"Ohne Cordoba wäre es leichter"

Ein Trainer der österreichischen Nationalmannschaft gibt Anweisungen.
Vor dem Fußball-Hit geht Österreichs deutscher Volleyball-Teamchef Michael Warm der Rivalität auf die Spur.

Am 11. September ist Michael Warm eigentlich schon verplant. Technische Einheiten, Krafttraining, Videoanalyse – bis 19 Uhr wird in der Sporthalle in Steinbrunn konzentriert trainiert. Aber nach getaner Arbeit plant der Volleyball-Teamchef einen Abstecher nach Wien. Im Happel-Stadion will sich der gebürtige Nürnberger das Fußball-Duell Österreich gegen Deutschland anschauen. So viel Zeit muss sein.

Seit Mai 2010 trainiert der 44-Jährige Österreichs Volleyball-Herren, mit denen er ab heute (16 Uhr, Budocenter Wien) gegen Mazedonien in die EM-Qualifikation startet. Nach zweieinhalb Jahren ist der Deutsche mit der besonderen Beziehung zwischen den Nachbarländern bestens vertraut. "Schlechte Erfahrungen habe ich keine gemacht – außer, dass mich jeder Dritte darauf anspricht, wie es denn als Deutscher so in Österreich ist", sagt der Trainer und schmunzelt.

Und wie ist es so? – "Schön. Wien ist eine fantastische Stadt." Bis 2016 plant der Trainer auf jeden Fall zu bleiben, bis zu den Olympischen Spielen in Rio läuft derzeit sein Vertrag.

Der leidige Triumph

Wer in Österreich lebt, kommt am Fußball-Wunder von Cordoba nicht vorbei. Den Mythos vom rot-weiß-roten, davidschen Triumph über den deutschen Goliath sieht der Volleyballer kritisch: "Seit 30 Jahren dreht sich alles um diesen einen Sieg, der letztlich doch überbewertet dasteht. Ohne Cordoba wäre es für den österreichischen Fußball sogar leichter gewesen", sagt Warm, der dem ständigen Vergleichen auch im Volleyball wenig abgewinnen kann: "Das Einzige, was ich beeinflussen kann, ist meine eigene Leistung. Letztlich bringt mich der Vergleich nicht weiter."

Und doch bleibt dieser nicht aus. Gerade wenn es um Deutschland und Österreich geht. "Hier gehen manche Dinge schneller, jeder kennt jeden – diese Haberer-Wirtschaft gibt es in Deutschland nicht in der Form", sagt Warm, der aber auch über die Tücken der rot-weiß-roten Sportpolitik Bescheid weiß: "Parteipolitik spielt in Österreich in allen Bereichen eine viel größere Rolle als in Deutschland – auch im Sport."

Und abseits der Arbeit? Hat sich der Alltag des Teamchefs in Österreich irgendwie verändert? "Ich hab’ in meinem Leben noch nie so viele Nachspeisen gegessen wie in den letzten zwei Jahren", sagt Warm, blickt auf die Uhr und entschuldigt sich: "Es wird Zeit fürs Training."

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