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Sport Fußball
03/24/2020

Präsident und Ex-Weltfußballer Weah und die Corona-Krise

George Weah war 1995 der beste Fußballer der Welt. Seit 2018 ist er Präsident von Liberia und trifft als solcher wichtige Entscheidungen.

von Günther Pavlovics

George Weah ließ mit einem Dekret am Samstag die Schulen in Liberia schließen, die Kirchen und Moscheen, die Strände, die Bars. Bei Hochzeiten und Beerdigungen dürfen nicht mehr als 10 Personen anwesend sein, in Restaurants dürfen gleichzeitig nicht mehr als 5 Personen essen. Menschen aus Ländern mit mehr als 200 Infizierten dürfen nicht mehr einreisen. Soziale Kontakte sollen vermieden werden.

„Dieser Virus ist die größte Bedrohung der Gesundheit der Menschen in Liberia seit der Ebola-Epedemie in unserem Land von 2014 bis 2016“, erklärte Weah, der Präsident des afrikanischen Landes. Laut WHO starben damals mehr als 11.000 Menschen in Guinea, Liberia und Sierra Leone.

Virus kam aus der Schweiz

Der erste Corona-Infizierte im afrikanischen Land war ein hoher Verwaltungsbeamter, der aus der Schweiz in die Heimat nach Monrovia geflogen war. Er hatte an einem Meeting des Green Climate Fund (GCF, Grüner Klimafonds der UNO) in Genf teilgenommen. Der zweite Fall in Liberia war einer dessen Hausangestellten. Nathaniel Blama, der Chef der Umweltagentur von Liberia, soll nach seiner Ankunft aus der Schweiz die Quarantäne verweigert haben. Liberia hatte schon davor extreme Kontrollen und Sicherheitsvorkehrungen an Grenzen und Flughäfen eingerichtet.

Blama beklagte später, dass er zum Sündenbock gemacht werde. Er wurde von Staatschef Weah von allen Aufgaben suspendiert. „Ärzte holten ihn von seinem Anwesen für Untersuchungen ab, doch er weigerte sich, im Rettungsauto mitzufahren, sondern fuhr im eigenen Wagen. Das war auch ein Verstoß des Schutzes der öffentlichen Gesundheit“, erklärte Weah.

Die Menschen in Liberia sind aufgebracht, weil just ein Offizieller das Virus ins Land gebracht hat. Mittlerweile sind Masken und Desinfektionsmittel in den Geschäften rar geworden, und wenn es sie noch gibt, dann hat sich der Preis vervielfacht. Der Staatschef von Liberia hat mit dem Corona-Virus einen härteren Gegner als er je auf dem Spielfeld hatte.

Präsident seit 2018

Der 53-Jährige Weah ist seit zwei Jahren der 25. Präsident von Liberia. Er gilt als einer der besten Fußballerspieler Afrikas, 1995 wurde er sogar zum besten Fußballspieler der Welt gewählt. Seine größten Erfolge hatte er während der 1990er Jahre in Europa bei Vereinen wie AS Monaco, Paris Saint-Germain und AC Mailand. Weah ist Angehöriger der Volksgruppe der Kru. Er wuchs bei seiner Großmutter in Clara Town auf, einem Slum nahe der Hauptstadt Monrovia. Weah  konnte aber eine Schule besuchen und fand danach  Arbeit als Techniker bei der Telefongesellschaft.

Monaco, Paris, Mailand

Seine Leidenschaft war aber der Fußball, mit fast 21 Jahren ging er nach Kamerun, erst mit fast 22 landete er in Europa beim AS Monaco. Arsene Wenger war damals Trainer und sagte: „Ich habe nach ihm nie wieder einen Spieler so explodieren sehen.“ Nach vier Jahren holte ihn Paris, wo er drei Jahre lang blieb und aufgrund seiner starken Leistungen in der Champions League als erster Afrikaner 1995 zum Weltfußballer gewählt wurde. Von 1995 bis 2000 spielte er beim AC Milan, mit dem er zwei Mal italienischer Meister wurde.

Matura mit 40 Jahren

2003 beendete er mit 36 Jahren seine Karriere. Der populäre Kicker kündigte schon ein Jahr danach seine Kandidatur als Präsident an. Nach der verlorenen Wahl im Jahr 2005 machte Weah als  40-Jähriger die Matura nach und absolvierte ein Betriebswirtschaftsstudium, um sich besser auf seine politische Laufbahn vorzubereiten. Am 20. Dezember 2014 wurde George Weah mit großem Vorsprung für die Region Montserrado in den liberianischen Senat gewählt. 2017 trat er wieder zur Präsidentenwahl an und gewann.

Fußball-Abschied mit 51 Jahren

Er trat sein Amt trat er am 22. Januar 2018 an. Im September 2018 führte der damals 51-Jährige das Nationalteam von Liberia in einem Freundschaftsspiel gegen Nigeria aufs Feld. Er wurde erst in der 79. Minute ausgewechselt. Die Nummer 14, mit der er auch das Spiel bestritt, sollte zukünftig nicht mehr vergeben werden.