11.08.2013 Wien; Fussball; Hanappi Stadion; Bundesliga; Wiener Derby SK Rapid Wien - SK Austria Wien Rubin Okotie, Mario Sonnleitner Copyright DIENER / Eva Manhart Marktgasse 3-7/4/5/21 A-1090 Wien Telefax +43 1 955 32 35 Mobil +43 676 629 98 51 BA CA Bank Nr. 12000 Account Nr. 00712 223 783 e-mail: agentur@diener.at Datenbank: www.diener.at

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Mario Sonnleitner
08/12/2013

"Sind zwar Maschinen, aber keine Götter"

Mit Fortdauer des Wiener Derbys mussten Sonnleitner & Co. dem Unterzahlspiel Tribut zollen.

Rapid ist auch zum zehnten Mal in Folge ohne Sieg im Wiener Fußball-Derby geblieben, darf sich nach dem 0:0 gegen die Austria am Sonntag aber als heimlicher Sieger fühlen. Der ungeschlagene Tabellenzweite überstand im Hanappi-Stadion eine mehr als einstündige Unterzahlsituation unbeschadet und war nach der Pause sogar spielerisch stärker als der Lokalrivale und dem Sieg näher.

Die Hütteldorfer mussten neuerlich einen Großteil des Spiels mit einem Mann weniger auskommen. Gegen Sturm Graz (4:2-Sieg) hatte Maximilian Hofmann schon in der ersten Minute Rot gesehen, dieses Mal bekam Stephan Palla völlig zurecht in Minute 26 die Ampelkarte präsentiert. "Er war in der zweiten Aktion übermotiviert, hätte das Bein zurückziehen müssen. Wenn man schon eine Gelbe Karte hat, muss man besser attackieren", sagte Zoran Barisic. Der Rapid-Trainer hofft nun, dass die Rot-Serie ein Ende findet. "Wir haben uns das Leben wieder selbst schwer gemacht, das soll nicht einreißen, ich will schon wieder einmal ein Spiel zu elft beenden."

Der Coach der Hütteldorfer war damit jedenfalls zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit zu einer Planänderung gezwungen. Steffen Hofmann versuchte trotz seines am Samstag erlittenen Hexenschusses aufzuwärmen, musste aber passen. "Steffen hat verhindert, dass sein Kind niederfällt und dabei den Hexenschuss erlitten", verriet Barisic. Hofmanns rechtzeitig fit gewordener Ersatzmann Marcel Sabitzer musste dadurch gleich von Beginn an ran und konnte überzeugen. "Er hat seine Sache sehr gut gemacht, war viel unterwegs", lobte Rapids Trainer den Offensivspieler.

Barisic zufrieden

Nach dem Seitenwechsel war von der numerischen Unterlegenheit der Hütteldorfer überhaupt nichts zu sehen, ganz im Gegenteil hatten die Hausherren gar mehr vom Spiel. "Wir wollten in der zweiten Hälfte auch nach vorne Akzente setzen, das ist uns auch ganz gut gelungen. Mit ein bisschen Glück hätten wir als Sieger vom Platz gehen können", resümierte Barisic. Mit der Leistung seiner Mannschaft war der Wiener sehr zufrieden. "Es war insgesamt eine ansprechende Leistung. Meine Mannschaft hat gut gespielt, gekämpft und ist viel gelaufen", ergänzte Rapids Coach.

Obwohl torlos sei das 306. Prestigeduell der beiden Wiener Topclubs durchaus sehenswert gewesen. "Für Trainer war es ein ganz interessantes Spiel. Die Austria war sehr gut organisiert, hat die Räume verdichtet. Und wir haben der Austria kaum Raum gegeben, um sich zu entfalten", analysierte Rapids Trainer. "Das 0:0 geht in Ordnung."

Die Hütteldorfer warten dadurch aber weiterhin seit dem 13. März 2011 (1:0 in Favoriten) auf einen Derby-Sieg, in den jüngsten zehn Duellen gab es je fünf Niederlagen und Unentschieden. "Wir haben die letzten beiden Duelle nicht verloren und die Leistung heute sollte uns Mut machen für die Zukunft", strich Barisic das Positive hervor.

Das taten auch die Spieler. "Aufgrund der Roten Karte müssen wir zufrieden sein. Wir haben gut gekämpft und es war wichtig, dass wir kein Gegentor bekommen haben", sagte Goalie Jan Novota, der auch in seinem zweiten Derby nach dem 2:2 im Finish der vergangenen Saison ungeschlagen blieb. Und Sabitzer ergänzte: "Wir jammern nicht über die zwei vergebenen Punkte, der eine Punkt hilft uns auch weiter."

"Am Ende sind wir ein bisschen müde geworden"

Auch bei Mario Sonnleitner überwog drei Tage nach dem Aufstieg gegen Asteras Tripolis ins Europa-League-Play-off die Freude über das Remis. "Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung diese Woche. Wir sind zwar Maschinen, aber keine Götter, die alles niederrennen. Am Ende sind wir ein bisschen müde geworden", meinte der Innenverteidiger.

