Österreich schlägt die Ukraine
Nach genau zwei Minuten und dreißig Sekunden war zumindest klar, dass es die Dramaturgie des Spiels sehr gut mit den Österreichern meinte. Zuvorkommend war die Freistoßentscheidung des deutschen Schiedsrichters. Und
Zlatko Junuzovic nützte die Einladung.
Der haltbar anmutende Schuss von knapp außerhalb der ukrainischen Strafraumgrenze bedeutete das 1:0 gegen den EURO-Gastgeber. Frühe Führung, eigentlich der erhoffte Rückenwind für jede Mannschaft. Innsbrucks Publikum durfte optimistisch sein, auch im achten
Länderspiel keine Niederlage erleben zu müssen.
Überraschungen
Auch Teamchef
Marcel Koller wartete mit der einen oder anderen Überraschung auf. Mit Heinz Lindner im Tor und nicht dem routinierten Gratzei zum Beispiel. Den Aha-Effekt verursachte Florian Klein, der zunächst für Italien-Legionär György Garics rechts in der Abwehr begann. Und Aleksandar Dragovic machte Paul Scharner in der Innenverteidigung Platz.
Was er seinen Spielern in den letzten Tagen im Trainingslager mitgeben wollte, nahmen diese auch mit auf das Innsbrucker Spielfeld: konzentriertes, von ständigem Attackieren geprägtes Defensivverhalten. Fest hatte man die in ihrem Raum beengten Ukrainer im Griff – die positive Erkenntnis.
Doch die erste Halbzeit sollte andererseits zur beeindruckenden Präsentation offensiver Harmlosigkeit werden. Weder Alaba, der sich mit Junuzovic in der Vorwärtsbewegung abwechselte, noch Arnautovic oder Ivanschitz hatten ihrerseits Zeit und Raum, um zu kombinieren. Das Warten auf Zufallsprodukte nach ukrainischen Fehlern war angesagt. Marc Janko befand sich auf Tauchstation. Junuzovic sollte die auffälligste Figur in der Offensive bleiben. Insgesamt blieben die Positionen starr, oft schlampig die Zuspiele, glücklich die Führung zur Pause. "Wir haben uns das Leben durch unnötige Ballverluste schwer gemacht", lautete das Resümee des Teamchefs.
Mehr Schwung
Nach dem Wechsel ging die Ordnung auf beiden Seiten zunehmend verloren. Vielleicht weniger zur Freude der Herren Koller und Blochin. Der Attraktivität der Veranstaltung tat es aber gut: Nach einem Freistoß von Nasarenko glich Gusew aus (56.).
Im Hin und Her erhöhte dann Arnautovic nach einem ungewollten Zuspiel von Ivanschitz auf 2:1 (62.). Der schönste Spielzug (Doppelpass Arnautovic – Alaba) der Kreativabteilung.
Dem allgemeinen Torrausch verfallen, sorgte Gusews Präzisionsarbeit zum erneuten Ausgleich. Schuss ins Kreuzeck –2:2 (65.).
Arnautovic, der dieses Mal überraschend rechts begann und auch in der Defensive aushalf, traf zwei Minuten vor Schluss ebenfalls in den oberen Winkel. Lob kam vom Teamchef: "Das war das Aktivste, was ich von ihm bisher gesehen habe. Ich sah ihn auch zum ersten Mal grätschen."
Der Mann aus
Bremen dachte nicht viel nach bei seinem Tor: "Ich sagte mir, mach` einen Haken und hau` einfach drauf." Was noch? "Gruß an die Familie und die schwangere Frau."
Zweiter Test
Österreichs Team ließ sich nicht durch Rückschläge völlig aus dem Konzept bringen, erarbeitete sich das Glück. Abstimmungsprobleme gilt es aber noch zu beseitigen. Bis Dienstag ist dafür Zeit. Dann folgt der nächste Test: gegen Rumänien, am selben Ort.
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