Sammer lobt den Mut der Italiener

Ein Mann sitzt auf der Tribüne und telefoniert mit einem Handy am Ohr.
"Die spielen doch glatt mit einem halben Libero", feixte Sammer in Wien-Hütteldorf.

Zurücklehnen und einfach genießen. Und aufmerksam zuhören, was DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, ehemaliger Weltklassefußballer, so über diese Sportart zu sagen hat. Sein Auftreten souverän, professionell, stets höflich und sympathisch.

Wenn man schon einen Kapazunder wie ihn in Wien hat, weil adidas und Sport 2000 zum Showtraining geladen haben, dann will man es genau wissen. Wer holt denn den EM-Titel, Herr Sammer? Doch der nimmt die Idealvorlage nicht an, nimmt das Tempo aus dem Spiel. "Es wurden die ersten Tupfer abgegeben, noch ist niemand qualifiziert, keine Entscheidung ist gefallen." Also bitte den Ball flach halten, wie die Deutschen gerne sagen.

"Wir haben sechs Punkte, dennoch ist nicht alles gut. Die Leistung der Spanier darf man bei aller Euphorie auch nicht durch die rosa-rote Brille sehen. Das wirkliche Niveau kann man erst ab der K.-o.-Runde beurteilen. Das jetzt ist erst das Warm-up."

Inhaltlich konnten ihn die gezeigten Systeme der Teams nicht überraschen. Nur Italien machte die Ausnahme. "Die spielen doch glatt mit einem halben Libero, da habe ich mich ein wenig darin erkennen können", so Sammer, der den Libero in den 90ern modern interpretiert hatte. "Es gehört Mut zu Veränderungen in schwierigen Phasen. Der italienische Fußball durchlebt ja eine Krise. Dass sie diese Variante erwägen zeigt mir, dass sie sich ausreichend Gedanken gemacht haben."

Fußball, weiß Sammer, ist stetige Weiterentwicklung. Wer da nicht mitmacht, der ist für Jahre oder Jahrzehnte im Hintertreffen. "So ist es uns nach 1990 ergangen, den Franzosen nach 2000 und den Niederländern seit der WM 2010. Daher habe ich von ihnen auch nichts anderes erwartet als das, was sie bisher im Turnier gezeigt haben." Und das war bekanntlich nicht viel.

Moderator

Sammer lobte den wieder erstarkten Bastian Schweinsteiger und Torjäger Gomez. Die Diskussion um den Stürmer sieht Sammer entspannt. "Man muss immer unterscheiden zwischen Aussagen und Kritik. Und Kritik kann immer positiv sein. Zu Gomez sage ich nur soviel: Barcelona hätte einen Stürmer wie Gomez im Halbfinale der Champions League schon gerne gehabt."

Der Sportchef des DFB ist kein Freund der schwarz-weißen Betrachtungsweise. "Ich bin nicht ganz so euphorisch. Das Team ist fokussiert, das Auftreten gut. Die Mixtur zwischen schönem und auch erfolgreichem Spiel scheint derzeit erkennbar." Für ein tiefer greifendes Urteil sei der Zeitpunkt zu früh.

Der prägnanten Rede folgte im Hanappi-Stadion ein Training mit Talenten von Rapid Wien. Auch dabei war Sammer voll in seinem Element und vermochte auch die nächste Generation zu beeindrucken.

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