Schöttel traut Frankreich viel zu
Ein kurzer Blick auf die Gruppe D macht schnell klar: Frankreich und England sind die Favoriten auf den Aufstieg ins Viertelfinale, Schweden und die Ukraine schlüpfen vorerst in die Rolle der Außenseiter.
Doch ganz so einfach wird es für die beiden Fußball-Großmächte nicht. Denn sowohl Les Bleus als auch die Three Lions haben turbulente Zeiten hinter sich, die sich auch noch bei dieser Endrunde bemerkbar machen können.
Nach der absurden Meuterei der französischen Spieler gegen Nationaltrainer Raymond Domenech während der WM in Südafrika vor zwei Jahren wurde Laurent Blanc zum neuen Teamchef bestellt. Der ehemalige Abwehrchef des Weltmeisters von 1998 und Europameisters von 2000 formte mit Geschick ein neues Team, führte dieses erfolgreich durch die Qualifikation. Die im Vergleich zu seinem Vorgänger offensivere Spielweise wurde von den Fans dankbar angenommen, die individuell starken Spieler funktionieren nun auch wieder als geschlossene Einheit.
Große Qualität
Große Qualität Frankreich verfügt bei diesem Turnier über herausragende Offensivspieler. Ribéry, Nasri und Benzema können an guten Tagen jede gegnerische Abwehr vor große Probleme stellen. Aber auch ansonsten gibt es viel Qualität in dieser Mannschaft: Lloris im Tor hat Klasse, die Abwehr ist sehr solide und im Mittelfeld gibt es richtig gute, technisch sehr beschlagene Fußballer zu sehen.
Anders verhält es sich bei England, das bereits seit 46 Jahren auf einen Titel wartet. Als Grund für das oft frühe Ausscheiden bei Großereignissen wird meist die lange und kräftezehrende Saison in der Premier League genannt. Mit ausgelaugten Spielern gewinnst du kein Turnier, wenn du nicht über herausragende Einzelspieler verfügst. Und genau das könnte auch bei dieser EURO das größte Problem darstellen.
Zwar haben sie mit Joe Hart den besten englischen Tormann der letzten Jahre, aber durch die Verletzungen von Schlüsselspielern werden sich die Engländer richtig schwer tun. Besonders unangenehm ist es natürlich, wenn der einzige Weltklassespieler dieser Mannschaft erst im letzten Vorrundenspiel zur Verfügung steht. Wayne Rooney ist ja nach seiner Roten Karte im Qualifikationsspiel in Montenegro für die ersten beiden Matches gesperrt.
Nicht nur im Team, auch bei den Verantwortlichen herrschte in den letzten Monaten große Unruhe. Fabio Capello führte die Mannschaft souverän durch die Qualifikation, trat dann aber nach Streitigkeiten mit dem Verband zurück. Roy Hodgson trat sein Amt erst am 1. Juni an, in der Zwischenzeit wurde das Team interimistisch von Stuart Pearce betreut. Sicher kein Idealzustand, aber bezeichnend für die angespannte Situation.
Ich traue Frankreich in diesem Turnier eine große Rolle zu, bei England würde es mich doch überraschen, wenn sie bei der Titelentscheidung ein Wort mitreden könnten.
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