Der Brasilianer Alan war gegen Grödig der beste Salzburger und erzielte drei Treffer. Der Brasilianer führt auch die Torschützenliste an.

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Salzburger Derby
02/09/2014

Schmidt: "Ich erwarte keine Perfektion"

Trotz eines klaren Derbysieges gegen Grödig kritisierte Sportchef Ralf Rangnick Salzburg. Trainer Roger Schmidt verteidigte hingegen sein Team.

von Stephan Blumenschein

Es war eine verbale Watsche der überraschend schallenden Art. „Mit so einer Leistung wie heute brauchen wir gegen Ajax gar nicht antreten. Da werden wir nicht weiterkommen. Das steht fest“, attestierte Salzburg-Sportchef Ralf Rangnick in der Pause des Derbys gegen Grödig im TV-Sender Sky trotz einer 2:0-Führung.

Und auch nach dem Spiel wirkte der Deutsche nicht wirklich versöhnt, obwohl seine Salzburger noch vier Treffer erzielen und das Spitzenspiel gegen den ersten Verfolger mit 6:0 gewinnen konnten. „Vor der Pause hat unsere Basis gefehlt. Das war in der zweiten Hälfte besser. Aber unser Anspruch muss sein, dass wir 90 Minuten so spielen.“

Rangnicks Kritik kam nicht aus dem Nichts. Wie schon beim 5:1 im Nachtragsspiel gegen Wr. Neustadt wirkten die Salzburger überrascht vom aggressiven Pressing des Gegners, der so spielte wie eigentlich der Tabellenführer spielen will. Doch kamen die Salzburger fast eine Stunde nicht - wie schon oft erfolgreich praktiziert - in der gegnerischen Hälfte so in die Zweikämpfe, um Bälle für ihr schnelles Umschaltspiel gewinnen zu können.

Ganz im Gegenteil: Immer wieder kam es beim Herausspielen schon in der eigenen Hälfte zu leichtfertigen Ballverlusten, die für einige brenzlige Situationen vor dem Salzburger Tor sorgten. Den Grödigern fehlte aber das Können, um diese Fehler in Tore umzusetzen.

Schmidts Erkenntnisse

„Es ist immer schwierig, wenn eine Mannschaft sehr viel investiert so wie es Grödig gegen den Ball getan hat. Da tun sich alle anderen Teams auch schwer“, meinte Salzburg-Trainer Roger Schmidt, der glaubte zu wissen, warum seine Mannschaft erneut Probleme mit der Spieldominanz hatte: „Da muss man einfach klarere Bälle spielen, versuchen einmal die Vorwärtsverteidigenden zu überspielen und den Ball zu behaupten, um nicht in solche Situationen zu kommen wie wir in der ersten Hälfte gekommen sind.“

Aber Schmidt nahm aber auch die Offensivspieler in die Pflicht: „Wenn man zu wenig läuft, sich durch sein Stellungsspiel nicht genug einbringt wenn wir in Ballbesitz sind und zu wenig selbst gegen den Ball arbeitet, dann kommen halt solche Situationen zustande, in denen es so wirkt, dass unsere Innenverteidiger im Spielaufbau Probleme haben.“ Salzburgs Erfolgstrainer konnte der fehlerhaften Vorstellung in der ersten Hälfte aber durchaus auch Positives abgewinnen: „Das wird mir die Gelegenheit geben, die Mannschaft auf einige Dinge zu sensibilisieren.“

Dafür scheinen die Salzburger jetzt eine Qualität wieder gefunden zu haben, die sie im Herbst in dem einen oder anderen Spiel vermissen ließen: die Effizienz. Wie schon in Wr. Neustadt wurden die beiden ersten Chancen verwertet. Es waren aber beides untypische Salzburg-Tore, fielen sie doch nach langen Abschlägen aus der eigenen Hälfte. „Wir trainieren sehr viel an der Chancenverwertung, das sieht man am Platz“, meinte Dreifachtorschütze Alan, der mittlerweile schon fünf Treffer im Frühjahr erzielt hat und in der Torschützenliste in Führung liegt. 18 Mal hat der Brasilianer getroffen und damit einmal mehr als sein spanischer Sturmpartner Jonatan Soriano, der gegen Grödig ebenfalls drei Tore erzielen konnte.

Die Bundesliga ist längst zum Salzburger Solo geworden. 17 Punkte beträgt der Vorsprung auf den ersten Verfolger Grödig. 16 der 22 Spiele haben die Salzburger gewonnen, in diesen 22 Spielen wurden 69 Treffer erzielt - also mehr als drei Tore im Schnitt pro Spiel. Das Torverhältnis der Salzburger beträgt +52, jenes der Grödiger +2. Dieser Vergleich alleine beweist den Qualitätsunterschied des Tabellenführers zum Rest der Liga. „Ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals in Österreich eine Mannschaft mit einer derartigen Qualität gegeben hat", meinte Grödig-Trainer Adi Hütter, der zum dritten Mal ein Salzburger Derby klar verlor.

Schmidts Pausenansprache

Aber trotz aller positiver Zahlen weiß auch Roger Schmidt, dass man mit einer Leistung wie in der ersten Hälfte in der zweiten Februar-Hälfte gegen Ajax chancenlos sein wird. „Wenn wir in der Europa League etwas erreichen wollen, dürfen wir nicht so auftreten", meinte der Deutsche. Über die harsche Kritik seines Vorgesetzten Ralf Rangnick wirkte Schmidt trotzdem nicht glücklich. „Meine Mannschaft spielt auf so einem hohen Niveau, da sollte man die Kirche im Dorf lassen. Ich erwarte keine Perfektion in jeder Spielsekunde und über die ganze Saison." Schmidt gab auch preis, was er in der Pause gemacht hatte: "Es ist meine Aufgabe, der Mannschaft Hinweise zu geben, wenn es einmal eine Hälfte nicht so läuft. Das habe ich versucht. Die zweite Hälfte hat dann auch gezeigt, dass wir als Mannschaft funktionieren. Mit einigen Korrekturen sind wir ganz anders aufgetreten.“

Der Deutsche stellte sich auch verbal demonstrativ vor sein Team: „Dass wir gegen Ajax anders spielen müssen wie in der ersten Hälfte, stellt ja keiner in Frage, aber man braucht die Mannschaft nicht an die Wand zu stellen, nur weil sie eine Halbzeit schlecht gespielt hat. Wir müssen demütig bleiben und uns einfach mit den Dingen beschäftigen, die sich auf dem Platz dargestellt haben.“

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