Bernhard Brugger hat deutliche Worte für Robert Sedlacek. 

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Sport Fußball
08/23/2019

Sedlacek entschuldigt sich, IG Referee fordert seinen Rücktritt

Der Schiedsrichterchef sei "für die Verwaltung von Schiedrichterangelegenheiten ungeeignet und rückrittsreif".

Österreichs Schiedsrichter-Boss Robert Sedlacek hat mit Aussagen in der Kleinen Zeitung für Aufsehen gesorgt. "Nach einer ausgedehnten internen Diskussion wissen wir, dass es Beispiele gibt, bei denen Schiedsrichter nicht die optimale Entscheidung getroffen haben, weil sie es sich lieber angenehm machen wollten", wurde der Vorsitzende der ÖFB-Schiedsrichterkommission zitiert.

"Sie wollten keine Entscheidung treffen, die nicht bei allen gut ankommt, weil sie vielleicht gegen einen Verein geht. Da wurde auf elegante Weise ein Strafstoß oder eine Rote Karte nicht gegeben und somit eine etwas schlechtere Bewertung in Kauf genommen", sagte der 64-Jährige außerdem.

Nach der daraufhin einsetzenden Kritik relativierte Sedlacek seine Äußerungen in einem schriftlichen Statement gegenüber der APA. "Sollte die Wiedergabe einiger meiner Aussagen bzw. deren Interpretation in den Medien zu Irritation geführt haben, möchte ich mein Bedauern zum Ausdruck bringen. Die Objektivität aller Schiedsrichter und Schiedsrichterassistenten im Elitebereich steht für mich völlig außer Zweifel. Das habe ich ihnen auch bereits persönlich mitgeteilt."

Außerdem will Sedlacek die Fehlpfiffe der Schiedsrichter minimieren. "Es ist jedoch eine kritische interne Aufarbeitung einiger getroffener Entscheidungen nötig, um in Zukunft Topleistungen aller unserer Referees zu gewährleisten, in die ich nach wie vor volles Vertrauen habe. Gemeinsam werden wir daran arbeiten, uns ständig zu verbessern. Der VAR, der in Zukunft auch in Österreich zum Einsatz kommen soll und wird, wird den Schiedsrichtern künftig bei ihrer herausfordernden Tätigkeit als Unterstützung dienen", wurde Sedlacek zitiert.

Scharfe Kritik an Sedlacek kam aus den Fachkreisen. "Ein Schiedsrichterchef, der derartige Äußerung öffentlich trifft, ist für die Verwaltung von Schiedrichterangelegenheiten ungeeignet und rückrittsreif", schrieb Bernhard Brugger von der IG Referee, der Interessensgemeinschaft der österreichischen Fußball-SchiedsrichterInnen.

"Wir empfinden Robert Sedlaceks Aussagen in der Kleinen Zeitung als pauschalen Vorwurf möglicher Korrumpierbarkeit, Parteilichkeit und mangelnden Pflichtbewusstseins von Schiedsrichtern der österreichischen Bundesliga. Er bezichtigt seine Schiedsrichter der bewussten Missachtung von Fußballregeln und Weisungen. Diese würden sogar eine schlechtere Bewertung in Kauf nehmen", heißt es in einer Pressemeldung, die Brugger selbst unterschreibt.

Dem ehemaligen Schiedsrichter würde vor allem sauer aufstoßen, dass Sedlacek weder konkrete Namen nennt, noch sich auf gegenständliche Vorkommnisse bezieht. So würden diese Unterstellungen auf alle Schiedsrichter pauschal zurückfallen. "Ab sofort muss jeder Schiedsrichter Österreichs bei jedem Spiel mit dieser Pauschalverdächtigung seine Tätigkeit ausüben. Sedlaceks Aussagen sind nicht nur unhaltbar, sondern in aller Deutlichkeit zurückzuweisen", heißt es seitens der IG Referee. 

Intransparenz

Aus Bruggers Sicht zähle Sedlacek zur "Kaste der reformunfähigen Funktionäre rund um Ex-SR-Manager Fritz Stuchlik. Der Fall um den gefallenen SR-Manager wurde nie aufgearbeitet. Der Verband hüllt sich seitdem in Schweigen - ein Zeichen von Intransparenz und dem fehlenden Willen, Versäumnisse einzugestehen und eine nötige Kurskorrektur vorzunehmen."

Sedlacek und Co. würden in ihren Funktionen bestenfalls dilettieren. "Sie verfügen aber nicht über die nötigen Voraussetzungen, um dieser verantwortungsvollen Aufgabe nachzukommen. Mit ihren Handlungen betreibt die SR-Führung nicht die Vorantreibung von SR-Interessen, sondern vielmehr Schiedsrichtervertreibung", schreibt Brugger