Rapid und Austria jagen Salzburg
20 Tage nach dem EM-Triumph der Spanier (4:0-Finalsieg gegen Italien) rollt ab Samstag wieder der Fußball in der österreichischen Bundesliga, die Saison 2012/’13 wird eingeläutet. Erstmals gibt es ein echtes Eröffnungsspiel, das vom TV-Sender Sky sogar unverschlüsselt übertragen wird: Im Duell der Meister der vergangenen beiden Saisonen empfängt Sturm Titelfavorit Salzburg. Anpfiff ist in der UPC-Arena um 16 Uhr.
Es geht um viel in dieser Saison. Denn erstmals nach sieben Jahren Pause hat Österreich im kommenden Sommer wieder die doppelte Chance, sich für die lukrative Champions League zu qualifizieren. Neben dem Meister darf auch der Vizemeister an der Qualifikation teilnehmen. Platz drei und vier garantieren einen Startplatz in der Europa-League-Quali.
Der KURIER nimmt alle zehn Klubs unter die Lupe, analysiert Stärken und Schwächen der Teams. Heute stehen der übliche Titelfavorit Salzburg sowie die ewigen Titelkandidaten Rapid und Austria auf dem Prüfstand.
Salzburg: Angriff ist und bleibt die beste Verteidigung
Die Bilanz der Salzburger in der Bundesliga ist seit der Klubübernahme durch Red Bull im Jahr 2005 – trotz aller zum Teil berechtigter Kritik – hervorragend. Vier Meistertitel (2007, 2009, 2010, 2012) und drei zweite Plätze (2006, 2008, 2011) stehen auf der Habenseite. Auch in der kommenden Saison wird der Weg zum Titel nur über Salzburg führen.
Stärken Der Titelverteidiger hat nicht nur den teuersten, sondern auch den besten Kader aller zehn Klubs – qualitativ und quantitativ. Niemand kann Ausfälle so gut kompensieren wie die Salzburger. Obwohl etwa Torjäger Alan praktisch die komplette letzte Saison ausfiel, wurden trotzdem mit Maierhofer und Jantscher zwei Salzburger Torschützenkönige. Das Um und Auf ist und bleibt Mendes da Silva. Bleibt der Niederländer von Verletzungen verschont, ist er der überragende Stratege in der Liga. Mit Walke haben die Salzburger dazu einen Tormann, der sich kaum Fehler erlaubt. Jantscher (rechts) und Svento (links) sind und bleiben die stärkste Flügelzange der Liga. Und vorne wartet Stefan Maierhofer, der bei all seiner Limitierungen immer für Tore gut ist.
Schwächen Neo-Trainer Schmidt verfolgt eine andere Fußball-Philosophie als sein Vorgänger Moniz. Die Umstellung vom am Ballbesitz orientieren Spiel zum Pressing mit schnellen Umschalten in die Spitze wird dauern. Die Defensive hat nicht das Niveau der Offensive. Alle Innenverteidiger sind jederzeit für individuelle Fehler gut. Die Neuzugänge Dibon, Klein und Ilsanker sind nur Investitionen in die Kaderbreite. Mit der Freistellung von Leonardo hat Salzburg an Unberechenbarkeit verloren.
KURIER-Tipp: Platz 1
Rapid: Nach dem Umbruch wird zum Halali geblasen
Trainer Peter Schöttels oberstes Anliegen – die Stabilisierung der Defensive – ist im ersten Amtsjahr gelungen und brachte den Vizemeistertitel. Heuer soll offensiver und kreativer gespielt werden. Geholt wurden dafür Junge mit viel Potenzial. Abgegeben wurden routinierte Ersatzspieler. Deshalb ist der Kader billiger, aber nicht schwächer.
