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Sport Fußball
12/05/2011

Polnische Fans mischen im Wahlkampf mit

Am 9. Oktober wird in Polen eine neue Regierung gewählt. Fußballfans sind bei Wahlveranstaltungen immer präsent.

Die Kämpfe rivalisierender polnischer Fußballfans sind weit über die Grenzen des Gastgeberlandes der Europameisterschaft 2012 hinaus berüchtigt. Zur Zeit sind sich die Fans jedoch vereinsüberschreitend einig und mischen den polnischen Wahlkampf kräftig auf.

Wo immer der "Tuskbus" auftaucht - die Fans sind schon da. Nicht nur die Anhänger und Wähler der liberalkonservativen Bürgerplattform und des polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk, sondern auch junge Männer mit Vereinsfarben und Springerstiefeln, oft stiernackig und kurzgeschoren. Mit Sprechchören und martialischem Auftreten lenken sie von den Wahlkampfthemen vor den polnischen Parlamentswahlen am 9. Oktober ab. Einmal fliegen Eier, einmal gehen die Fans auf Tuchfühlung mit den Vertretern der Regierung, von der sie sich zu Unrecht schikaniert fühlen. "Schluss mit den Repressionen!" skandieren sie immer wieder und drohen, am Wahlsonntag werde die Regierung mit ihren Stimmen "in den Müll geworfen".

Treffen mit Fan-Vertretern

Regierungschef Tusk trat nun die Flucht nach vorne an und traf sich am Montag mit Fan-Vertretern in Warschau. "Das war ein Sparring, das unentschieden endete", meinte Jaroslaw Pucek, einer der Fan-Vertreter, nach dem zweistündigen Gespräch. "Aber da es für uns ein Auswärtsspiel war, zählt jedes Tor doppelt."

Die Leidenschaft für Fußball ist Tusk nicht fremd. Einst war er Kapitän und Stürmer der Mannschaft des polnischen Parlaments. Sportlich ist er nach wie vor - vor wenigen Wochen veröffentlichte eine polnische Boulevardzeitung Bilder des Regierungschefs beim Joggen, wobei er seinen Leibwächter mühelos abhängte.

Kein Pardon

Doch wenn es um Hooligans und Fan-Randale geht, kennt Tusk kein Pardon. Im Fall seiner Wiederwahl will er bei der Eröffnung der EURO 2012 im neuen Warschauer Nationalstadion keine der hässlichen Szenen sehen, die im Mai beim Endspiel um die polnische Meisterschaft viele Fußballfreunde schockierten. Hooligans, die damals den Rasen stürmten, Polizisten und Journalisten attackierten, mit Steinen und Feuerwerkskörpern warfen, soll es bei der EM nicht geben. Und auch die rassistischen und antisemitischen Sprechchöre, mit denen Anhänger gegnerischer Teams oft beschimpft werden, sollen keinen Schatten auf das Fußballfest werfen.

Vorerst keine Gesetzesmilderung

Tusks Regierung hat das Gesetz über öffentliche Sicherheit verschärft, Schnellverfahren gegen gewalttätige Fans eingeführt. Fans sprechen von einem Krieg der Regierung gegen die Fußballanhänger, sehen die Freiheit des Wortes eingeschränkt. "Wir werden als Bürger zweiter Klasse behandelt", beklagten sie sich bei Tusk. "Wir haben genug von der Schikane", beschwerte sich Tomasz Pietka von den Fans des Vereins Jagiellonia Bialystok vor dem Treffen mit dem Regierungschef. Das Alkoholverbot in Stadien stößt den Fans genauso sauer auf wie die hohen Geldstrafen und Stadionverbote, mit denen künftig rassistische Sprechchöre geahndet werden sollen.

"Kollektivstrafen wird es nicht geben", versuchte Tusk die Fans zu besänftigen. Er stellte aber auch klar: Eine Milderung des Gesetzes ist mit seiner Regierung nicht zu machen. "Ich weiß, dass ein Stadion kein Theater ist, aber für Hooliganismus und Banditentum wird es keinerlei Toleranz geben." Das Gespräch mit den Fans soll fortgesetzt werden - nach den Wahlen.

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