Saison-Finish: Bundesliga im Brennpunkt

Bei einigen Klubs brennt der Hut in sportlichen Belangen. In Innsbruck sind die Finanzen ein heißes Thema.
Ein Mann in einer schwarzen Jacke gestikuliert mit der Hand.

Die Austria versuchte vor dem Spiel gegen Innsbruck die Fan-Gemüter zu beruhigen. Ob es auch ruhig bleibt und ob die Rückendeckung für Trainer Ivica Vastic der Klubverantwortlichen hält, wird sich am Samstag nach den 90 Minuten weisen. Die Tiroler hingegen wissen schon jetzt, dass auch in der kommenden Saison der Sparstift dicke Striche machen wird.

Sturm Graz, der regierende Meister, steht unter erhöhtem Verdacht, nach der bereits verlorenen Titelverteidigung nicht einmal einen internationalen Startplatz zu ergattern. Im steirischen Derby hat Gegner Kapfenberg laut Papierform die letzte Chance, den Klassenerhalt doch noch zu schaffen. In Wiener Neustadt ist vor dem NÖ-Derby gegen die Admira zu befürchten, dass die Mannschaft auseinanderfällt.

Am Sonntag muss Rapid nach Ried.

Mattersburg - Salzburg: Ein Wechselspieler im Fokus

Ein Fußballspieler in Grün wird von einem Linienrichter beobachtet.

Was in Deutschland ganz normal ist, wird in Österreich teils argwöhnisch beäugt. Ein Spieler kickt gegen den Verein, für den er nächste Saison auflaufen wird. Beispiel Deutschland: Gladbachs Reus spielte gegen seinen künftigen Klub Dortmund – kein Problem. Beispiel Österreich: Salzburg hat die Verpflichtung von Mattersburgs Ilsanker bekannt gegeben. Noch vor dem Spiel am Samstag. Trainer Franz Lederer sagt: "Das wird in Österreich zu hoch gespielt, wie der Schelm eben so denkt. Das sind Profis. Wenn er spielt, dann soll er ihnen beweisen, was er drauf hat." Das Wenn soll heißen, dass er sich nicht ganz sicher war, ob er den 22-Jährigen tatsächlich einsetzt.

Mattersburg ist mit ein Grund, warum sich Salzburg in der Tabelle noch nicht abgesetzt hat. Zwei der drei Spiele wurden verloren, nur ein mageres 0:0 wurde erreicht. Trainer Moniz will nicht von einem Angstgegner sprechen, gesteht aber: "Fakt ist, dass wir gegen die Burgenländer in den letzten vier Spielen unter mir als Trainer praktisch keine Chancen erarbeitet haben."

Austria: "Platzsturm" soll von den Spielern kommen

Vor dem Spiel kommt das Gespräch. Nach der 0:1-Pleite von Kapfenberg versuchte die Austria-Spitze in dieser Woche in Gesprächen mit Fanklub-Vertretern und Mitgliedern die Emotionen aus der heiklen Angelegenheit zu nehmen und an die Vernunft der Fans zu appellieren. "Die Unterredungen waren produktiv", so Manager Markus Kraetschmer. Von einem Platzsturm im Falle einer Niederlage am Samstag daheim gegen Innsbruck wäre nie die Rede gewesen. Das wäre auch ungünstig, ausgerechnet am Kindertag in der Generali Arena, wenn die jüngsten Austria-Mitglieder bei Frankfurter Würstel und Limonade feiern. "Nicht alles, was im Internet in Foren steht, entspricht der Wahrheit. Wir werden am Samstag eine ordentliche Veranstaltung abhalten."

Das wird auch von der Mannschaft erwartet. Trainer Ivica Vastic hat seinen Sympathie-Bonus bei den Fans zwar schon vor einiger Zeit verspielt aufgrund der defensiven Spielweise, für AG-Vorstand Thomas Parits ist das aber noch lange kein Grund, an einen Trainerwechsel zu denken. "Wir haben mit Ivo einen Vertrag. Außerdem glauben wir nach wie vor an die Chance auf einen internationalen Platz." Man werde die Nerven schon nicht verlieren.

Vastic hat unter der Woche mit seinen Spielern offensiveren Fußball geübt. Immerhin. "Wir brauchen mehr Läufe in die Tiefe, um das Spiel nach vorne zu erzwingen." Den Druck, der auf den Spielern lastet, lässt er nicht als Argument für schwache Leistungen gelten. "Druck hat man immer." Vor allem er selbst.

Innsbruck: Ein Sparpaket im Jubiläumsjahr

Saison-Finish: Bundesliga im Brennpunkt

Ein Abstiegsgespenst, das längst ausgespukt hat, dafür eine Mannschaft, die sogar noch vom Europacup träumen darf – auf den ersten Blick scheint rund um Wacker Innsbruck alles eitel Wonne.

Wären da nur nicht diese Finanzprobleme, die seit Ewigkeiten wie eine lästige Klette am Traditionsverein hängen. Seit dem Konkurs 2002 und dem Neustart in der dritten Liga vergeht kaum eine Saison ohne finanzielle Engpässe und Bettelbriefe an die Politik.

Das ist in diesem Jahr nicht anders. Laut derzeitigem Stand muss Wacker für die Jubiläumssaison – 2013 feiert der Klub seinen 100. Geburtstag – ein weiteres Sparpaket schnüren. Für das aktuelle Spieljahr hatte der Verein noch 7,37 Millionen Euro veranschlagt, für die Saison 2012/2013 sind bisher 6,85 Millionen vorgesehen. Der Rotstift wird damit auch bei der Zusammensetzung des neuen Kaders wieder das wichtigste Utensil sein: Einsparungspotenzial wird beim spanischen Abwehrchef Inaki Bea und beim slowenischen Stürmer Miran Burgic geortet. Bisher hat Wacker mit dem Talent Christian Schilling (GAK) erst einen Spieler für die neue Saison engagiert.

Wr. Neustadt - Admira: Die nächste Abwanderungswelle

Zwei Fußballspieler kämpfen um den Ball während eines Spiels.

Und da waren sie fort. Das ewige Lied in Wr. Neustadt. Talente werden zu Leistungsträgern ausgebildet, um dann von anderen Vereinen sofort wieder abgeworben zu werden. Auch Abwehrchef Michael Madl ist bei mehreren größeren Klubs nach seiner starken Saison äußerst beliebt. "Ich habe keine Präferenzen, auch wenn ich schon bei der Austria war. Ich werde auch berücksichtigen, ob das Team international dabei ist."

Eines ist klar: Madl verlässt den Liga-Neunten. "Nachdem weitere Leistungsträger gehen, werde ich auch nicht blieben, da bei uns die Perspektiven fehlen." Mit Leistungsträgern meint Madl Andreas Schicker und Mario Reiter, die auf der Rieder Wunschliste stehen und ebenso ablösefrei sind.

Auch, wenn Hauptsponsor Magna ausgestiegen ist, zeigt man sich im Lager von Wr. Neustadt betont optimistisch. Das Budget soll wie in der aktuellen Saison rund fünf Millionen Euro betragen, ein Gutteil davon stammt aus Rücklagen. "Außerdem stehen wir in guten Gesprächen mit einem Hauptsponsor", sagt Manager Alexander Gruber. "Wir werden die Lizenz auch heuer bekommen."

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