Rapids Skandal mit Nachspiel
Es ist wie mit Revolutionen. "Angekündigte Fan-Kriege finden nicht statt", vermutete ein führendes Mitglied des Rapid-Anhangs "Block West". Es gab dann doch Zustände wie im Krieg vor dem 2:1 von PAOK Saloniki im Play-off-Hinspiel zur Europa League. Die UEFA wird die Griechen deshalb ebenso strafen wie Rapid, Urteile gibt es aber erst nach dem Bericht des slowenischen UEFA-Delegierten David McDowell.
"So etwas Schlimmes habe ich noch nie erlebt", sagte Trainer Peter Schöttel, für den es gestern den nächsten Tiefschlag gab: Christoper Drazan erlitt beim Abschlusstraining in Thessaloniki einen Riss des Außenbandes, sowie eine Kreuzband-Zerrung im linken Knie und wird mehrere Monate verletzt fehlen.
Der Skandal hat ein Nachspiel, es stellen sich viele Fragen.
Der KURIER gibt zehn Antworten:
Kamen die Ausschreitungen überraschend?
Nur in ihrer Schärfe. Durch die Fan-Freundschaft von Rapid mit dem PAOK-Feindbild Panathinaikos Athen war ein hitziges Vorspiel logisch. Am gefährlichsten waren die von PAOK-Fans vor dem Stadioneingang Richtung Fan-Bus geworfenen Molotowcocktails. "Da hätte es Tote geben können", sagt Delegationsleiter Andy Marek, der im Moment des Angriffs aus dem Bus ausgestiegen war.
Wie lautet die Bilanz der Skandalnacht?
Sieben Rapid-Fans wurden verhaftet und durften nicht heimfliegen. Schwerere Verletzungen blieben aus. Bedroht wurden auch die Rapid-Offiziellen. Im PAOK-Stadion gab es Verwüstungen, ein Fan berichtete sogar von einer herausgerissenen WC-Schüssel, die in den Rapid-Sektor geworfen wurde.
Kann es noch eine Strafverifizierung geben?
Nein, weil eine Strafverifizierung der UEFA nur für den Fall vorgesehen ist, dass ein Spiel "nicht oder nicht vollständig ausgetragen" worden ist. Das trifft auf das Spiel in Saloniki nicht zu.
Warum ist Rapid überhaupt noch angetreten?
Ein Nicht-Antreten bringt drakonische Strafen: Das Spiel wäre mit 3:0 für PAOK gewertet, Rapid aus dem Bewerb ausgeschlossen und mit einer Strafe von 30.000 Euro belegt worden. Die Entscheidung lag allein beim UEFA-Delegierten McDowell, der durch eine Absage noch Schlimmeres befürchten hätte müssen.
Warum traf sich der vom Derby-Platzsturm bekannte "Hass-Grieche" vor und nach dem Spiel mit Rapidlern?
Der "Hass-Grieche" ist ein führendes Mitglied des Anhangs von Panathinaikos, steht weiterhin in Kontakt mit Rapid-Fans und reiste aus Solidarität an. Der Stadionbesuch war Fans aus Athen verboten. Beim Rückspiel wollen mehrere ausländische Fangruppen Rapid "unterstützen". Der Verein will das mit personalisierten Tickets verhindern.
Welchen Anteil hatten Rapid-"Fans" an den Ausschreitungen?
Vor dem Stadion wurden sie unschuldig angegriffen, im Stadion sorgten sie mit den als "Rache" gezielt auf PAOK-Fans geschossenen Leuchtraketen für den Platzsturm. Die Übeltäter sollen laut Fanberichten der radikalen Gruppe "Vatos Locos" angehören. Marek verurteilt das Verhalten scharf: "Auch wenn es davor schlimm war: Es ist das Feigste, Leuchtraketen in den Nachbarsektor zu schießen." Konsequenzen gibt es für zumindest fünf bereits ausgeforschte "Fans".
In welchem Rahmen bewegen sich die UEFA-Strafen?
Der Katalog umfasst 16 mögliche Bestrafungen. Diese reichen von einer Ermahnung bis zum Ausschluss des Vereins. Zuletzt wurden nach ähnlichen Krawallen zumeist Geldstrafen (bis zu einer Million Euro) und Heimspiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesprochen.
Das Rückspiel ist ausverkauft. Dürfen die Fans überhaupt ins Hanappi-Stadion?
Wahrscheinlich schon, weil die UEFA meistens zwei Wochen für ein Urteil benötigt. PAOK hat 800 Karten für das Risikospiel reserviert. Rapid hilft, dass es (im Gegensatz zu PAOK) keine Vorstrafen bei der UEFA gibt. Vermutet wird, dass es eine Geldstrafe geben wird.
Wie ist der Instanzenweg?
Für die Causa ist die UEFA-Kontroll- und -Disziplinarkommission zuständig, mit dem Österreicher Thomas Partl als Vorsitzenden. Die nächste Instanz ist der Berufungssenat. Die UEFA verlangt von den Vereinen schriftliche Stellungnahmen, erst danach wird getagt. Dass die Causa vor dem Rückspiel behandelt wird, ist unwahrscheinlich.
Wie geht es für Rapid sportlich weiter?
Bereits Samstagnachmitttag erfolgt die Abreise nach Wolfsberg, zum "Spiel des Jahres" für Aufsteiger WAC. Die Vorbereitung ist (unabhängig von Drazans Verletzung) nicht optimal. Weil der Mannschaftsflieger mit dem Abflug auf noch auf im Stadion festgehaltene Fans warten musste, kamen die Spieler erst um halb fünf Uhr früh in ihre Betten.
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