Sport | Fußball 11.06.2018

Neymars Schauspielerei "hat mit Fußball nicht viel zu tun"

© Bild: REUTERS / LEONHARD FOEGER

Die zahlreichen dramatischen Einlagen des Superstars sorgten bei den ÖFB-Kickern für einigen Unmut.

Mit einer Mischung aus Verwunderung und Verärgerung haben Österreichs Fußball-Teamspieler den Auftritt von Neymar beim 3:0-Sieg Brasiliens im Ernst-Happel-Stadion zur Kenntnis genommen. Der große Star des Rekordweltmeisters zeigte am Sonntag zwar einige Male - so auch beim Tor zum 2:0 - seine Klasse, ging aber auch des öfteren theatralisch zu Boden.

Die einzigen zwei Gelbe Karten des Spiels sahen Sebastian Prödl und Alessandro Schöpf, und das jeweils nach Zweikämpfen mit Neymar. Bei Schöpf löste die Verwarnung Kopfschütteln aus. "Das hat mit Fußball nicht viel zu tun. Ich habe ihn in dieser Szene gar nicht berührt."

Außerdem meinte der Tiroler: "Es ist schon ein bisschen traurig, dass man immer so schnell zu Boden gehen muss." Fußball sei "immer noch irgendwie eine Kampfsportart", betonte der Schalke-Legionär, relativierte aber auch: "Er wird durch seinen Spielstil sehr viel attackiert, da gibt es oft was auf die Socken, deswegen verstehe ich ihn auch."

"Das erwartet ihn bei der WM auch"

Auch Teamchef Franco Foda war von Neymars Aktionen - und seiner Kritik an den Österreichern - wenig angetan. Brasiliens Superstar hatte die Partie wegen der seiner Meinung nach harten Gangart der Österreicher scherzhaft mit der Vorbereitung auf die US-Kampfsportserie UFC und nicht nur auf die Fußball-WM verglichen.

Foda konnte dem wenig abgewinnen. "Es war nichts Außergewöhnliches, was da auf dem Spielfeld passiert ist", erklärte der Deutsche am Montag in einer Pressekonferenz in Wien. "Wir haben ganz normal gespielt. Das erwartet ihn bei der WM auch." Dort treffen die Brasilianer in der Gruppenphase auf die Schweiz, Costa Rica und Serbien.

Seine Spieler seien nicht dafür bekannt, überhart zu spielen, betonte Foda. Man müsse Neymar aber auch ein wenig verstehen. Der 26-Jährige hatte nach einem Ende Februar erlittenen Mittelfußbruch erst vergangene Woche sein Match-Comeback gegeben. "Er war mehrere Monate verletzt. Da hat man vielleicht ein bisschen eine andere Sichtweise", meinte Foda.

"Ich hab ihn g'scheit getroffen"

Neymar bestritt in Wien sein erstes Spiel von Beginn an seit dem Mittelfußknochenbruch. Dabei traf er zum 55. Mal für die "Selecao", womit er in der Bestenliste mit Romario gleichzog und auf Rang drei vorrückte. Nur noch Pele (77) und Ronaldo (62.) liegen vor dem Stürmer, für den Paris St. Germain im Vorjahr die Rekordablöse von 222 Millionen Euro an den FC Barcelona zahlte.

Als Spieler dieser Kategorie genoss Neymar im Prater laut Sebastian Prödl eine gewisse Sonderbehandlung. "In einem Bewerbsspiel würde man ihn nicht so schützen. Aber das ist keine Kritik, nur eine Feststellung. Er kommt aus einer Verletzung, da ist es okay. Ich will ja auch eine WM mit Neymar sehen."

Im Gegensatz zur Gelben Karte für Schöpf war jene für Prödl gerechtfertigt. "Ich habe ihn schon g'scheit getroffen", gab der Steirer zu. Bei mancher anderen Situationen wurde jedoch zu Unrecht auf Foul für Neymar entschieden, was bei den ÖFB-Kickern Unmut auslöste. "Wenn einer bei jedem Wimpernschlag umfällt in einem Spiel, das man gewinnen will - da können schon einmal die Emotionen hochkochen", sagte Prödl.

"Er fällt bei jeder Berührung"

Österreichs Teamkapitän Julian Baumgartlinger war ebenfalls nicht allzu gut auf den ungarischen Referee Viktor Kassai zu sprechen. "Nicht Neymar ist der Schuldige. Er fällt bei jeder Berührung und der Schiedsrichter gibt ihm das Foul", meinte der Leverkusen-Legionär und betonte: "Es gab keine Aktion gegen ihn, bei der man sagen könnte, da war eine böse Absicht dabei."

Für ÖFB-Goalie Heinz Lindner war Neymars Auftreten nicht überraschend. "Er hat das heute nicht zum ersten Mal gemacht, dass er leicht zu Boden geht. Das ist bekannt." Dies sei allerdings nebensächlich. "Herausstechend ist, dass er ein überragender Spieler ist. Er war lange verletzt und kommt zurück, als ob nichts gewesen wäre", erklärte Lindner.

Der Grasshoppers-Legionär bekam von Neymar bei dessen Tor ein "Gurkerl" verpasst. "Ich habe versucht, mich so groß wie möglich zu machen und lange stehen zu bleiben, aber ein Spieler mit seiner Qualität findet eine Lösung, und wenn es zwischen die Beine ist", sagte Lindner.

( Agenturen ) Erstellt am 11.06.2018