Robert Seeger: Der Mann am Mikrofon

Ein lächelnder Mann in einem grauen Anzug vor einem grünen Hintergrund.
Robert Seeger kommentierte 1982 für den ORF das Spiel, an das er sich heute noch sehr gut erinnern kann.

KURIER: Im Rückblick, wie stellt sich Gijon für Sie dar?
Robert Seeger: Ich erinnere mich, dass ich viele positive Stimmen erhalten habe. Viele Menschen haben mir damals nach dem Spiel Recht gegeben.

Was empfanden Sie damals rund um das Spiel?
Ich bin am Vortag angereist mit vielen Gedanken im Kopf. Es war klar, dass wir Deutschland aus dem Turnier werfen konnten im Unterschied zu Cordoba, wo dann beide Teams heimgeflogen waren. Ich glaubte, es wäre ein Tag, wo unser Team etwas Sensationelles leisten könnte.

Wann merkten Sie, dass es sich nicht mehr um ein normales Spiel handelte?
Zu Beginn spielten die Deutschen mit uns Katz’ und Maus. Wir hatten Angst vor den Deutschen. Und dann machten mich die spanischen Zuschauer kurz vor der Pause auf die Situation aufmerksam, indem sie Taschentücher schwenkten.

Es wurde schlimmer.
Unserem Fußball hat das sehr geschadet.

Ihr Kollege von der ARD hat den Kommentar eingestellt. Warum hat es Ihnen nicht die Sprache verschlagen?
Ich wollte den Menschen sagen, dass dies eine Schande für den österreichischen Fußball war.

Die Kritik aus der Heimat blieb auch nicht aus.
Ja, mir wurde unterstellt, dass ich mich schäme, ein Österreicher zu sein.
Das habe ich nie gesagt. Ich bin auch danach ins Teamquartier gefahren, um mich den Spielern zu stellen. Aber da hatte sich die Aufregung schon gelegt.

Wo würden Sie Gijon in Ihrer Karriere als Kommentator einreihen?
Unter die Top 5, eine Stufe unter dem Europacupfinale von 1985 zwischen Liverpool und Juventus mit der Tragödie von Brüssel.

Ist man selbst als Routinier auf solche Ereignisse vorbereitet?
Nein. Ich habe mich auf ein gutes Spiel gefreut.


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