertrauen aufeinander, auch weil wir bereits schwierige Situationen gemeistert haben", sagte Bilek, der wohl auch im Viertelfinale auf seinen Star verzichten muss.
Rosicky bremste nämlich die Hoffnungen auf sein Comeback. "Es gibt eine Chance, aber sie ist nicht groß", sagte der an Problemen mit der Achillessehne leidende Mittelfeldspieler. Sein Trainer ist ebenfalls skeptisch, was den Heilungsprozess betrifft. "Es ist schwer zu sagen, ob er im nächsten Spiel zur Verfügung steht. Jeder macht alles, damit er spielen kann", sagte Bilek. Die medizinische Abteilung der Tschechen dürfte jedenfalls auf Hochtouren arbeiten.
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