Beric: "Für Rapid ist noch alles möglich"

Zwei Fußballspieler von Rapid Wien jubeln über ein Tor.
Rapid-Stürmer Robert Beric über die Bedeutung der Sprache, seines Glaubens und den Titel als Ziel.

Das Match von Rapid am Freitag dauerte länger als ein Fußballspiel. Nach 135 Minuten war die Bauverhandlung mit dem erwünschten Ergebnis beendet: Die Anrainer erheben keinen Einspruch gegen den Bau des Allianz-Stadions, damit gibt es keine Rechtsmittel mehr gegen den Neubau um 53 Millionen Euro.

Bereits am 6. Oktober, nur zwei Tage nach der Abrissparty im Hanappi-Stadion, rollen die Bagger. Bis Juni 2016 wird die neue Heimstätte der Hütteldorfer fertiggestellt (siehe auch Chronik-Teil).

In der neu zusammengebauten Rapid-Mannschaft übernimmt Robert Beric eine Schlüsselrolle. Der doppelte Doppelpack gegen Wiener Neustadt und Wolfsberg macht den 23-jährigen Slowenen zum Hoffnungsträger im Duell mit Salzburg.

Der Ex-Sturm-Angreifer versteht Deutsch perfekt, das KURIER-Interview vor dem großen Schlager am Sonntag im Happel-Stadion (16.30 Uhr) gibt er aber lieber noch auf Englisch.

KURIER: In welcher Sprache verständigen Sie sich mit Trainer Zoran Barisic? Englisch, Deutsch – oder Serbokroatisch?

Robert Beric: Ich verstehe sein Serbokroatisch, aber er spricht mit Srdjan Grahovac und mir bewusst nur Deutsch. Er will, dass wir so schnell wie möglich gut Deutsch sprechen und das auch in der Kabine tun. Das sollte mir bald gelingen.

Haben Sie schon bei Sturm Deutsch gelernt?

Beric: Ich war nur einige Male im Deutschkurs. Ich habe in Graz aber nicht viel gelernt, weil wir so viele Spieler hatten, die sich ohnehin in den Sprachen vom Balkan unterhalten haben.

Denken Sie, dass Deutsch wichtig ist, um ein Team zu bilden?

Beric: Das Fußball-Deutsch mit den kurzen Kommandos ist auf dem Rasen ganz wichtig, und das lernt jeder schnell. Gut Deutsch zu sprechen, ist für die Kabine wichtiger. Das hat auch seine Bedeutung.

Sie kamen vor 16 Monaten aus Maribor nach Graz. Welche Unterschiede gibt es zu Slowenien?

Beric: In Österreichs Liga läuft alles schneller ab. Maribor ist richtig gut, aber dann kommt lange nichts. Es fehlt die Konkurrenz.

Barisic ist erst Ihr dritter Trainer im Profifußball. Was lernen Sie im Moment bei Rapid?

Beric: Vieles. Ganz viel sogar.

Den größten Sprung nach vorne erkennt der Trainer bei Ihrem Defensivverhalten und wie Sie die Verteidiger anpressen.

Beric: Ja, das ist ganz wichtig für unseren Spielstil. Barisic sagte, das ist das Erste, das ich lernen muss, um der Mannschaft helfen zu können. Für mich war das neu, weil wir bei Sturm kein Pressing gespielt haben.

In welchen Bereichen wollen Sie sich noch verbessern?

Beric: Ich muss ruhiger im Abschluss werden. Da wartet noch viel Arbeit auf mich. Das Individualtraining mit Carsten Jancker hilft mir. Auch technisch gibt es bei mir noch Potenzial zur Verbesserung. Und mit dem Kopf sollte ich gefährlicher werden.

Welche Gedanken hatten Sie, als der Anruf von Rapid kam?

Beric: Ich war froh. Die Zusage war ganz einfach für mich, weil Rapid ein größerer Klub ist, der sehr schönen Fußball spielt und viele Fans hat. Rapid ist einfach besser als Sturm und war der nächste Schritt in meiner Karriere.

Und was ist Ihr nächster Schritt?

Beric: Ich will mit Rapid Titel gewinnen.

Haben Sie nach dem Aus gegen Helsinki befürchtet, dass die nächste enttäuschende Saison auf Sie wartet?

Beric: Bei all der Enttäuschung habe ich tief drinnen gespürt, dass wir richtig gut sein können. Dass nur etwas fehlt, wie Glück oder ein Erfolgserlebnis. Rapid hatte wichtige Abgänge zu verkraften, der Kader ist sehr jung. Da ist es klar, dass es dauert, um die Abläufe kennenzulernen. Jetzt sind wir schon vertrauter.

Welche Ziele gibt es diese Saison nach dem Europacup-Aus?

Beric: Wir können mit Konzentration und etwas Glück im Cup richtig weit kommen. In der Liga wollen wir unter die ersten Zwei kommen, um 2015 in der Champions-League-Quali zu spielen.

Und wenn die Siegesserie gegen Salzburg weitergeht?

Beric: Für Rapid ist noch alles möglich. Es ist mein größter Wunsch, dass wir Meister werden. Es geht aber nicht nur um ein Spiel, weil die Meisterschaft ein Marathon ist. Im Fußball verändert sich alles so schnell – nach oben und nach unten.

In Ihrem Lebenslauf ist nur eine Verletzung zu finden. Sind Sie ein Glückskind?

Beric: Ich habe mich 2009 am Kreuzband verletzt. Das ist wirklich alles – Gott sei Dank!

Ihren Glauben an Gott erkennt man auch beim Torjubel. Welche Bedeutung hat für Sie das Kreuzzeichen, das Sie nach jedem Treffer machen?

Beric: Ich danke Gott dafür, dass ich meinen Traum ausleben kann. Nicht viele Menschen tun das, worauf sie schon als Kind gehofft haben. Deshalb gehen meine ersten Gedanken nach einem Tor immer nach oben. Wobei mir aber nicht so wichtig ist, wer die Tore schießt. Das Wichtigste ist immer der Erfolg der Mannschaft.

Das klingt nicht nach einem typischen Goalgetter – Mittelstürmer sind oft auch eigensinniger und extrovertierter als Sie. Sind Sie schüchtern?

Beric: Vielleicht ein bisschen. Ich bin ein ruhiger Typ. Ich will nicht abheben, weil man dann tief fallen könnte.

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