Tor, Tore, Torres
Joachim Löw wird es nicht zugeben, aber ihn dürfte Donnerstagabend ein mulmiges Gefühl ereilt haben. Der deutsche Bundestrainer sah sich im Danziger Stadion die Vorrundenpartie zwischen Spanien und Irland an – das überzeugende 4:0 der Südeuropäer dürfte bei Löw so manch böse Erinnerung geweckt haben.
An den deutschen Angstgegner der letzten Jahre im Allgemeinen und an
Fernando Torres im Speziellen. Der Stürmer hatte im Finale der EURO 2008 in Wien für das siegbringende Goldtor der Spanier gesorgt.
Am Donnerstag präsentierte sich der 28-Jährige gegen den Iren nach langer Zeit wieder in Topform, traf doppelt, schuf für seine Mitspieler freie Räume und wurde konkurrenzlos zum Mann des Spiels gekürt. "Ich bin froh, dass ich von Beginn an spielen durfte und zwei Tore erzielt habe", sagte der Stürmer mit einem Lächeln. "Es ist sehr gut, dass es heute funktioniert hat, mit einer Nummer 9 zu spielen, so wie es gegen Italien ohne Neun geklappt hat."
Heftige Debatte
Noch im ersten Spiel gegen Italien (1:1) hatte sich Torres in der Rolle des Jokers wiedergefunden,
Spaniens Teamchef Vicente del Bosque hatte gegen den vermeintlich stärksten Gruppengegner auf eine echte Sturmspitze verzichtet und damit in der Heimat eine heftige Debatte ausgelöst.
Nach seiner beeindruckenden Leistung dürften die Diskussionen um den Chelsea-Legionär vorerst beendet sein. "Ich habe Torres gebracht, damit er das macht, was er getan hat", begründete Del Bosque seinen Sinneswandel. Doch trotz der beiden Treffer gab er dem EM-Helden von 2008 keine Stammplatzgarantie: "Er ist eine Alternative mehr. Dank seiner Schnelligkeit schafft er Räume."
Die Kritik am zuvor lange glück- und torlosen Torres ist indes verstummt. Der blonde Mann mit dem Milchbubengesicht (Spitzname:
El Niño, das Kind) hörte nach seinem erlösenden 1:0 nur tosenden Jubel, als er provokativ eine Hand ans Ohr hielt.
Diese Genugtuung reichte dem Chelsea-Star. Torres weiß, dass ihn der Trainer im letzten Gruppenspiel gegen Kroatien am Montag in die Startelf stellen wird müssen. "Wir brauchen noch einen Punkt, dann sind wir im Viertelfinale", rechnete Fernando Torres vor.
Hartes Jahr
Der Mann mit dem einst so blendend ausgeprägten Torinstinkt hat ein hartes Jahr in London hinter sich. In 32 Premier-League-Spielen für Chelsea erzielte er lediglich sechs Tore, für seinen früheren Arbeitgeber, den FC Liverpool, traf er im Schnitt in jedem zweiten Spiel. Bei Chelsea verlor er im Frühjahr nach der Entlassung von Coach André Villas-Boas seinen Fürsprecher und alsbald seinen Platz im Angriff.
Konkurrent Didier Drogba traf zwar kaum öfter als Torres, der Afrikaner setzte sich aber mit seinen Treffern im FA-Cup- und
Champions-League-Finale ein Klub-Denkmal. Offen ist, wie die Zukunft von Torres, dem teuersten Transfer der Premier League (58 Millionen Euro), in London aussieht.
Klarer scheint hingegen die Zukunft von Spanien und Torres bei dieser EM. Der Welt- und Europameister hat sich mit dem Sieg gegen
Irland in die Rolle des Topfavoriten zurückgespielt. "Heute hat man ein großes Spanien gesehen", sagte Spielmacher Xavi nach dem Spiel. Und auch Irlands Star-Trainer Giovanni Trapattoni, ein messerscharfer wie unbestechlicher Analytiker, legte sich fest: "Ich denke, es läuft auf Deutschland oder Spanien hinaus."
Treffsicher: Die Tormaschine aus Madrid
Karriere Fernando Torres wurde am 20. März 1984 in Madrid geboren. Er spielte sechs Jahre lang in den Jugendmannschaften von Atlético Madrid, bevor er 1999 Profi wurde. Er gab sein Debüt in der Kampfmannschaft im Jahr 2001 und schaffte sogleich den Aufstieg in die Primera Division. Seine 89 Tore in 214 Spielen ebneten ihm den Weg in die
Premier League zu Liverpool. Dort stellte er einen Torrekord auf: Er benötigte nur 72 Spiele, um 50 Tore zu erzielen. Seit Jänner 2011 spielt Torres beim Champions-League-Sieger Chelsea London.
Team Torres spielte bisher 95-mal im Nationalteam und erzielte dabei 30 Tore. Sein wichtigstes beim 1:0-Sieg 2008 im EM-Finale gegen Deutschland in Wien.
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