Siegessicherheit bei Joachim Löw
Die Fußballer hatten es auch schon einmal leichter. Früher, ja früher da konnten sie sich noch voll und ganz auf das Toreschießen und Gegentoreverhindern konzentrieren. Doch seit bei der UEFA die Analysten und Zahlenkünstler am Ball sind, genügt Kicken allein nicht mehr. Heute muss ein Fußballer auch die Kunst der hohen Fußball-Arithmetik beherrschen.
Da möchte man meinen, dass die deutsche Nationalmannschaft nach Siegen gegen Portugal (1:0) und die Niederlande (2:1) auf dem besten Weg ins Viertelfinale ist, doch siehe da: Eine 0:1-Niederlage oder ein 1:2 im letzten Gruppenspiel gegen Dänemark könnte sogar das Aus für den Titelanwärter bedeuten.
Warnsignal
Auch deshalb warnte der deutsche Teammanager Oliver Bierhoff noch einmal eindringlich vor Bruder Leichtsinn und übertriebenem Übermut. "Wenn man sich die verschiedenen Rechenbeispiele vorführt, sieht man, dass es sehr schnell passieren kann", sagt Bierhoff.
Die Angst vor einer vorzeitigen EM-Abreise scheint freilich unbegründet. Zu souverän war bisher das Auftreten der Deutschen bei diesem Turnier, zu konzentriert und diszipliniert arbeitet die Mannschaft im Training. Weder gibt es im Gegensatz zu früheren Endrunden teaminterne Grabenkämpfe noch hat Bundestrainer Joachim Löw Sorgenkinder von der Krankenstation zu beklagen. Auch deshalb ist Löw vom Aufstieg in die K.-o.-Phase überzeugt. "Ich bin innerlich relativ ruhig, weil ich weiß, was unsere Mannschaft zu leisten in der Lage ist."
Strategiespiel
Die Formentwicklung einiger Teamspieler sorgt für zusätzliche Zuversicht. So ist Bastian Schweinsteiger binnen zwei EM-Partien vom Unsicherheitsfaktor zum bewährten Leistungsträger avanciert. Der Münchner hatte ein turbulentes Frühjahr hinter sich, zu den körperlichen Schmerzen nach einem Bänderriss kamen seelische Schmerzen auf Grund der verpatzten Saison mit dem FC Bayern (drei Mal Zweiter).
Im Trikot der Nationalmannschaft schlüpfte Schweinsteiger nun aber wieder sofort in die Chefrolle und gab vor allem im Match gegen die Niederlande den umsichtigen Strategen. "Ich weiß, was von mir erwartet wird und spüre auch, dass es mir von Spiel zu Spiel besser geht", sagt der 27-Jährige.
Dabei hatte Joachim Löw jetzt noch gar nicht mit einem souveränen und starken Bastian Schweinsteiger geplant. Der Bundestrainer sah im Routinier einen Joker für die entscheidenden Partien in der K.-o.-Phase. "Schweinsteiger muss sich ins Turnier reinquälen", hatte Löw vor der EURO gemeint, nach dem 2:1 gegen die Niederlande sagte er bereits: "Schweinsteigers Präsenz auf dem Platz ist sehr, sehr hoch."
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