Sergei Schawlo (li.) und sein Sohn Sergej (re.) mit ihren Frauen

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Sport Fußball
09/19/2018

Sergei und Sergej: Die Schawlos zwischen Hütteldorf und Moskau

Rapid trifft morgen in der Europa League auf Spartak Moskau. Eine Familie weiß besonders gut Bescheid.

von Alexander Huber

Sergei Schawlo senior ist einer der wenigen Menschen, die Rapid und Spartak Moskau aus nächster Nähe kennen. Der 62-jährige Russe spielte in den 1980er-Jahren für den ersten Europa-League-Gegner von Rapid (Donnerstag, 18.55 Uhr) und danach in Hütteldorf. „Spartak ist wie Rapid – nur größer“, erklärt der 19-fache Teamspieler der Sowjetunion im KURIER-Gespräch in überraschend gutem Deutsch.

„Diese Sprache muss man lernen, das habe ich getan. Jetzt gibt es regelmäßige Wien-Besuche“, erzählt der frühere Mittelfeldspieler. Der Grund ist die Familie: Sergej (der Vater nennt sich Sergei) Schawlo junior startete als Nachwuchsstürmer bei Rapid. Der Vater trainierte die Talente Ivanschitz und Kulovits. Der Junior blieb auch in Wien, als der Vater in Moskau Spartaks Sportdirektor wurde, jetzt ist er selbst Vater von Zwillingen.

„Ich komme noch gerne zu Rapid und bin für die Termine mit Spartak Dolmetscher “, erzählt der 38-Jährige mit einem Timbre, das nicht einmal in Spurenelementen Russisch erahnen lässt. Der Unternehmer ließ das Kicken sein, ist im Immobilien-Bereich erfolgreich, kann zweisprachig Deals abschließen.

Erlaubnis von oben

Dass sein Vater wechselte, war eine Sensation. „Ich war einer der ersten Teamspieler, die von Gorbatschow die Erlaubnis für einen Auslandstransfer erhielten“, erinnert sich der Senior. „Meister, Supercupsieger und Stadthallen-Sieger 1988“, listet er die Erfolge stolz auf. Trotzdem folgte nach nur einer kompletten Saison der Wechsel zum FavAC. „Eine schöne Zeit. Aber wir hatten vier Legionäre, nur drei waren im Spiel erlaubt.“ Mit vielen Ex-Kollegen hält Schawlo Kontakt: „Feurer, Hrstic, Brauneder, Lainer, Weinhofer, Konsel – ich freue mich, wenn ich sie wiedersehe.“

Und das in offizieller Mission. „Ich bin der Funki Feurer von Spartak“, scherzt der Senior. Was damit gemeint ist? Herbert „Funki“ Feurer betreut die „Rapid-Legenden“ mit Einsatz und Schmäh. In Moskau wurde das Konzept von Schawlo übernommen. „Zusätzlich haben wir einen Fonds gegründet: Wenn Ex-Spieler oder der Nachwuchs Unterstützung oder ärztliche Betreuung brauchen, finanzieren wir das.“

Geld hat Spartak definitiv mehr als Rapid: „Unsere Spieler sind nicht vergleichbar mit dem Rapid-Kader. Quincy Promes wurde im Sommer um 20 Millionen Euro zu Sevilla verkauft. Aber: Rapid hat Charakter. Das wurde im Europacup oft bewiesen. Damals gegen Dresden, jetzt im Play-off.“ Außerdem sind mit Gigot und Kutepow zwei Innenverteidiger verletzt. Am Sonntag gewann Grozny mit Trainer-Rückkehrer Rachimow überraschend 2:1 beim Dritten.

Egal, wie das Spiel ausgeht – die Parallelen bleiben für Schawlo senior bestehen: „Geliebt vom Volk, ruhmreiche Geschichte, aber zuletzt nicht so viele Erfolge, wie die Fans erwarten. Das ist Spartak – und Rapid.“