Sport | Fußball 08.05.2018

Neun Gründe für das Salzburger Bundesliga-Solo

© Bild: DIENER / Juergen Wassmuth

Zum fünften Mal hintereinander heißt der Meister Red Bull Salzburg - die Gründe für den Erfolgslauf sind vielfältig.

Mit dem 4:1-Kantersieg gegen den letzten Verfolger Sturm fixierte Salzburg am Sonntag in der 33. Runde den neunten Titel seit dem Einstieg von Red Bull im Jahr 2005 – und das erneut in einer überzeugenden Manier, wie es noch im Winter kaum ein Experte erwartet hatte. Neun Gründe, warum auch diese Saison zu einem Salzburger Solo geworden ist ...

1. Der Mannschaftsgeist
Es gab schon bessere Individualisten bei Salzburg, aber noch nie so ein starkes Kollektiv. Trainer Marco Rose formte in kürzester Zeit trotz zahlreicher Abgänge von Leistungsträgern wie Konrad Laimer, Valentino Lazaro, Christian Schwegler oder Andre Wisdom ein schlagkräftiges Team, die nicht nur aus elf, sondern aus 16, 17 Stammspielern besteht. Der Deutsche wehrt sich vehement gegen Bezeichnungen wie A- und B-Team: „Bei uns gibt es nur eine 1A-Mannschaft, die hie und da anders aussieht.“

2. Das Leadership
Rose holte in seiner Premieren-Saison den Titel wie schon Giovanni Trapattoni, Co Adriaanse, Huub Stevens, Adi Hütter und Oscar Garcia. Der 41-Jährige ist mit dem Sieger-Gen ausgestattet. Rose ist kein Solist, sondern ein Teamplayer, hinter dem ein 21-köpfiges Funktionsteam steht, das sich um die Spieler kümmert. Er vereint viele Eigenschaften in sich, die gemeinhin einem typischen Deutschen nachgesagt werden: ehrgeizig, zielstrebig, erfolgsorientiert, aber auch manches Mal mühsam.

Fussball, FC Red Bull Salzburg - SK Puntigamer Sturm Graz
© Bild: DIENER / Juergen Wassmuth

3. Die Gegner
Dass der selbst ernannte Titelmitfavorit Austria kein Gegner ist, war nach der ersten Saisonhälfte klar. Dass Rapid wieder kein ernsthafter Konkurrent sein wird, war wegen der Unbeständigkeit der Hütteldorfer auch schnell offensichtlich. Und Winterkönig Sturm beförderte sich mit dem schlechten Frühjahrsstart nach dem Trainerwechsel (Vogel für Foda) aus dem Titelrennen. Salzburg fehlte erneut ein Gegner, der das Team über die gesamte Saison fordern konnte.

4. Das Rotieren
Kein anderer Trainer in Salzburg änderte so oft und so extrem seine Startelf von Spiel zu Spiel wie Rose. Durch den unerwarteten Erfolgslauf in der Europa League wurde der 41-Jährige auch zum Rotieren gezwungen, gab es doch durch die Dreifachbelastung praktisch nur englische Wochen. Die Salzburger schafften den Spagat zwischen den drei Bewerben. Dass es trotz mittlerweile 58 Saisonspielen kaum Verletzte gab, ist eine positive Begleiterscheinung des ewigen Spieler-Wechsel-Spiels.

5. Der Frühjahrsstart
Nach den 20 Herbstrunden waren die Salzburger noch hinter Sturm klassiert. Nach den ersten vier Runden im Frühjahr lag der Serienmeister nicht nur schon auf Platz eins, sondern hatte nach dem 4:2 im ersten direkten Duell des Jahres bereits zehn Punkte Vorsprung auf die Grazer. Erneut wurden die infrastrukturellen Vorteile in den kalten Monaten (mehrere geheizte Rasen- und Kunstrasenplätze im Trainingszentrum Taxham und in der Nachwuchs-Akademie Liefering) perfekt genützt.

FC Salzburg - Olympique de Marseille
© Bild: Agentur Diener/DIENER / JUERGEN WASSMUTH

6. Die Ramalho-Rückkehr
Paulo Miranda war ein ausgezeichneter Verteidiger, wenn er mit dem Kopf 100-prozentig bei der Sache war. Aber das war der Brasilianer nicht immer. Sein Abgang in der Winterpause konnte mehr als kompensiert werden - mit Heimkehrer Andre Ramalho. Mirandas Landsmann spielte so als wäre er nicht zweieinhalb Jahre weggewesen. Mit Duje Caleta-Car bildet er das beste Innenverteidigerduo Österreichs.

7. Der Youth-League-Erfolg
Der überraschende Triumph in der Champions League für Nachwuchsmannschaften vor einem Jahr hievte Rose nach dem ungeplanten Abgang von Oscar Garcia auf den Cheftrainerposten, für den eigentlich Thomas Letsch vorgesehen war. Der gebürtige Leipziger nützte die Chance auf eindrucksvolle Weise. Rose konnte sich aber auch auf einige Spieler verlassen, mit denen er die Youth League gewonnen hat. Amadou Haidara und Xaver Schlager gehören zu den Stützpfeilern der Salzburger Meisterelf.

8. Der Heimvorteil
Die Zuschauermassen strömen nach wie vor nicht zu den Bundesliga-Spielen in die Red-Bull-Arena. Trotzdem ist Salzburg extrem heimstark und 40 (!) Spiele in Folge ungeschlagen. In der Liga gab es diese Saison bisher 13 Siege und vier Remis. Nur Aufsteiger LASK blieb in Salzburg ungeschlagen. Gegen den Zweitplatzierten Sturm gab es dafür daheim ein 5:0 und ein 4:1.

9. Die Ressourcen
Salzburg hat noch immer mit Abstand das größte Ausgabenbudget (40 Millionen Euro) der Bundesliga. Aber seit Red Bull nur mehr Sponsor ist, muss der Klub umsichtiger mit den vorhandenen Mitteln umgehen als noch in den Jahren davor. Den Salzburgern kommt jetzt zu Gute, dass der Getränkekonzern immer in Beine und Steine investiert hat. Die Infrastruktur (Stadion, Trainingszentrum, Akademie) hat europäisches Top-Niveau und ist die Basis der Erfolge.

( kurier.at ) Erstellt am 08.05.2018