Stöger: Eine Gratwanderung

Ein Mann mit Brille zeigt mit dem Finger nach vorne.
Durchblick: Die kommenden Spiele werden noch spannender und hochwertiger sein.

Schon die Startphase der EURO hat uns gute bis sehr gute Spiele beschert, kaum eines war wirklich enttäuschend, wir warten immer noch – natürlich nicht sehnsüchtig – auf ein 0:0. Und das, obwohl alle Teams erst ihren Status quo eruieren wollten.

In den zweiten Spielen der vier Gruppen erwarte ich noch mehr Spiele mit offenem Visier, wie wir es in der Partie Polen gegen Russland schon gesehen haben, weil sich die jeweilige Konstellation stets verändert. Viele Teams müssen nach dem ersten Spieltag schon voll punkten, anderen reicht vielleicht in der zweiten Partie ein Unentschieden. Das ergibt andere taktische Voraussetzungen. Ein Team geht vermehrt in den Angriff, das andere Team verhält sich defensiver und lauert auf Konterchancen.

Daher rechne ich mit noch interessanteren und offeneren Begegnungen, mit mehr Tempo und mehr Chancen als vielleicht beim 1:1 zwischen Frankreich und England, die sich mit diesem Ergebnis zum Auftakt – durchaus verständlich – zufriedengaben.

Spannung pur

So richtig interessant wird es für mich aus Sicht des Trainers in den letzten Gruppenspielen, die bekanntlich zeitgleich über die Bühne gehen müssen. Ich gehe davon aus, dass alle vier Gruppen nicht vor dem letzten Spieltag entschieden sein werden. Alles liegt knapp beisammen, Kleinigkeiten werden über Aufstieg oder Heimflug entscheiden. Die Qualität der Spieler ist sehr hoch, für mich ist wunderbar anzuschauen, wie manche Fußballer in verschiedenen Situationen aus wenig noch so viel herausholen können.

Vor allem aber die Trainer werde ich bei den entscheidenden Spielen beobachten. Immer wird versichert, dass das Hauptaugenmerk auf der eigenen Mannschaft liegt. Das ist logisch. Ich kann aber nicht glauben, dass Trainer wie Spieler der Stand beim Parallelspiel nicht interessiert und sie auch nicht informiert sind. Das ist eine Mär.

Informiert

Alle wissen, was sie beim jeweiligen Spielstand im anderen Match selbst zum Aufstieg benötigen. Ändert sich also der Stand in der zweiten Partie, dann verändert sich auch die eigene Situation. Nicht darauf zu reagieren wäre für einen Trainer grob fahrlässig.

Ich bin mir sicher, dass alle bestens und vor allem schnell informiert werden, um auf eine neue Situation sofort zu reagieren, eventuell taktische Veränderungen vornehmen zu können. Genau auf diese Reaktionen der Teamchefs freue ich mich, weil man dabei sieht, wer wie mit so heiklen Situationen in einem Turnier umgeht. Das macht für mich auch den Reiz aus.

Angenommen, ein Team muss in den letzten zehn Minuten noch unbedingt ein Tor erzielen, weil sich im Fernduell das Kräfteverhältnis verschoben hat. Und der Trainer reagiert nicht, das Team scheidet aus und fliegt heim. Wer wäre wohl der Schuldige für die Öffentlichkeit?

Allein deshalb schon müssen die Trainer einen Seitenblick riskieren.

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