Sport | Fußball 11.05.2018

Nach dem Cup-Triumph: Sturm nimmt Salzburg den Nimbus

Sturm gewinnt den Cup. © Bild: APA/ERWIN SCHERIAU / ERWIN SCHERIAU

Wie die Grazer den Seriensieger stoppten und warum trotzdem noch Potenzial brachliegt.

Es ist eine Ohrfeige – weniger für Gegner Salzburg als viel mehr für Austria und Rapid. Sturm gewann am Mittwoch das Finale des UNIQA-Cups gegen Österreichs Übermannschaft 1:0 und holte bereits den dritten Titel seit dem Jahr 2010 – im Vergleich mit den Wiener Klubs mit bescheidenen Mitteln.

In den vergangenen neun Saisonen gewann Rapid gar keinen Titel, die Austria wurde wenigstens 2013 Meister, ging aber sonst leer aus. Den Großteil (12 von 18 Titel) räumten die Salzburger ab, aber die spielen in einer anderen finanziellen Liga.

Am Mittwoch wurde endlich auch mit dem Gerücht aufgeräumt, dass Österreichs Übermannschaft in entscheidenden Spielen unschlagbar ist. Gebettelt hatten die Salzburger ja schon mehrmals, etwa zuletzt im Cup-Semifinale in Mattersburg, bestraft wurde der Serienmeister und -cupsieger erst von Sturm.

„Wir wollten Salzburg nicht ins Spiel kommen lassen. Dieser Matchplan ist perfekt aufgegangen“, meinte Sturm-Trainer Heiko Vogel nach dem finalen Triumph im Wörthersee-Stadion, in dem nun nur mehr die Grazer in ÖFB-Cup-Finalspielen ungeschlagen sind. Schon 2010 war in Klagenfurt ein großer Streich gelungen.

Die Idee des Deutschen war einfach. Das Salzburger Spiel wurde im Ansatz unterbunden. Alar, Edomwonyi und Röcher, der auf der ungewohnten Zehnerposition aufgelaufen war, setzten die Innenverteidiger des Gegners unter Druck. Ramalho und Caleta-Car konnten so nicht ungestört aufbauen. Die Folge waren ungenaue Zuspiele und – daraus resultierend – viele Fehler der Vorderleute.

Sommerneuzugang Röcher steht für vieles, was in Graz besser läuft als in Wien. Der Offensivspieler zeigte schon bei Mattersburg, dass er Salzburg Probleme bereiten kann. Dass nicht er von Red Bull geholt wurde, sondern sein Mattersburger Kollege Patrick Farkas (der nun nur Ergänzungsspieler ist), war unverständlich. Dass dann aber auch nicht die finanzstärkeren Wiener Klubs beim 2017 ablösefreien 26-Jährigen zugriffen, war das mindestens ebenso.

In der Bundesliga konnte Sturm mit Salzburg wieder nur ein halbes Jahr mithalten. Nach dem Trainerwechsel in der Winterpause folgte ein zu schwacher Start ins Frühjahr. Und wer zwei Mal hintereinander gegen den WAC verliert, kann Salzburg nicht ernsthaft über 36 Runden herausfordern.

Dass bei Sturm nicht nur sportlich Potenzial noch brachliegt, stellte das Cup-Finale ebenfalls unter Beweis. Mehr als 20.000 Fans begleiteten die Mannschaft nach Klagenfurt. In der Bundesliga kommen im Schnitt zu Heimspielen in die Grazer Merkur Arena nur rund die Hälfte – und das, obwohl Sturm auch in der Bundesliga die beste Saison seit der Erringung des Meistertitels 2011 spielt.

Kampf um Platz zwei

Derzeit sind die Grazer Zweiter hinter Meister Salzburg. Der Vizemeistertitel muss in den letzten drei Runden allerdings noch verteidigt werden. Am Samstag wartet mit dem Heimspiel gegen Verfolger LASK ein richtungsweisendes Duell. Aber auch Rapid als Ditter ist noch in der Verlosung.

Platz 2 bringt einen Platz in der 2. Runde der Champions-League-Qualifikation. Nach der Europacup-Reform müsste Sturm nur diese überstehen und wäre zumindest in der Europa-League-Gruppenphase. Werden die Grazer überholt, starten sie als Cupsieger zwar erst in der 3. Runde der Europa-League-Qualifikation, müssten allerdings zwei Gegner ausschalten, um in den Hauptbewerb zu kommen.

Im Europacup hat Sturm überhaupt großen Nachholbedarf – auch im Vergleich zu den Wiener Klubs. Während sich Rapid und Austria regelmäßig für Gruppenphasen qualifizieren, waren die Grazer zuletzt vor sieben Jahren in einem Europacup-Hauptbewerb dabei.

( kurier.at ) Erstellt am 11.05.2018