Thanos Petsos war nach seiner Derby-Premiere ebenfalls in bester Laune. "Wir haben Leidenschaft und Kampf gezeigt. So eine Leistung mit einer so jungen Mannschaft ist schon erstaunlich", meinte der Deutsch-Grieche. Petsos versuchte mit Freistößen aus allen Lagen für Torgefahr zu sorgen, brachte davon aber nur einen wirklich gefährlich auf das Gehäuse von Heinz Lindner. "Man muss es immer wieder probieren, auch bei den großen Stars geht nicht jeder rein", rechtfertigte sich der 22-Jährige.

Austria auf der Suche nach Selbstvertrauen

Die Wiener Austria läuft weiterhin ihrer Meisterform hinterher. Beim 0:0-Remis im 306. Derby beim Lokalrivalen Rapid am Sonntag stand die Abwehr der Gäste zwar größtenteils sicher, das Offensivspiel ließ allerdings trotz mehr als einstündiger Überzahl zu Wünschen übrig. Der Bundesliga-Titelverteidiger ist nun schon drei Runden sieglos und weist als Sechster schon fünf Punkte Rückstand auf Tabellenführer Salzburg auf.

Für Coach Nenad Bjelica gibt es für den mageren Saisonstart einen einfachen Grund. "Ohne Selbstvertrauen kann man nicht Fußball spielen. Die Spieler haben bei jedem Ballkontakt Angst, einen Fehler zu machen", sagte der Kroate. Vor allem nach der Pause war die Ängstlichkeit im Spiel der Gäste augenscheinlich, trotz einem Mann mehr (ab Minute 26) am Platz, schienen sie vordergründig auf das Verwalten des Ergebnisses aus zu sein. "Der Ausschluss hat uns nicht gut getan, wir sind dann nicht so ambitioniert gewesen, was ich nicht verstehe", war Bjelica etwas ratlos.

Ideenlosigkeit

Im Spiel nach vorne fehlten vor 16.300 Zuschauern im fast ausverkauften Hanappi-Stadion - wie auch schon beim torlosen Remis in der Champions-League-Qualifikation am Mittwoch auswärts gegen Hafnarfjördur - jegliche Ideen. "In der Offensive läuft es nicht, da fehlt es an Klarheit und Ideen. Daran müssen wir arbeiten", war sich Bjelica bewusst. "Wir müssen mehr Leichtigkeit in die Füße reinbekommen", ergänzte Austrias Trainer, für den das Remis leistungsgerecht war.

Die Rochade an vorderster Front - Rubin Okotie für Philipp Hosiner - brachte auch nicht den gewünschten Erfolg. Okotie kam zu keiner einzigen Chance, wurde allerdings auch nur selten bedient. Der als "Joker" in Minute 65 eingewechselte Hosiner konnte sich genauso nicht entscheidend in Szene setzen. "In der zweiten Hälfte haben wir wie auf Island Angst gehabt und aufgehört, Fußball zu spielen", ärgerte sich der nach der Partie leicht angeschlagene Torschützenkönig der vergangenen Saison.

In der Defensive präsentierten sich die Favoritner hingegen von einer guten Seite, ließen mit einem Stangen-Kopfball von Christopher Trimmel nur eine echte Topchance zu. "Mit der defensiven Leistung kann ich zufrieden sein", betonte Bjelica. Im Heimspiel gegen Wiener Neustadt am Samstagabend soll nun der zweite Saisonsieg gelingen. "Wir brauchen einen Sieg, dann geht alles leichter, dann werden wir auch wieder besser ausschauen", war sich Bjelica sicher.

Der Austria-Trainer verwies in dieser Hinsicht auch auf den Lokalrivalen. "Rapid hat eine Euphorie im Verein, ist mit Selbstvertrauen am Platz. Beim Zoki ist momentan alles super, aber vor einigen Wochen war auch noch alles ganz anders", sagte Bjelica im Hinblick auf Rapids Erstrundenniederlage im ÖFB-Cup gegen den Regionalligisten LASK am 14. Juli.

"Unglaublich, wie alles schwarz gemalt wird"

Auch die Meisterkicker sind nach wie vor gelassen. "Gegen Rapid auswärts ein Unentschieden zu holen, ist okay. Im nächsten Spiel ergibt sich für uns wieder die Chance, mit drei Punkten alles in die richtigen Bahnen zu lenken", sagte Marko Stankovic. Dass sehr viel über düstere Wolken über Favoriten zu lesen oder zu hören sei, sei eigenartig. "Es ist unglaublich, wie alles schwarz gemalt wird, aber ich bin froh, dass die Latte für uns sehr hoch liegt", meinte der Mittelfeldspieler.

Die Austrianer müssen jedenfalls schnell in die Spur finden, steht doch bereits nach dem Meisterschaftsspiel zu Hause gegen Wiener Neustadt am 21. August das erste Duell mit Dinamo Zagreb um den Einzug in die Gruppenphase der Champions League an.

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