Sport | Fußball
01.06.2018

Plötzlich flexibel: Österreich holt Versäumtes nach

ÖFB-Trainer Franco Foda bastelt an einer Mannschaft, die möglichst flexibel und nicht auszurechnen ist.

Vier Spiele, vier Siege – Franco Foda legte als Teamchef einen Katapultstart hin. Nach dem 1:0 gegen WM-Gastgeber Russland wird’s jetzt noch ernster: Am Samstag kommt Weltmeister Deutschland nach Klagenfurt (18 Uhr/ live ORFeins und ZDF). Ein echter Prüfstein. Für die Nationalmannschaft und ihre neue Flexibilität.

Es ist gar nicht lange her, da brach noch das große Wundern aus unter den Teamspielern: Im November, beim Amtsantritt von Franco Foda, war der eine oder andere noch verdutzt über die neue Gangart. Umfangreicher, intensiver und auch öfters als zuvor unter Marcel Koller wurde da plötzlich trainiert. Selbst am Vormittag des Spieltages, Stunden, bevor die Österreicher ihrem neuen Trainer einen 2:1-Einstandssieg gegen Uruguay bescherten, war ein „echtes“ Training angesagt anstelle des lockeren Aktivierens der Muskeln.

Konkurrenzkampf

Ein gutes halbes Jahr später ist von Verwunderung keine Spur mehr. „Es ist jetzt ein großer Konkurrenzkampf in der Mannschaft. So soll es weitergehen. Es sollen noch mehr Spieler kommen für noch mehr Konkurrenzkampf, das macht uns nur besser“, sagte Marko Arnautovic nach dem Sieg gegen die Russen.

Ob noch mehr Spieler kommen werden, wird man sehen. Fakt ist, dass jene, die bereits da sind, mit dem neuen Trainerteam für frischen Wind sorgen. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich Österreichs Team beinahe von selbst aufgestellt hatte. Marcel Kollers – einige Zeit erfolgreicher – Plan, an seiner eingespielten Elf inklusive der logischen zwei, drei Alternativen festzuhalten und auf blindes Vertrauen und Automa- tismen zu setzen, ist Fodas Sache nicht. Hand in Hand mit den neuen Gesichtern im Team gehen auch viele Varianten des Teamchefs: In vier Spielen trat Österreich in vier verschiedenen Grundordnungen auf. Einem flachen 4-4-2 gegen Uruguay folgten ein 3-4-2-1 gegen Slowenien und ein 4-2-3-1 in Luxemburg. Am Mittwoch stellte man gegen Russland zur Pause von 3-4-2-1- auf 3-5-2 um.

Wir sind schon länger im Geschäft und keine Trottel. Jeder hat schon jedes System gespielt.

Martin Hinteregger | flexibler Verteidiger

Unter dem Strich bleibt höchst Erfreuliches: vier Spiele, vier Siege und ein Torverhältnis von 10:1. „Da ist etwas im Entstehen“, sagte am Donnerstag Martin Hinteregger. Angesprochen auf die neu gewonnene Flexibilität reagierte der Augsburg-Legionär nahezu verwundert. Ganz so, als hätte man dies den Österreichern nicht zugetraut, sagte der 25-Jährige: „Wir sind ja schon lange im Geschäft und keine Trottel. Jeder hat schon jedes System gespielt. Deshalb ist es für uns einfach, zu switchen.“ Man trainiere mehrere Systeme und könne jede Sekunde umstellen.

Spät, aber doch wird nachgeholt, was vor der EURO 2016 versäumt worden ist. In der im Herbst startenden Nations League sollen sich die Gegner nicht so auf die Österreicher einstellen können, wie das vor zwei Jahren in Frankreich und auch in der folgenden WM-Qualifikation der Fall war.

Raten & Rätseln

Das gemeinschaftliche Irreführen der Gegner wegen absichtlich falsch prognostizierter Aufstellungen durch österreichische Journalisten, das sich Franco Foda im Scherz zum Amtsantritt gewünscht hatte, wäre gar nicht möglich: Außenstehende können bei Foda nur raten und rätseln. Das gilt auch für Joachim Löw, wenngleich der deutsche Bundestrainer nichts dem Zufall überlassen und die Österreicher vor dem Duell ganz genau analysieren wird.

Umgekehrt ist den Österreichern klar, dass bei aller Variabilität die Aufgabe gegen den Weltmeister eine weit schwierigere wird. Martin Hinteregger: „ Russland war auf Augenhöhe – das wird jetzt ein Härtetest!“