Stärken Steffen Hofmann hat die Nachwirkungen der Schambeinverletzung abgeschüttelt und ist wieder die herausragende Führungsfigur. Jede Position im 4-2-3-1-System ist doppelt mit Qualität besetzt, hochgezogene Amateure fördern den Konkurrenzkampf. Erster Gewinner ist Rückkehrer Ildiz, der (zumindest in der Vorbereitung) die gesuchte Schaltstelle zwischen Defensive und Offensive war. Die Neuen Gerson, 20, und Boyd, 21, wurden gezielt für die Schwächen Spielaufbau und Chancenverwertung verpflichtet, benötigen aber noch Eingewöhnungszeit. Die Außenverteidiger sollen wie Flügelstürmer spielen, das kommt Trimmel entgegen. In der Offensive wird viel rotiert werden. Die wiedererlangte Unterstützung der Fans wird Extra-Punkte bringen.
Schwächen Management-Probleme (kein Stadionausbau, aufgebrauchte Finanz-Rücklagen) könnten die Stimmung bei Misserfolgen rasch kippen und das junge Team (Durchschnittsalter des Kaders: 24,3 Jahre) überfordern. Die Herausforderung Europacup ist für viele neu, Tormann Königshofer steht vor der ersten Saison als Nr. 1. Die Abhängigkeit von Hofmann bleibt groß. Drazan könnte noch ins Ausland wechseln. Sorgen etablierte Spieler wie Schimpelsberger, Sonnleitner oder Prager auf der Bank für Probleme?
KURIER-Tipp: Platz 2
Austria: Der neue Trainer bringt den alten, neuen Stil
Mit dem neuen Trainer und einer vielversprechenden Neuverpflichtung geht die Austria in eine Saison ohne Europacup, zum ersten Mal seit zehn Jahren. Vastic-Nachfolger Peter Stöger legt die Marschroute fest: "Das soll kein zweites Mal passieren." Der internationale Startplatz ist bei den Wiener diese Saison Pflicht.
Stärken Der Kader ist groß und ausgeglichen, wurde mit dem Slowenen Dare Vrsic als Spielmacher aufgewertet. Er könnte dem violetten Spiel den Stempel aufdrücken, "auch wenn wir mit ihm noch im körperlichen Bereich arbeiten müssen", so Stöger. Der neue Trainer kennt aufgrund seiner Austria-Vergangenheit den Hausgebrauch, den Verein wie seine Westentasche. Bei seiner letzten Station in Wr. Neustadt hat er bewiesen, dass er mit jungen talentierten Spielern gut und erfolgreich arbeiten kann. Mit Stöger wird die Austria von ihrem Stil her wieder in die Offensive gehen, was ihr allein schon historisch besser steht als der unter Vastic misslungene Versuch, über eine stabilisierte Defensive zum Erfolg zu kommen. Die Austria verfügt über viele technisch starke Spieler. Stögers Aufgabe wird es auch sein, aus einigen wie Grünwald, Stankovic oder Simkovic noch mehr an Leistung heraus zu kitzeln.
Schwächen An der vordersten Front gibt es mit Linz und Kienast zwei echte, aber in ihrer Spielanlage zu ähnliche Torjäger. Im Kader fehlt zu diesem Duo momentan ein wendiger Stürmer als Alternative, der allerdings noch gesucht wird. Im Tor dürfte Lindner die Nummer 1 sein, der wieder fitte Grünwald wird sich nicht mit einer Reservistenrolle begnügen. Das könnte mannschaftsintern Probleme bereiten.
KURIER-Tipp: Platz 3
Der Liga-Start: Die Spieltermine
Die 1. Runde
Samstag, 21. Juli
16 Uhr: Sturm – Salzburg (live auf Sky unverschlüsselt).
18.30 Uhr: Rapid – Wacker Innsbruck, WAC – Austria, Mattersburg – Wr. Neustadt.
Sonntag, 22. Juli
16 Uhr: Admira Wacker – Ried (live ORFeins).
Alle Spiele live auf Sky als Einzeloption und in Konferenz.
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