Schweden und sein zlatanisches Herz

Zlatan Ibrahimović bei einem Fußballspiel im gelben Trikot.
Geschichten über Ibrahimovic, eine glückstrunkene Invasion und einen missmutigen Trainer.

Zlatan? "Er ist der Beste." Nein, das reicht nicht: "Er ist das Herz unserer Mannschaft." Robin, der weit gereiste Schwede, ist in seiner Lobpreisung kaum zu bremsen. Er glaubt unerschütterlich an Zlatan Ibrahimovic, der das schwedische Nationalteam treffsicher nicht nur zum Erfolg gegen die Ukraine, sondern zumindest einmal ins Viertelfinale dieser EM schießen wird. Den Titel des regierenden italienischen Torschützenkönigs (28 Treffer für AC Milan) hat Ibrahimovic mit im Gepäck.

Am Montag steigt das Duell gegen die Ukraine im runderneuerten Olympiastadion von Kiew (20.45 Uhr).

Robin gehört zu jenem Teil des schwedischen Fußballvolkes, der Ibrahimovic so nimmt, wie er ist. Technisch ausgezeichnet, instinktiv torgefährlich – und angeboren arrogant. Letzteres ist dem jungen Mann im gelb-blauen Trikot aber "scheißegal". Und überhaupt, es sei schon viel besser, seit Ibrahimovic zum Kapitän ernannt worden ist. Auf dem schwedischen Trainingsgelände von Koncha Zaspa am Stadtrand von Kiew steht der Superstar natürlich im Mittelpunkt. Stets zum Scherzen mit Kollegen und Kugel aufgelegt. Trainiert wird im privaten Outfit: kein Zopf, wehende Mähne.

Warnung

"Ich bin in einer fantastischen Form", sagt er. Ein neues Gefühl, denn bei den vergangenen Großveranstaltungen hatte der 30-Jährige immer über mangelnde Fitness geklagt.

Dass Robin auch zu jenen 500.000 Schweden gehört, die sich die Biografie ("Ich bin Zlatan") zumindest gekauft haben, ist anzunehmen. Ibrahimovic hatte 2011 mit diesem Buch für beträchtlichen Wirbel gesorgt. Darin findet sich auch die herbe Abrechnung mit Ex-Barcelona-Coach Josep Guardiola. Dieser habe keine Eier in der Hose, und vor José Mourinho würde er sich in die selbige machen.

Vergessen. Dennoch keimen bei derartigen stilistischen Textpassagen unweigerlich Erinnerungen an Marko Arnautovic auf. Österreichs Teamspieler wurde oft mit Ibrahimovic verglichen, vermutet wurde gar, er könne das Produkt eines Klonvorgangs gewesen sein.

Kopiefehler

Beide haben bosnisch-kroatische Wurzeln, beide sind groß (Arnautovic 1,90 Meter, Ibrahimovic gar 1,95) und trotzdem Feintechniker, beide führen ein loses Mundwerk. Der kleine, feine Unterschied: Ibrahimovic holte in den letzten acht Jahren mit fünf verschiedenen Vereinen die Meisterschaft. In der kommenden WM-Qualifikation wird der direkte Vergleich ohnehin sicher machen.

Schwedens Teamchef Erik Hamren hat momentan allerdings ganz andere Sorgen. Wer wird neben Ibrahimovic gegen die Ukraine stürmen? Die Planstelle sollte Johan Elmander von Galatasaray Istanbul besetzen. Der 31-jährige Angreifer meldete sich nach einer Mittelfuß-Fraktur als voll einsatzfähig zurück. Nach nur vier Wochen Pause. Dies wiederum schmeckt dem türkischen Arbeitgeber nicht, und der Klubmanager fordert eine Krankenstandsverlängerung um weitere zwei Wochen.

Wie regieren die Schweden? Sie denken bisher nicht daran.

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