Sport | Fußball
24.07.2018

Neuer Realismus für die neue zweite Liga

Ligavorstand Herovits will weg "vom künstlich Hochstilisieren" - die zweite Liga dürfe keine Belastung für die Klubs sein.

Im neuen Format startet Österreichs zweithöchste Fußballliga am Freitag in die neue Saison. Mit der Aufstockung auf 16 Clubs, darunter "Farmteams" und Quasi-Amateurmannschaften, ist auch eine Neupositionierung verbunden. "Bodenständigkeit, Emotionen, Fußball pur", meinte Bundesliga-Vorstand Reinhard Herovits beim Saisonstart-Medientermin in Wien am Dienstag - und bekannte sich zu neuem Realismus.

"Wir haben die zweite Liga über fast zwei Jahrzehnte hinweg künstlich hochstilisiert", sagte Herovits. Die Professionalität, die man u.a. durch eine dichte TV-Berichterstattung (jede Runde in Konferenzschaltung) garantieren wollte, sei aber am eigentlichen Ziel vorbeigegangen. "Für viele Clubs war diese zweite Liga eine Belastung, sei es durch die Spielerkader selbst oder auch die Infrastruktur." Für ihn ist klar, dass die Öffnung der Liga auch für Amateurteams sinnvoll ist: "Auch in Bayern (ca. 12 Mio. Einwohner) gibt es keine 20 Proficlubs."

Die Neuformatierung hält er für einen ebenso logischen wie vernünftigen Schritt. "Oben (in der Bundesliga, Anm.) ist es Freizeitdienstleistung, Glitzer, Glamour, Show, Schampus und Scampi. Unten ist es Leberkäse und Bier." Nicht nur die lukullische Latte liegt in der kommenden Saison etwas tiefer. Auch die infrastrukturellen Anforderungen wurden heruntergeschraubt. Ein Stadion wie jenes des steirischen Neulings SV Lafnitz, das am Mittwoch nach Umbau kommissioniert wurde, wäre vor kurzem nicht erlaubt gewesen. "Moderne Sportplätze" seien gefragt, nicht unbedingt für UEFA-Cupbewerbe taugliche Arenen.

"Situation entspannt sich"

Nun ist das Unterhaus, das sich ganz offiziell "2. Liga" nennt, also "Drehscheibe" zwischen Profifußball und Amateursport. Vereine und Spieler sollen sich entwickeln, im Fall der Fälle an die Bundesliga herantasten können. Der Anteil der U22-Spieler soll über 25 Prozent liegen, zwölf Spieler jährlich den Sprung ins Oberhaus schaffen. Ob sich die Liga in die gewünschte Richtung entwickelt, bleibt abzuwarten. Eines konnte Herovits aber schon jetzt feststellen: "Vorher waren die Clubs überfordert, jetzt merken wir, wie die 'alten' Vereine durchatmen. Und für die Neuen ist es handlebar. Die Situation entspannt sich zunehmend."

Die finanzielle Unterstützung erfolgt aus drei Töpfen: Jeder Club erhält einen Sockelbetrag in Höhe von 50.000 Euro, der Einsatz junger heimischer Spieler wird aus dem Österreicher-Topf honoriert, und Clubs, die eine Profi-Lizenz lösen, den Aufstieg aber nicht schaffen, erhalten einen Lizenzbonus von bis zu 250.000 Euro. Diesen Betrag bekommt auch der Bundesligaabsteiger als Ausgleichszahlung.

2018/19 gibt es nur noch eine Runde unter Woche, ansonsten wird am Wochenende gespielt - eine Erleichterung für berufstätige Amateurkicker. Die Anpfiffzeiten sind zwischen Freitagabend und Sonntagnachmittag flexibel. Konferenz-Übertragungen im TV gibt es nicht mehr. 60 Spiele werden live im Free-TV übertragen, 30 Partien auf ORF Sport + und 30 Spiele bei laola1 (www.laola1.tv). Alle weiteren Matches sollen auf den digitalen laola1-Kanälen und Clubhomepages ausgestrahlt werden, sofern diese sich nicht zeitlich mit der Bundesliga überschneiden.