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Sport Fußball
03/06/2019

Trauer in Weiß: Die Ära der Königlichen ist zu Ende

Mit der 1:4-Blamage gegen Ajax Amsterdam endete am Dienstag eine Fußball-Ära. Nun steht der Umbruch in Madrid bevor.

von Mathias Kainz

Vier Mal in den letzten fünf Jahren holte Real Madrid den Champions-League-Pokal nach Hause, erreichte das zuvor Unerreichte, die Trophäe der Königsklasse im Folgejahr zu verteidigen. Unter Zinedine Zidane, angeführt von Cristiano Ronaldo, setzten die Königlichen zu einem beispiellosen Höhenflug an.

Spätestens am Dienstagabend erfolgte die Bruchlandung, und sie war schmerzhaft. Vor heimischem Publikum wurde das große Weiße Ballett im Champions-League-Achtelfinale vorgeführt von Ajax Amsterdam, dem Zweiten der niederländischen Liga. Mit 1:4 aus dem eigenen Stadion und aus dem Bewerb geschossen. Früh flossen die Tränen, und sie flossen lang.

Alternde Legenden

Den Zuschauern im Stadion war ebenso klar wie den Spielern auf dem Platz, dass sie das Ende einer Ära miterleben. Nicht nur das Ende der Ära Santiago Solari, denn dass der Trainer der Königlichen seinen Hut nehmen muss, davon war schon vor dem Champions-League-Out auszugehen. Es ist auch das Ende der Ära, die rund um Superstars wie Ronaldo, Gareth Bale, Toni Kroos und Luka Modric aufgebaut war.

Die Zeit dieser Legenden läuft ab. Ronaldo hat sein Heil in der Flucht nach Turin gesucht, und auch wenn ihm mit Juventus ebenfalls im Achtelfinale das CL-Ausscheiden droht, macht sich der Portugiese in Italien gerade noch einmal zum Helden, Juventus wird den Scudetto schon demnächst feiern dürfen. Bale steht vor dem Abschied in Richtung England, die großen Manchester-Klubs locken den Waliser auf die heimische Insel. Kroos und Modric wirkten gegen Ajax wie Schatten ihrer früheren, genialen Selbst.

Und jetzt? Was hält die Zukunft bereit für Real Madrid? Einen großen Umbruch, zweifellos. Im Sommer wird der Kader dramatisch umgebaut, davon ist auszugehen. Die ganz großen Namen wird man nicht nach Madrid locken können, aber ein Vorgeschmack auf die nächste Ära ist Vinicius Junior, der junge Brasilianer, der am Dienstag vorzeitig verletzt vom Platz musste. Der 18-Jährige war während der ersten halben Stunde, ehe er ausfiel, der beste Mann auf dem Platz.

Champions League - Round of 16 Second Leg - Real Madrid v Ajax Amsterdam

Der Umbruch

Mit Rodrygo Silva steht das nächste Wunderkind schon in den Startlöchern, 45 Millionen Euro wird sein Stammklub, der FC Santos, zum Beginn des Transferfensters von den Königlichen kassieren, damit der seit Jahresbeginn 18-Jährige nach Madrid wechseln darf. Wenn Bale geht, wovon auszugehen ist, und Solaris Nachfolger den notwendigen Umbruch eisern vorantreibt, werden noch einige Junge ihren Weg in die Hauptstadt finden.

Was bleibt übrig von der großen Ära? Vor allem die Titelsammlung, die alleine in den letzten fünf Jahren um sage und schreibe 14 Trophäen gewachsen ist. Der letzte war jener bei der Klubweltmeisterschaft im Dezember, in dieser Saison kommt keiner mehr dazu, davon ist auszugehen. Im Pokal schied man gegen den Erzrivalen Barcelona aus, in der Liga ist man zwölf Punkte hinter den Katalanen Dritter. Der Blick muss sich wohl eher auf Getafe richten, das nur sechs Punkte zurück lauert.

Am Dienstag ging die Ära der Königlichen zu Ende. Dass Real Madrid eine Auferstehung feiern wird, steht außer Frage - aber zuvor muss der schmerzhafte Umbruch erfolgen, wenn man im Santiago Bernabeu bald wieder Trophäen stemmen will.

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