Positives und Negatives beim 3:2
Leider kann sich ein Trainer seinen Matchwinner nicht aussuchen. Sonst hätte Marcel Koller zu seinem Wohle wahrscheinlich eine andere Option gewählt: Einen Teamspieler etwa, der schmächtiger und stoischer ist, und der seine Tore nicht so stürmisch zu feiern pflegt.
Alles Attribute, die auf einen im österreichischen Nationalteam nun wahrlich nicht zutreffen: Auf
Marko Arnautovic. Nach seinem Treffer zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung gegen die Ukraine nahm der Exzentriker seinen Vorgesetzten ins Visier. Mit 40 Metern Anlauf und mit Ansage stürmte Arnautovic in Richtung Trainerbank und ließ Teamchef Marcel Koller in seinem Torjubel kurz erschaudern. "Plötzlich kommt da so ein Panzer auf mich zu."
Einfach umwerfend.
Übertrieben
Marko Arnautovic hat es also wieder einmal geschafft. Er ist in aller Munde, er steht im Mittelpunkt – wie so oft in seiner Karriere. Die Fans huldigen ihm nach seinen zwei Toren beim 3:2-Achtungserfolg über EM-Gastgeber
Ukraine, im Rundfunk wurde er gar schon zum Messias erhoben.
Nur Marcel Koller ist bei aller übertriebenen Euphorie um Gelassenheit bemüht. Er hebt keinen Spieler explizit hervor, noch übt er öffentliche Personalkritik. Vielmehr hebt der Schweizer den Zeigefinger und mahnt zur Contenance: "Wir dürfen dieses Ergebnis jetzt nicht zu hoch bewerten. Es ist wichtig, das Spiel richtig einzuordnen."
Koller hat im dritten Spiel in seiner Ära – Bilanz: Zwei Siege, eine Niederlage – einige Fortschritte gesehen, er hat sich aber auch genug Schwachpunkte notiert. "Das Nationalteam ist ein kleines Pflänzchen", erklärt er, "wir müssen es noch mit viel Wasser gießen."
Das Spiel gegen die Ukraine im Rückspiegel, was blieb positiv in Erinnerung, was hat weniger gut geklappt.
+ Marko Arnautovic Kaltschnäuzig beim Tor zum 2:1, genial beim Siegestor zum 3:2, ein Mann für besondere Momente. "Es gibt in
Österreich nicht viele Spieler, die so eine Qualität haben", lobt denn auch Teamchef Koller, der mit Genugtuung ein Sliding Tackling von Arnautovic registrierte. "Das hab` ich noch nie gesehen."
+ Die Testkandidaten Marcel Koller nützte das Match gegen die Ukraine zum Personal-Testen. Das Ergebnis: Alle Kandidaten haben das Casting bestanden. Junuzovic überzeugte auf der Lieblingsposition im Zentrum, Suttner war links in der Viererkette die Verlässlichkeit in Person, und Scharner gab einen soliden Verteidiger. "Der Pott der Spieler hat sich vergrößert", so Koller.
+ Die Nehmerqualitäten Die beiden Ausgleichstreffer warfen die Österreicher nicht aus der Bahn und verbreiteten keine Panik. Zur Belohnung für die Nehmerqualitäten gab`s den Last-Minute-Sieg.
- Marko Arnautovic Wo ein Genie, da auch Wahnsinn. Der 23-Jährige gönnte sich viel zu viele Pausen und Leerläufe und bettelte um seine frühe Auswechslung. "Er kann und muss mehr machen", fordert Koller.
- Das Umschalten Leichtfertige Ballverluste, Hektik in der Vorwärtsbewegung, schlampige Aktionen. Beim Umschalten von der Defensive in die Offensive hatte der Team-Motor grobe Aussetzer. Koller hat eine eigene Bezeichnung für das träge Offensivspiel. "Das war phasenweise harzig."
- Das Kreativspiel Kapitän Janko war als Stürmer völlig isoliert, der Kreativabteilung fehlten die Ideen und die Präzision. Auch eine Folge des intensiven Defensiv-Trainings, behauptet Koller. "Wenn du die ganze Woche von der Defensive redest, ist das in den Köpfen drin."
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